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Lot 2091 - Albert Renger-Patzsch (Würzburg 1897 – 1966 Wamel b. Soest) - „Das [...]

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Albert Renger-Patzsch (Würzburg 1897 – 1966 Wamel b. Soest)
„Das Bäumchen“. 1929
Vintage oder früher Silbergelatineabzug. Agfa-Brovira-Papier. 38,4 × 27,8 cm ( 15 ⅛ × 11 in.). Rückseitig vom Photographen mit blauer Tinte in Großbuchstaben betitelt und mit Bleistift Archiv-Nr.: „L 148“ (L=Landschaft) sowie Photographenstempel: „A. RENGER-PATZSCH WAMEL-DORF ÜBER SOEST I.W.“. Von unbekannter Hand mit rotem Farbstift datiert.
[2044]
Provenienz: Privatsammlung, Deutschland
Literatur und Abbildung: Knipsen – aber mit Verstand! Sonderhefte. Neue Reihe Nr. 9. Ullstein A.G., Berlin o.J., S. 19 (dort betitelt: Vorfrühling) / Albert Renger-Patzsch: Beständige Welt. Kleines Landschaftsbuch mit einem Geleitwort von Helene Henze. Münster in Westf. 1947, S. 15 (diese Publikation ist vor dem 2. Weltkrieg konzipiert und erst danach realisiert worden) / Donald Kuspit (Hg.): Albert Renger-Patzsch. Joy before the Object. New York 1993, S. 13 / Ruhrland- und Heimatmuseum Essen (Hg.): Albert Renger-Patzsch. Der Fotograf der Dinge. Essen 1966, Abb. 9 (dort betitelt: Kirschbäumchen) / Virginia Heckert und Ute Eskildsen (Hg.): Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der Fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto-Archiv der Ruhr-Universität Bochum im Museum Folkwang. Essen 1997, S. 85 / Ann und Jürgen Wilde und Thomas Weski (Hg.): Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke. München 1997, T. 91

„Das Geheimnis einer guten Photographie beruht in ihrem Realismus“ schreibt Renger-Patzsch 1928 in seinem Text „Neue Blickpunkte der Kamera“ für die Zeitschrift UHU. Deutlich betont er, die Photographie als eigene Technik mit ihren spezifischen Ausdrucksmitteln anzuerkennen und damit nicht mehr künstlerisch der Malerei nachzueifern. Denn nur sie vermag den sogenannten Zauber des Materials wiederzugeben: „Die Struktur von Holz, Stein und Metall wird in ihrer Eigenart so hervorragend dargestellt, wie es mit den Mitteln der bildenden Kunst niemals geschehen kann.“

Noch deutlicher und sprachlich drastisch ist seine Kritik an der damaligen Landschaftsphotographie, die er 1935 formuliert: „Die Vergewaltigung der Landschaft zu ‚kunst‘-fotografischen Zwecken ist bei mir verboten.“ Mit diesem Diktum fordert Renger-Patzsch auf jede Täuschung in der Darstellung zu verzichten, um das Wesentliche abzubilden. Wichtig ist ihm der ruhige, besonnene Betrachter der Natur, der sich Zeit nimmt, um die zu photographierende Landschaft per Fuß und Auge zu erkunden und in sich aufzunehmen.

Bei allem gewünschten Realismus hat diese Sichtweise durchaus etwas Sentimentalisches, die den Eigenarten und Emotionen der Natur besondere Aufmerksamkeit schenkt. „Das Bäumchen“ ist eine Photographie, welche das Dargestellte wie ein Bildnis, eine Skulptur wirken lässt. Der fragile, schmächtige Baumstamm, einsam in der weiten leeren Landschaft stehend im Bildvordergrund und über den oberen Rand des Hochformats herausragend, gewinnt durch seine zentrale Platzierung in der Bildachse eine starke Präsenz und Individualität. Der sichtbare Reiz dieser Photographie ist nicht allein in der Kargheit des gewählten Motivs im Kontrast zur weiten Perspektive des Horizonts begründet, sondern ebenso in der technischen Virtuosität des Photographen. So glänzt die dünne Rinde des „Bäumchens“ silbern im reflektierenden Licht, welches durch den starken Schlagschatten in der unteren rechten Bildecke zusätzlich betont wird - ergänzt durch die Reste des abschmelzenden Schnees, der wie ein kleines Gebirge den Baum zu stützen scheint. Bei aller Statuarik des Bildes enthält die Szenerie etwas Temporäres, die vom Übergang des Winters in den nahenden Frühling kündet. Die Komposition der Photographie u.a. nach den Regeln des Goldenden Schnitts gemahnt bei aller Nüchternheit der Motive an eine sakrale Ikonographie, die den Kreuzestod Christi als Beginn des Neuen in der landschaftlichen Umgebung präsentiert.

Es ist dieser Dualismus zwischen der konkreten Darstellung und einer visionären Offenheit in der Deutung, die den einzigartigen Wert dieses Bildes von Renger-Patzsch bestimmt. Ganz im Sinne des Photographen ergänzen sich das „Wahrnehmen“ und das „Erkennen“ hier zu einem gemeinsamen Erleben der Natur. (Sabina Mlodzianowski)




Albert Renger-Patzsch (Würzburg 1897 – 1966 Wamel near Soest)
„Das Bäumchen“ (The Young Tree). 1929
Vintage or early gelatin silver print. Agfa Brovira paper. 38,4 × 27,8 cm ( 15 ⅛ × 11 in.). On the reverse titled with blue ink in capital letters by the photographer as well as the archive number: „L 148" (L=landscape) in pencil. The photographer's stamp: „A. RENGER-PATZSCH WAMEL-DORF ÜBER SOEST I.W.“ and dated in red coloured pencil by an unknown hand.
[2044]
Provenienz: private collection, Germany
Literatur und Abbildung: Knipsen – aber mit Verstand! Special edition. Neue Reihe No. 9. Ullstein A.G., Berlin no year, p. 19 (there titled: Vorfrühling) / Albert Renger-Patzsch: Beständige Welt. Kleines Landschaftsbuch with a preface by Helene Henze, Münster in Westf. 1947, p. 15 (this publication has been planned before and realized after World War II) / Donald Kuspit (ed.): Albert Renger-Patzsch. Joy before the Object. New York 1993, p. 13 / Ruhrland- and Heimatmuseum Essen (ed.): Albert Renger-Patzsch. Der Fotograf der Dinge. Essen 1966, ill. 9 (there titled: Kirschbäumchen) / Virginia Heckert and Ute Eskildsen (ed.): Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der Fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto- Archiv der Ruhr-Universität Bochum im Museum Folkwang. Essen 1997, p. 85 / Ann and Jürgen Wilde and Thomas Weski (ed.): Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke. Munich 1997, pl. 91


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