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Lot 186 - Camille Pissarro (Saint-Thomas-des-Antilles 1830 – 1903 Paris) - „La Route de [...]

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Camille Pissarro (Saint-Thomas-des-Antilles 1830 – 1903 Paris)
„La Route de Marly, Louveciennes“. 1871
Öl auf Leinwand. 32,5 × 41,5 cm ( 12 ¾ × 16 ⅜ in.). Unten rechts signiert und datiert: C. Pissarro. 1871. Auf dem Schmuckrahmen ein Etikett vom Kunsthaus Zürich.
Pissarro/Durand-Ruel Snollaerts 199.–
[3517]
Provenienz: Nachlass des Künstlers (?) / Galerie Bernheim-Jeune, Paris, 1903 / Dr. Georges Viau, Paris (spätestens 1904 bis 1939) / Nachlass Dr. Georges Viau (1939 bis 1942) / Hildebrand Gurlitt, Hamburg (1942 auf der Auktion Viau erworben) / Fritz Nathan, Zürich (1953 bis 1972, seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Œuvres de l'École impressioniste. Paris, Galerie Bernheim-Jeune, 1903, Kat.-Nr. 48 / Quelques chefs-d'œuvre de maîtres contemporains. Paris, Musée du Luxembourg, 1904, Kat.-Nr. 43 / Centenaire de la naissance de Camille Pissarro. Paris, Musée de l'Orangerie, 1930, Kat.-Nr. 11, m. Abb. / Camille Pissarro. Bern, Kunstmuseum, 1957, Kat.-Nr. 16, m. Abb. / Die Ile de France und ihre Maler. Berlin, Staatliche Museen, Nationalgalerie in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, 1963, Kat.-Nr. 13
Literatur und Abbildung: Julius Meier-Graefe: Camille Pissarro. In: Kunst und Künstler, 2. Jg., 12. H., Sept. 1904, S. 475-488, hier S. 481 / Ludovic Rodo Pissarro und Lionello Venturi: Camille Pissarro. Son art, son œuvre. 2 Bde. Paris, Rosenberg, 1939, Bd. I (Texte), Kat.-Nr. 121, Bd. II (Planches), Abb. Tf. 24 / Catalogue des Dessins, Aquarelles, Gouaches, Pastels [...], Tableaux Modernes [...], composant la Collection de M. Georges Viau. Paris, Hotel Drouot, 11.12.1942, Kat.-Nr. 109, Abb. Tf. XL / Leopold Reidemeister: Auf den Spuren der Maler der Ile de France. Topographische Beiträge zur Geschichte der französischen Landschaftsmalerei von Corot bis zu den Fauves. Berlin, Propyläen Verlag, 1963, Abb. S. 48

Im Sommer 1871, kurz nach Ende des deutsch-französischen Krieges, malt Pissarro seine Vision des abgründigen Friedens.

Er ist der nobelste der französische Impressionisten, der stillste, seine Gemälde, Landschaften meist, atmen einen unwiderstehlichen edlen Geist, er setzt die Farben mit großem Bedacht und doch mit einer umwerfenden Souveränität, ein Meister, fast vom ersten Pinselstrich an. Er malt Frankreich, immer wieder Frankreich, mit einer wehmütigen Liebe wie es wohl nur die tun können, die sich doch wurzellos fühlen, denn Pissarro wurde in St. Thomas, einer dänischen Kolonie der Antillen, geboren, kam als Kind nach Paris, musste dann mit 17 zurück nach Südamerika, um erst 1855, also mit fünfundzwanzig Jahren, endgültig in die französischen Hauptstadt zurückzukehren.
Es waren dann die beiden großen Koloristen der Vorgängergeneration, Courbet und vor allem Corot, die den jungen Maler in ihren Bann zogen, und der Geist Corots spricht noch lange aus seinen Bildern, auch in unserer Landschaft „La Route de Marly, Louveciennes“ aus dem Jahre 1871. Schaut man etwa auf einw Gemälde von Corot wie „Le Petit Chaville“ aus dem Jahre 1823/25 (siehe Abbildung), dann spürt man, wie die Naturauffassung und die Kompositionschemata Corots eine nachhaltige Wirkung auf Pissarros Schaffen hatten.
Zwei Jahre zuvor war Pissarro mit seiner Familie in dieses kleine Dorf an der Seine, 30 Meilen von Paris entfernt, gezogen und er fand hier, vor und nach dem brutalen Deutsch-Französischen Krieg, im Schatten des Orkans zu seinem eigenen Stil. Im Oktober 1870, als die Kämpfe näher kamen, muß Pissarro kurzzeitig nach England übersiedeln, wo er die Malerei Constables lieben lernt und in seine Kunst integriert, bevor er Ende Juli 1871 nach Frankreich zurückkehren kann, als sich der Rauch von den Schlachtfeldern verzogen hat. Es entstehen in der Zeit in Louveciennes, kurz vor und kurz nach den Hauptmonaten des Krieges, immer wieder Landschaften desselben Typs: Im Zentrum steht ein Weg, darauf wenige Personen, im Hintergrund vereinzelte Häuser, rechts und links Vegetation. Es ist ein wahres Wunder, welchen Variantenreichtum Pissarro aus diesem einfachen Kompositionsschema schöpfen kann, wie es ihm immer aufs Neue gelingt, völlig überraschende bildwürdige Blickrichtungen und Perspektiven zu finden. Die Gemäldeproduktion der großen Impressionisten Monet, Pissarro und Sisley - seit den 1870er-Jahren - gleicht „einem stetigen ruhigen Fluß, der mit dem Wechsel der Tages- und Jahreszeiten in Einklang steht“, schreibt Ortrud Westheider. Daraus entstand jenes Vermögen, das „Bewegte und Transitorische einzufangen und ein von Licht und Luft durchflutetes, Himmel und Erde harmonisierendes Erscheinungsbild entstehen zu lassen“ („Impressionismus. Die Kunst der Landschaft, Museum Barberini, 2017, Seite 24).
Unser Bild, obwohl dem Frühwerk Pissarros entstammend, kommt diesem Ideal bereits sehr nahe. Während sich die Wege in seinen Landschaften jener Jahre in der Regel langsam in den Bildraum eröffnen oder langsam nach oben schrauben, kommt unserem Gemälde eine besondere Bedeutung zu: „La Route de Marly, Louveciennes“ ist auf besondere Weise durch den steil abfallenden Weg dynamisiert. Diese extreme Perspektive fordert nicht nur die Meisterschaft des Künstlers heraus, sondern hebt das Bild auch aus der friedlichen Unerschütterlichkeit seiner sonstigen Landschaften heraus. Der Blick des Künstlers geht hinab, er schaut gleichzeitig auf die Straße unter seinen Füßen und in die weite Ferne, wo sich die Wolken türmen über eine fein ausdifferenzierten Landschaft, die eine Hügelkette begrenzt. Die Fassaden der Häuser unten am Weg führen den Blick des Betrachters in einer scharfen Linkskurve zu einem geheimen, nicht sichtbaren Schwerpunkt des Bildes, von dem ein unmerklicher, aber doch kräftiger Sog auszugehen scheint. Und doch stellt Pissarro die Bäume am rechten Bildrand und die eher statischen Wolkengebilde am Himmel diesem Sog souverän entgegen, so daß das Bild von einem fein austarierten Gleichgewicht der Kräfte vitalisiert wird. Unser Gemälde stammt aus der zweiten Schaffensphase in Louveciennes. Während die Kompositionen der ersten Phase noch von einer ruhigen, strukturierten Raumauffassung geprägt sind (unsere Abbildung „Frühling in Louveciennes“), so verändern sich die Landschaften nach seiner Rückkehr aus London in der zweiten Hälfte 1871. Die feinen Ordnungsgefüge werden subtil und bewusst unterbrochen – durch Schatten, die den Bildraum durchziehen und Bäume, deren Vertikalität betont wird wie in unserem Gemälde.
Natürlich sind die Impressionisten die Maler des Lichts. Doch sie sind es eben in einem komplexeren Sinne, es geht ihnen darum, wie sich die Welt immer wieder neu formt, jede Sekunde, mit dem Wechsel der Wolken und der Winde, mit dem Stand der Sonne und mit ihrem Verschwinden. Der Zauber unseres Gemäldes etwa besteht genau darin, daß es Pissarro gelungen ist, die scheinbare Reglosigkeit unter einer dicken Wolkendecke zu malen. Im Juli 1871 kehrte Pissarro mit seiner Familie nach Louveciennes zurück, die Lichtstimmung und die Vegetation legen es nahe, daß unser Gemälde unmittelbar danach entstanden ist, im August oder September. Er hatte in London experimentiert, mit der Palette, mit Techniken, mit Motiven. Er hatte vor allem Constable lieben gelernt und dessen kraftstrotzenden Landschaften. Dieses erweiterte Spektrum setzte er ein, als er sich im August 1871 wieder in seinem Heimatort vor seine Staffelei setzen konnte. Unser Gemälde demonstriert mit seinem Weg in den Abgrund aber eben auch das neu gewonnene Bewusstsein des Künstlers über die Gefährdungen der Welt, vor denen auch die schönste französische Landschaft nicht schützen kann. Auch wegen dieser besonderen Sogwirkung ist „La Route de Marly“ eine außergewöhnliche Wegmarke innerhalb dieser großen Künstlerbiographie. Florian Illies




Camille Pissarro (Saint-Thomas-of the-Antilles 1830 – 1903 Paris)
„La Route de Marly, Louveciennes“. 1871
Oil on canvas. 32,5 × 41,5 cm ( 12 ¾ × 16 ⅜ in.). Signed and dated lower right: C. Pissarro. 1871. On the decorative frame a label from the Kunsthaus Zurich.
Pissarro/Durand-Ruel Snollaerts 199.–
[3517]
Provenienz: Estate of the artist (?) / Galerie Bernheim-Jeune, Paris, 1903 / Dr. Georges Viau, Paris (at the latest 1904 until 1939) / estate Dr. Georges Viau (1939 until 1942) / Hildebrand Gurlitt, Hamburg (acquired 1942 at the Viau auction) / Fritz Nathan, Zurich (1953 until 1972, thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Œuvres de l'École impressioniste. Paris, Galerie Bernheim-Jeune, 1903, cat. no. 48 / Quelques chefs-d'œuvre de maîtres contemporains. Paris, Musée du Luxembourg, 1904, cat. no. 43 / Centenaire de la naissance de Camille Pissarro. Paris, Musée de l'Orangerie, 1930, cat. no. 11, with ill. / Camille Pissarro. Bern, Kunstmuseum, 1957, cat. no. 16, with ill. / Die Ile de France und ihre Maler. Berlin, Staatliche Museen, Nationalgalerie in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, 1963, cat. no.13
Literatur und Abbildung: Julius Meier-Graefe: Camille Pissarro. In: Kunst und Künstler, 2, vol. 12, Sept. 1904, p. 475-488, here p. 481 / Ludovic Rodo Pissarro and Lionello Venturi: Camille Pissarro. Son art, son œuvre. 2 vols. Paris, Rosenberg, 1939, vol. I (texts), cat. no. 121, vol. II (ills.), ill. pl. 24 / Catalogue des Dessins, Aquarelles, Gouaches, Pastels [...], Tableaux Modernes [...], composant la Collection de M. Georges Viau. Paris, Hotel Drouot, 11.12.1942, cat. no. 109, ill. pl. XL / Leopold Reidemeister: Auf den Spuren der Maler der Ile de France. Topographische Beiträge zur Geschichte der französischen Landschaftsmalerei von Corot bis zu den Fauves. Berlin, Propyläen Verlag, 1963, ill. p. 48


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