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Lot 132 - Felixmüller, Conrad - (Dresden 1897 - 1977 Berlin)Vor der Kneipe (Arbeitslos). [...]

Estimation : 80 000 €

Felixmüller, Conrad
(Dresden 1897 - 1977 Berlin)Vor der Kneipe (Arbeitslos). Pinsel u. Feder in Tusche auf Bütten. 1922. 645 x 500 mm, im Passepartout freigestellt. Unter Glas gerahmt. Signiert u. datiert. Verso signiert, datiert u. betitelt sowie mit dem Stempel der Galerie Hermes Studio d'Arte, Rom, versehen.Provenienz: Privatsammlung Berlin. - Ausgestellt in: Conrad Felixmüller. Oli, Acquarelli, Disegni, Inchiostri dal 1914 al 1970. Rom, Hermes Studio d'Arte, 1971, ohne Angaben sowie in: Conrad Felixmüller. Die Dresdner Jahre, Aquarelle und Zeichnungen 1912-1933. Köln, Wienand Verlag, 1997, Abb. 59, S. 50. - Es ist bezeichnend für Conrad Felixmüller, dass er seinen 1918 erhaltenen "Großen Staatspreis" nicht für eine Reise nach Italien verwendete, sondern für eine Fahrt ins Ruhrgebiet. Nachdem er bereits Studien in der Zeche Lugau-Oelsnitz angefertigt hatte, fuhr er im Juli 1920 über Duisburg nach Essen: "Wie auf mich der erste Anblick einer Zeche mitten in der Stadt wirkte - kann ich mit wenigen Worten nicht beschreiben. Es stand förmlich Herz und Verstand still; ich konnte mir nicht klar machen, daß tatsächlich hier Menschen mit Spitzhacke u. Bergwerkslampe in die Tiefe steigen um Kohle herauszuholen [...] daß in das ziegelrote große Tor hunderte von Menschen während des schönsten Sommertages in die gefahrvoll zittrige Erde steigen, war mir unfaßlich; so mitten im Häusermeer, so ganz selbstverständlich mechanisch! Darnach ließ ich meine zu Berge stehenden Haare scheren und schaffte mir ein Notizbuch an." (Brief an H. Kirchhoff, 27.7.1920, zitiert nach Nürnberg, 1981, S. 88ff.) - Die meisten Zeichnungen in dem typisch kantigen Stil entstanden nach seiner Rückkehr nach Dresden zwischen 1920 und 1922, und belegen, wie tief das Kohlen-Revier Felixmüller berührte und seine Vorstellung fesselte. Mit vibrierender Feder flog er über sein Blatt, so dass sie das Bütten stellenweise ritzte und aufkratzte. Er zeichnete zahlreiche Darstellungen von Liebespaaren, Bergarbeitern und Invaliden inmitten dieser Zechen- und Industrielandschaft, die durch industrielle Mechanisierung geprägt ist. Wie diese Technik die Menschen veränderte, wie der harte Alltagsrhythmus und die Gleichförmigkeit der Arbeit das Leben der Menschen formte, wird in diesen Werken meisterlich in Szene gesetzt. - Die vorliegende Zeichnung konzentriert sich auf ein typisches Dilemma der Bergarbeiter: In der Mitte des Bildes, zwischen einfachen Häusern, unweit der Zeche, deren Fördertürme und Schlote im Hintergrund deutlich zu sehen sind, steht ein unentschlossener, gepeinigter Arbeiter - ein schwer arbeitender Kumpel, ein richtiger Malocher. Seine zerfurchte Stirn zeigt seine Qual, seine Füße stehen in entgegengesetzte Richtungen, die Hände resigniert in den Hosentaschen. Wohin soll er gehen? Was soll er tun? Nach links in die einfache "Restauration", um diesem Alltag im Alkoholrausch zu entfliehen oder nach rechts, wo im Hintergrund zwei hagere Kinder warten. Der barfüßige Junge in kurzen Hosen hält seine jüngere Schwester an der Hand und wirkt mit seinem überproportionalen Kopf ebenso verloren wie das Mädchen. - In den wilden Gesichtern erkannte Felixmüller "den schweren Kampf des Menschen um seine persönliche Existenz, zugleich den Kampf des Menschen in der Gesellschaft und wiederum zugleich als Kampf des Menschen mit den Naturmächten". Ganz bewusst notierte Felixmüller diesen Zeitenumbruch, hielt in einzigartiger Weise die Entwicklung eines neuen Typus Mensch fest, der sich den modernen Gegebenheiten anpasst, teilweise revoltiert und doch die ewig gleichen Sorgen und Nöte hat. Die ganze Menschlichkeit unseres Daseins findet sich in diesen Blättern wieder. (Vgl. Antje Birthälmer, in: Conrad Felixmüller, Köln 1997, S. 46.) - Die Blattkanten mit kleinen, fachmännisch hinterlegten Einrissen. Die Ecken mit Löchlein von Reißzwecken.

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Thème : Peintures et dessins Ajouter ce thème à mes alertes