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Lot 462 - Gustave Courbet (Ornans 1819 – 1877 La Tour de Peilz) „La Grève“. 1865 Öl auf [...]

Estimation : 180 000 € / 240 000 €

Gustave Courbet (Ornans 1819 – 1877 La Tour de Peilz)
„La Grève“. 1865
Öl auf Leinwand. Doubliert. 45,5 × 65 cm ( 17 ⅞ × 25 ⅝ in.). Unten rechts signiert: G. Courbet.
Fernier 516 (dort datiert „1865“).–
[3806]
Provenienz: Sammlungen Royane und Simonetti, Marseille /Schweitzer Gallery, New York (1977) / Friedrich Steffen, Genf / Fondation La Coudre, Bonvillars, Schweiz (Schenkung von Friedrich Steffen)
Literatur und Abbildung: Versteigerungskatalog. Gemälde alter und neuer Meister teils aus fürstlichem Besitz. Luzern, Galerie Fischer, 21.–25.06.1955, Kat.-Nr. 2015, Abb. Tf. 20 / Pierre Courthion: L‘opera completa di Courbet. Mailand, Rizzoli, 1985, Kat.-Nr. 480, m. Abbildung / Versteigerungskatalog. Genf, Hotel des Ventes de Genève, 9.12.2009, Kat.-Nr. 1295

Im Herbst 1865 verbringt Courbet, 46 Jahre alt und so berühmt wie umstritten, drei Monate in Trouville und Deauville am Ärmelkanal. Er trifft seinen in Honfleur beheimateten Freund Eugène Boudin, verkehrt mit Monet und Whistler, dessen rotblonde Geliebte Jo Hifferman er porträtiert (die erste von vier Fassungen im Nationalmuseum von Stockholm) und der ihn als Wanderer vor dem weiten Meer malt (Museum of Art, Toledo/Ohio). In der wohlhabenden Badegesellschaft findet er Modelle zu gutbezahlten Bildnissen. Beinahe täglich steigt er ins Wasser. Die normannische Küste kennt er seit 1841, und so oft er in den Sechzigerjahren mehrmals dorthin zurückkehrt, entstehen Meerbilder, immer in längeren Serien. Robert Ferniers Catalogue raisonné ordnet allein jenem Jahr 1865 nicht weniger als 33 Seestücke zu, dem folgenden 18. Nicht jedes Datum ist gesichert, denn Courbet fügt seiner Signatur selten eine Jahreszahl bei, und es kommt vor, dass er vor der Natur gemalte Motive im Pariser Atelier noch einmal aufnimmt; immerhin schreibt er seinem Mäzen Alfred Bruyas Anfang Januar 1866 von 25 in jenem Vierteljahr gemalten Seestücken: „fünfundzwanzig Herbsthimmel, eines außergewöhnlicher und freier als das andere. Das macht mir Spaß. Ich habe auch Damenporträts gemalt etc. etc.“. Das Motiv der hier vorgestellten Komposition, Les Roches Noires in Trouville, kehrt in zwei anderen Bildern aus demselben Jahr wieder: in „Marine. Le Calme“ (Fernier 518, musée de Lons-le-Saunier) und in größerem Format in „L’immensité“ (Fernier 510).
Die Kombination von Felsen und Wasser ist Courbet von seiner heimatlichen Juralandschaft vertraut: Viele Male hat er die Quellen der Loue und des Lison gemalt: Natur, zeitlos, kraftvoll, mythisch ohne Mythologie. Doch bei den Meerbildern kommt sehr bestimmend der Himmel hinzu: In unserem Bild erhält er mehr Fläche als Wasser und Küste zusammengenommen. Die schweren, dunklen Wolken hängen verschattend über dem Horizont, der als tiefschwarze Linie erscheint; es ist, als stauche sich ein dunkler Vorhang auf der glatten, grünlichen Wasserfläche, die die weiße Gischt vor sich hertreibt. In das Grau des Gewölks, das sich an einigen Stellen zum blauen Himmel hin öffnet, spielt überall Rosa hinein, wie auch charakteristisches kräftiges Rostrot in den Felsen aufscheint. Hier und in den Steinen des von der Ebbe aufgedeckten Ufers beobachtet man ockrige Spachteldrücker, die glaubhaft Formen suggerieren, ohne sie je – allenfalls einmal ganz am linken Rand – körperhaft nachzubilden. Große Farbschlieren in den Felsen links wirken, als hätten sie sich, durch eine unwillkürliche Bewegung erzeugt, wie dorthin verirrt; doch sie signalisieren Materialität, und nicht zuletzt Courbets vielgerühmte Spachteltechnik dient ihm dazu, die Farbe selbst mate- riell greifbar zu machen – mit einer Reliefwirkung, die hier infolge einer allzu resoluten älteren Restaurierung leider verloren gegangen ist.
Das ist es, was Courbets deutsche Bewunderer um Wilhelm Leibl die „reine Malerei“ nannten, und diese Eigenexistenz der Farbe, die jede neue Version anders ausfallen lässt, begründet auch – neben Verkaufsinteressen und einer prahlerischen Gleichsetzung von Produktivität und Potenz – seine Praxis der Wiederholungen und Varianten. Ebenso als Serie werden 1869 in Etretat die „Wogen“-Bilder entstehen – das wohl schönste befindet sich heute in der Berliner Nationalgalerie –, in denen eine landschaftliche Orientierung kaum mehr möglich ist und die wenig mehr zeigen als den Nahblick auf die stürmische Brandung.

Claude Keisch




Gustave Courbet (Ornans 1819 – 1877 La Tour de Peilz)
„La Grève“. 1865
Oil on canvas. Relined. 45,5 × 65 cm ( 17 ⅞ × 25 ⅝ in.). Signed lower right: G. Courbet.
Fernier 516 (dated „1865“).–
[3806]
Provenienz: Royane and Simonetti Collections, Marseille /Schweitzer Gallery, New York (1977) / Friedrich Steffen, Geneva / Fondation La Coudre, Bonvillars, Switzerland (donation from Friedrich Steffen)
Literatur und Abbildung: Auction catalogue. Gemälde alter und neuer Meister teils aus fürstlichem Besitz. Luzern, Galerie Fischer, 21.–25.06.1955, cat. no. 2015, illustration pl. 20 / Pierre Courthion: L‘opera completa di Courbet. Mailand, Rizzoli, 1985, cat. no. 480, with illustration / Auction Catalogue Geneva, Hotel des Ventes de Genève, 9.12.2009, cat. no. 1295

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Thème : Peintures et dessins Ajouter ce thème à mes alertes