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Lot 261 - Max LiebermannJudengasse in AmsterdamÖl auf Leinwand. 125 x 175 cm. Gerahmt. Unten [...]

Estimation : 600 000 € / 800 000 €

Max Liebermann
Judengasse in Amsterdam

Öl auf Leinwand. 125 x 175 cm. Gerahmt. Unten links braun signiert und datiert 'M. Liebermann 09'. - Partiell mit feinem Craquelé.

Eberle 1909/1

Provenienz
1909 in Berlin verkäuflich; Sammlung Adolf Rothermundt, Dresden-Blasewitz (1910); Paul Cassirer, Berlin (1919); Max Böhm, Berlin (1923); Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus, Auktion 2039 Sammlung Max Böhm, Berlin 28. Januar 1931, Lot 29; Privatbesitz, Berlin/New York (vermutlich Frau Stahl); Galerie Grosshennig, Düsseldorf (1954); seitdem Kaufhof, Köln

Ausstellungen
Berlin 1909 (Secession), XVIII. Ausstellung der Berliner Secession; Kat. Nr. 163 mit Abb.; Berlin 1917 (Königliche Akademie der Künste), Max Liebermann, 70. Geburtstag, Kat. Nr. 161; Zürich 1923 (Kunsthaus), Max Liebermann, Kat. Nr. 75 mit Abb. Tafel XXII; Berlin 1927 (Preußische Akademie der Künste), Max Liebermann, 80. Geburtstag, Kat. Nr. 67; Berlin 1930 (Preußische Akademie der Künste), Sammlung Max Böhm, Kat. Nr. 30 mit Abb; Berlin 1936 (Jüdische Gemeinde), Max Liebermann, Kat. Nr. 36; Wien 1937 (Neue Galerie), Max Liebermann, Kat. Nr. 43 mit Abb. („Fischmarkt in Amsterdam“); New York 1948 (French & Co.), Max Liebermann, Kat. Nr. 1; Bremen 1995/1996 (Kunsthalle), Max Liebermann. Der deutsche Impressionist, Kat. Nr. 49 mit Farbabb. S. 203; Berlin 1997 (Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum"), Was vom Leben übrig bleibt, sind Bilder und Geschichten. Max Liebermann zum 150. Geburtstag. Rekonstruktion der Gedächtnisausstellung des Berliner Jüdischen Museums von 1936, Kat. Nr. 36, S. 228 f. mit Farbabb.

Literatur
Julius Elias, Das zehnte Berliner Sezessionsjahr, in: Kunst und Künstler, Jg. VII, Heft 9, Mai 1909, S. 401 mit Abb. S. 392; Robert Schmidt, Die Achtzehnte Ausstellung der Berliner Secession 1909, in: Kunst für Alle, Jg. XXIV, 1908/1909, S. 445 mit Abb. S. 449; Hermann Voss, Die achtzehnte Ausstellung der Berliner Sezession, in: Der Cicerone, Jg. I, Heft 9, Mai 1909, S. 299; Paul Fechter, Die Sammlung Rothermundt, in: Kunst und Künstler, Jg. VIII, Heft 7, März 1910, S. 353; Karl Scheffler, Max Liebermann. Mit 100 Abbildungen nach Gemälden, Zeichnungen und Radierungen, München 1912, Abb. S. 83; Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke. Mit 303 Abbildungen und einem Werkkatalog der Gemälde und Pastelle bis 1913, Berlin 1914, S. 445, 472, 544, Abb. S. 444; Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke. Mit 305 Abbildungen und einem Werkkatalog der Gemälde und Pastelle bis 1913, Berlin 1923 (2., leicht veränderte Auflage, mit einem Verzeichnis der in öffentlichem Besitz befindlichen Bilder von Liebermann), S. 445, 472, Abb. S. 444; Hans Rosenhagen, Max Liebermann, Bielefeld/Leipzig 1927, S. 78, Abb. S. 77; Hans Ostwald, Das Liebermann-Buch. Mit 270 Illustrationen, Berlin 1930 Abb. S. 325; Unbekannter Autor, Sammler und Markt – Versteigerung der Sammlung Böhm (Vorbericht über die Auktion bei R. Lepke am 18.1.1931, in: Der Cicerone, Jg. XXII, 1930, Heft 23/24, S. 620 f., Abb. S. 621; Emanuel bin Gorion u.a. (Hg.), Philo-Lexikon. Handbuch des Jüdischen Wissens, Berlin 1935, Tafel 17 nach S. 432; Willy Kurth, Max Liebermann. Achtundvierzig Bilder mit einem Text von Willy Kurth (Kunst der Gegenwart Bd. III, hg. von Adolf Behne), Potsdam 1947, Abb. Nr. 45; Karl Scheffler, Max Liebermann. Mit 65 Bildtafeln und einem Nachwort von Carl Georg Heise, Berlin 1953 (3. Auflage), Abb. Nr. 55

Im reichen Schaffen von Max Liebermann findet sich nur eine kleine Anzahl Gemälde von solch monumentalem Format wie „Judengasse in Amsterdam“ aus dem Jahr 1909. Mit wenigen Ausnahmen werden diese bedeutenden Werke heute in wichtigen nationalen und internationalen Museumssammlungen bewahrt.

Es vergeht kein Jahr, in dem Max Liebermann - nach dem ersten Mal wohl 1871 - nicht nach Holland reist. Scheveningen zählt zu seinen Lieblingsstätten, aber auch Orte wie Haarlem, Laren, Noordwijk, Zandvort und Amsterdam. Der Kunsthistoriker Max Friedländer, ein Zeitgenosse Liebermanns, stellt 1924 in seiner Biographie über den Künstler fest, dass sein Schaffen in Berlin und Holland schicksalhaft miteinander verbunden sei: Berlin halte ihn fest, während Holland ihn Jahr ums Jahr zu sich rufe (vgl. Max J. Friedländer, Max Liebermann, Berlin 1924, S. 41). Schon zehn Jahre zuvor schildert Erich Hancke, ein eher kritischer Begleiter Liebermanns in seinem 1914 bei Bruno Cassirer erschienenen Buch über das Leben des Künstlers und seine Werke: „Die Rolle, die dieses Land in seinem Leben spielt, die Wahlverwandtschaft, die ihn damit verbindet, ist ebenso rätselhaft, wie von elementarer Kraft. Sie lässt an die Wiederkunft aller Wesen denken und lockt uns mit Gedanken an ein früheres, als Holländer verlebtes Dasein.“ (Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 113).
In Amsterdam entdeckt Liebermann große Themen: So interessiert er sich für die Konservenmacherinnen, beschreibt den Alltag des Amsterdamer Waisenhauses, das Treiben auf den Jahrmärkten und erkundet ausführlich das Judenviertel. Die jüdischen Viertel Europas, etwa in Amsterdam, in Prag und Wien, in Budapest und Berlin erweisen sich als eine in gewisser Weise geschlossene Welt, mit eigenem Rhythmus und eigenen Gesetzten des Zusammenlebens. Die Menschen leben hier mehr oder weniger in räumlich abgeschlossenen Gruppen in der Nähe der Synagoge, stehen unter der rechtlichen Aufsicht ihrer eigenen rabbinischen Gerichte und unterscheiden sich durch ihre Sprache, ihre Kleidung, ihre religiösen Gebräuche und Familientraditionen deutlich vom Rest der städtischen Bevölkerung. Für Liebermann ist speziell dieser Ort in Amsterdam unlöslich verbunden mit der Verehrung zu Rembrandt. So kann Liebermann an jenem Genius loci nicht einfach durch die Gassen streifen, ohne überall auf ihn faszinierende Themen zu stoßen. Die erste Begegnung mit diesem bunten Ort verdankt er der Bekanntschaft mit dem Malerkollegen und späteren Direktor der Amsterdamer Kunstakademie, August Allébé, der ihm im Sommer 1876 als kenntnisreicher Cicerone das Viertel näher bringt. Es entstehen erste Eindrücke, Skizzen zu Details sammeln sich zu Größerem, etwa zu Marktszenen, die Jahre später, 1884, in ein erstes Gemälde der „Judengasse“ einfließen (Eberle 1884/25): nahezu menschenleer, grau in grau die Stimmung, rote Dächer auf fahl angedeuteten Fassaden beleben die scheinbar von Liebermann gewollte reale Tristesse. Wie mit so vielen anderen Themen, beschäftigt sich Liebermann intensiv immer wieder mit diesem noch heute lebhaften Amsterdamer Stadtteil. Beeindruckende Bilder folgen: zu den Netzflickerinnen, der Alten Frau mit Ziegen, den Bauern beim Tischgebet, der Bleiche von Tüchern auf den Dünen bei Katwijk, dem Schweinemarkt in Harlem, den sitzenden Bauern in den Dünen, den Alltagsszenen mit Schulkindern in Laren und badenden Knaben im Meer.
Jahre später kontaktiert Max Liebermann am 10. Juli 1905 brieflich den Niederländischen Maler, Graphiker und Kunstkritiker Jan Veth und schreibt unter anderem: „Ich denke in 14 Tagen wieder in Holland zu sein und [...] ob ich vielleicht im Judenviertel irgend wo einen Raum haben könnte, um zu arbeiten, am liebsten mit Garten und Hof, wo man die Modelle posiren lassen könnte. Aber das wird wohl kaum zu haben sein und ich werde mich begnügen müssen, die Leute im Intérieur zu malen. [...] Entschuldigen Sie, dass ich Sie mit dergl. belästige, aber mir liegt ungeheuer viel daran, die Studien machen zu können.“ (Brief 1905/342, zit. nach: Max Liebermann, Briefe, hrsg. von Ernst Braun, Baden-Baden, 2013, Bd. 3, 1902-1906, S. 325). Liebermann plant, sich ein Zimmer in unmittelbarem Kontakt zum Markt zu mieten, um den emsigen Betrieb ungestört zu beobac

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