Lot 34
Adolf Hölzel (Olmütz/Mähren 1853 – 1934 Stuttgart)
„Dynamische Kreisrhythmen“. Um 1930
Pastell auf Velourspapier. 50 × 64,8 cm ( 19 ⅝ × 25 ½ in.). Rückseitig zweimal der Stempel in Grau (Lugt 1258f): Nachlass Prof. Adolf Hoelzel.
Venzmer P II 8.1.–
Kleine Randmängel. [3581]
Provenienz: Nachlass des Künstlers / Sammlung Beck, Stuttgart / Privatsammlung, Deutschland
Ausstellung: Adolf Hölzel. Sein Weg in die Abstraktion. Dachau, Schloss Dachau, 1972, Kat.-Nr. 160 / Adolf Hölzel. Aufbruch zur Moderne. München, Museum Villa Stuck, 1980, Kat.-Nr. 140 / Adolf Hölzel. Bilder, Pastelle, Zeichnungen, Collagen. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1982, Kat.-Nr. 111 / Adolf Hölzel, 1853–1934. Pionier der Abstraktion. Wien, Leopold Museum, 2007 (o. Kat.) / Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde. Stuttgart, Kunstmuseum, und Regensburg, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, 2009/10, S. 359, Kat.-Nr. 266, m. Abb
Literatur und Abbildung: The Beck Collection. German Expressionist and Modern Art. 5 Bände, hier Bd. III: Adolf Hölzel and his Circle. London, Sotheby's, 9.10.2002, Kat.-Nr. 329, m. Abb. u. Detailabbildung auf dem Umschlag / Karin von Maur: Der verkannte Revolutionär Adolf Hölzel. Werk und Wirkung. Stuttgart/Leipzig, Hohenheim-Verlag, 2003, S.137, Nr. 165, m. Abbildung / Elisabeth Röhrling (Hg.): Migration und Innovation um 1900. Perspektiven auf das Wien der Jahrhundertwende. Wien/Köln/Weimar, Böhlau Verlag, 2016, Abb. auf dem Umschlag
Eine schier überbordende Fülle von Formen und Farben beherrscht unser Pastell. Alles geschieht gleichzeitig, wir erkennen keinen Vorder- oder Hintergrund, keine Steigerung auf ein zentrales Motiv hin. Bei genauerem Hinsehen erkennt der Betrachter Kreisformen, erst wenige, schließlich immer mehr. Einige dieser Rundformen sind „exakte“ Kreise, die meisten jedoch gestaucht oder gedehnt, eben „dynamisch“, wie im Titel der Arbeit heißt. Hölzel hat be-kannt: „Es kann nicht die Aufgabe des Kunstwerks sein, eine Geometrieaufgabe zu lösen“ (Kurt Leonhard, Adolf Hölzel – Vorläufer und Spätentwickler, in: Adolf Hölzel, Pastelle und Zeichnungen aus einer privaten Sammlung, Ausst.-Kat. Stuttgart, Galerie Döbele, Stuttgart, 1991, S. 10). Dieser Seitenhieb auf die Kunst beispielsweise eines Piet Mondrian betont die Seite des Empfindens, der Hölzel bei aller gesetzmäßigen Gestaltung immer das Primat zugestand. Hölzel ging es darum, dass eine vorhandene Bild-Idee, hier die Wirkung von Kreisformen auf der Bildfläche, während des Malprozesses verändert und modifiziert werden kann. Diese Veränderungen geschehen allerdings nicht zufällig, sondern sind eine Folge der gewählten Mittel. Der Maler gestaltet die Kreise aus farbigen Einzelformen, deren Eigendynamik zu den Deformationen der Kreise führt.
Adolf Hölzel, geboren 1853, hat in seiner überaus langen künstlerischen Entwicklung alle Stile in der Kunst vom Realismus über den Impressionismus bis zum Kubismus und zur abstrakten Malerei bedient. Dass er hierbei oft unterschätzt wurde, zeigt ein Ausspruch Willi Baumeisters über die Berufung Hölzels als Leiter der Stuttgarter Akademie 1905. Hölzel habe „im Laufe seiner Amtszeit seinen Schafspelz langsam aufgeknöpft und war ein Wolf geworden; als solcher wäre er nicht berufen worden“ (a.a.O. S. 8). Man spürt in unserem Pastell die Gelassenheit, mit der Hölzel, ganz auf sein künstlerisches Empfinden bauend, die Kunst der Abstraktion bewältigt. Die Kreisform ist ein bestimmendes Motiv seiner ungegenständlichen Arbeiten. In Verbindung mit den kleinteiligen, farbigen Flächen, aus denen die Kreise gebildet werden, erinnern Hölzels Werke an mittelalterliche Kirchenfenster. Doch wie frisch und modern wirken sie! Es verwundert nicht, dass Hölzel Aufträge für Glasfenster im Stuttgarter Rathaus, für die Pelikan-Werke in Hannover und für die Firma Maerklin in Stuttgart erhielt. OH
Adolf Hölzel (Olmütz, Moravia 1853 – 1934 Stuttgart)
„Dynamische Kreisrhythmen“. Circa 1930
Pastel on flock coated paper. 50 × 64,8 cm ( 19 ⅝ × 25 ½ in.). Stamp in grey twice on the reverse (Lugt 1258f): Nachlass Prof. Adolf Hoelzel.
Venzmer P II 8.1.–
Minor imperfections in the margins. [3581]
Provenienz: Estate of the artist / Beck Collection, Stuttgart / Private Collection, Germany
Ausstellung: Adolf Hölzel. Sein Weg in die Abstraktion. Dachau, Schloss Dachau, 1972, cat. no. 160 / Adolf Hölzel. Aufbruch zur Moderne. Munich, Museum Villa Stuck, 1980, cat. no. 140 / Adolf Hölzel. Bilder, Pastelle, Zeichnungen, Collagen. Hanover, Kestner-Gesellschaft, 1982, cat. no. 111 / Adolf Hölzel, 1853–1934. Pionier der Abstraktion. Vienna, Leopold Museum, 2007 (without catalogue) / Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde. Stuttgart, Kunstmuseum, and Regensburg, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, 2009/10, p. 359, cat. no. 266, with illustration
Literatur und Abbildung: The Beck Collection. German Expressionist and Modern Art. 5 volumes, here Volume III: Adolf Hölzel and his Circle. London, Sotheby's, 9.10.2002, cat no. 329, with illustration and detail illustration on the dust cover / Karin von Maur: Der verkannte Revolutionär Adolf Hölzel. Werk und Wirkung. Stuttgart/Leipzig, Hohenheim-Verlag, 2003, p.137, no. 165, with illustration / Elisabeth Röhrling (ed.): Migration und Innovation um 1900. Perspektiven auf das Wien der Jahrhundertwende. Wien/Cologne/Weimar, Böhlau Verlag, 2016, illustration on the dust cover
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