Lot 52
Adolph Menzel (Breslau 1815 – 1905 Berlin)
Brustbild Friedrichs des Großen als junger König. Um 1840
Bleistift auf Papier, auf goldbemalten Karton montiert. Durchmesser: 16 cm ( 6 ¼ in.). Unten rechts signiert: A Menzel del. Rückseitig ein Etikett der Kunsthandlung Albert Schäfer Wiesbaden.
[3411]
Provenienz: Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen, Berlin und Potsdam (um 1895, wohl als Geschenk des Künstlers) / Privatsammlung / Kunsthandlung Albert Schäfer, Wiesbaden / Kunsthandel Strube-Dietl, Berlin (bis 1989)
Ausstellung: Kunst-Ausstellung zur Ehrung der 80-jährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph von Menzel, Julius Schrader. Berlin, Akademie-Gebäude, 1895, Kat.-Nr. 212, S. 45 (hier betitelt: Friedrich II. im jugendlichen Alter) / Kunst und Kunsthandwerk in Preußen. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1999, Kat.-Nr. 191a / Kunst Handel Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, Kat.-Nr. 2, S. 18/19 und S. 160, mit Abbildung / Adolph von Menzel - Spätes Debut. Berlin, Kampen, Zürich, Galerie Pels-Leusden, 2002, Kat.-Nr. 2, S. 14/15 und S. 72, mit Abbildung / ... den alten Fritz, der im Volke lebt. Das Bild Friedrichs des Großen bei Adolph Menzel. Berlin, Alte Nationalgalerie, Juni/Juli 2012, im Führer zur Ausstellung Kat.-Nr. 5 / Claude Keisch: So malerisch! Menzel und Friedrich der Zweite. Berlin, Alte Nationalgalerie, 2012, S. 116/117 (unpaginiert), mit Abbildung
Literatur und Abbildung: Auktion 10: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 24. November 1989, Kat.-Nr. 4 / Gisold Lammel: Adolph Menzel und seine Kreise. Dresden und Basel, 1993, S. 203 (die gerahmte Zeichnung oben rechts in der Fotografie von Menzels Atelier)
Wie kein anderes Werk in der Sammlung Bernd Schultz steht dieses Bildnis Friedrichs II. für einen wesentlichen Strang im Wirken der Galerie Pels-Leusden wie auch des Hauses Grisebach mit seinen ORANGERIE-Auktionen: für das von hoher Kompetenz begleitete Engagement für die Kunst und das Kunsthandwerk in Preußen. Was kann davon ein schöneres Zeugnis ablegen als ein Portrait des noch ganz seinen Idealen verpflichteten Friedrichs II. zu Beginn seiner Regentschaft, dazu aus der besten Zeit des ebenso jungen Menzel? In das Jahr 1839 fallen Menzels erste Arbeiten an den rund vierhundert Holzschnitten für Franz Kuglers „Geschichte Friedrichs des Großen“. Für dieses monumentale Werk betrieb Menzel intensive historische Forschungen jeglicher Art in der „Fritzen-Welt“. Die meisten bildlichen Studien dafür sind bekannt und vielfach besprochen. Sie zeigen Friedrichs Schreibtisch und Ehrenkleider, die militärischen Grade, Uniformen, Abzeichen, Waffen und Geräte der Armee, fangen das architektonische, topografische, politische und soziale Ambiente ein. Nur zur eigentlichen Mitte hin, der Gestalt oder noch näher: der Physiognomie Friedrichs II. werden die authentischen Quellen, aber auch das Wissen um die Annäherungen Menzels an sie relativ dünn. So ist kaum bekannt, dass sich schon der 14-Jährige in der Breslauer Werkstatt des Vaters Carl Erdmann Menzel mit dem Bild Friedrichs beschäftigte.
1829 erschien die „Geschichte des Preußischen Staates“ von Joseph August Kutzen, worin sich als eines der frühesten Werke des Künstlers überhaupt die „Menzel jun.“ signierte Lithografie „Friedrich II als Kronprinz“ findet. Der nach einer anonymen Vorlage aus der Breslauer Bibliothek mit Rüstung, Stab und Hermelinbesatz fixierte repräsentative Typus findet sich wenig später in einer Illustration Menzels für die Wochenschrift „Der preußische allgemeine Hausfreund“ vom 26. November 1832 wieder.
Die hier schon auffällige Tendenz zu weicheren, individuelleren Zügen geht in unserem Blatt nun völlig in einem Portrait auf, das seine Autorität nicht mehr vornehmlich aus dem herrschaftlichen Apparat, sondern aus einer jugendlich aparten, hellwachen Persönlichkeit gewinnt. Deren gesamte Erscheinung mit der Halsbinde und -krause, dem Hohen Orden vom Schwarzen Adler, dem breiten gefältelten Band mit den Quasten und vielen weiteren Details steht in engster Verbindung zu einer Medaille, die, Friedrich II. als jungen König zeigend, 1840 zur Jahrhundertfeier des Regierungsantritts geprägt wurde (Münzkabinett Berlin). Die Modernität des Friedrich-Bildes und die oben angedeutete Entwicklung erlauben es, Menzel als Schöpfer der Vorlage für dieses Memorialstück anzusprechen.
Hein-Th. Schulze Altcappenberg, Berlin und Cappenberg
Wir danken Marie Ursula Riemann-Reyher, Berlin, für die Bestätigung der Authentizität der Zeichnung.
Adolph Menzel (Wrocław 1815 – 1905 Berlin)
Brustbild Friedrichs des Großen als junger König. Circa 1840
Pencil on paper, mounted on gold-painted cardboard. Diameter: 16 cm ( 6 ¼ in.). Signed lower right: A Menzel del. Label of the Art Dealership Albert Schäfer Wiesbaden on the reverse.
[3411]
Provenienz: Wilhelm II, German Emperor and King of Prussia, Berlin and Potsdam (circa 1895, presumably as a gift of the artist) / Private Collection / Albert Schäfer Art Dealership, Wiesbaden / Strube-Dietl Art Dealership, Berlin (until 1989)
Ausstellung: Kunst-Ausstellung zur Ehrung der 80-jährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph von Menzel, Julius Schrader. Berlin, Akademie-Gebäude, 1895, cat. no. 212, p. 45 (here titled: Friedrich II. im jugendlichen Alter) / Kunst und Kunsthandwerk in Preußen. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1999, cat. no. 191a / Kunst Handel Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, cat. no. 2, p. 18/19 and p. 160, with illustration / Adolph von Menzel - Spätes Debut. Berlin, Kampen, Zürich, Galerie Pels-Leusden, 2002, cat. no. 2, p. 14/15 and p. 72, with illustration / ... den alten Fritz, der im Volke lebt. Das Bild Friedrichs des Großen bei Adolph Menzel. Berlin, Alte Nationalgalerie, June/July 2012, in exhibition guide cat. no. 5 / Claude Keisch: So malerisch! Menzel und Friedrich der Zweite. Berlin, Alte Nationalgalerie, 2012, p. 116/117 (unpaginated), with illustration
Literatur und Abbildung: Auction 10: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 24 November 1989, cat. no. 4 / Gisold Lammel: Adolph Menzel und seine Kreise. Dresden und Basel, 1993, p. 203 (the framed drawing in the upper right of the photograph of Menzel's studio)
We would like to thank Marie Ursula Riemann-Reyher, Berlin, for kindly confirming the authenticity of the drawing.
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