Lot 164
Adolph Menzel (Breslau 1815 – 1905 Berlin) „Österreichische Offiziere“. 1852 Pastell auf grünbraunem Papier. 32,3 × 23,7 cm ( 12 ¾ × 9 ⅜ in.). Unten rechts datiert: 26 October 1852. Tschudi 305.– [3003] Provenienz: Frau Etatsrat (Helene) Donner, Altona (spätestens 1896 bis 1911, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Menzel-Ausstellung. Hamburg, Kunstverein, in der Kunsthalle, 1896, Kat.-Nr. 130 („Österreichische Soldaten“) / Ausstellung von Werken Adolph von Menzels. Berlin, Königliche National-Galerie, 1905, II. Aufl., Kat.-Nr. 229 („Drei österreichische Offiziere“) Ein Glücksfall: nach kaum drei Jahren das Zwillingsstück. Im November 2016 sah man bei Grisebach (Auktion 262, Los 176) den „Österreichischen Offizier im Profil“ mit weißem Kavalleriemantel, ein Pastell, das wenige Tage vor oder nach dem hier vorgestellten entstand. Für beide Blätter finden sich die anschauungsfrischen Urbilder in einem Skizzenbuch (Nr. 13 im Berliner Kupferstichkabinett, S. 82 und 74, siehe Abb.), das der Künstler im Nachhinein, auf „1853/54“ datiert hat. Zutreffend ist jedoch 1852, zumal unser Pastell sein Entstehungsdatum auf den Tag genau verrät. Die Skizzenblätter geben die Figuren, teils mehrfach variiert, jede für sich wieder, und erst das Pastell ordnet sie zur Gruppe. Wie uns die auch von Menzel gründlich studierte Uniformkunde lehrt, gehören der mittlere und der rechte Offizier zur Reiterei: unter dem röhrenförmigen, schwarzen Lederbesatz, der die Steghosen unten umschließt, erkennt man die Sporen. Der mittlere mit dem weißen Kavalleriemantel (auf den Skizzen ist es noch ein Cape) muss ein Dragoner sein, der rechte mit der goldenen Verschnürung, dessen tiefdunkle Rockfarbe wohl als Grün gemeint ist, ein Ulane, während der halb verdeckte links, mit grünem zweireihigen Waffenrock, wohl einem Jägercorps (also der Infanterie) angehört. Alle drei tragen die außerdienstlich vorgeschriebene Feldmütze. Menzel zögert nicht, die orangerote Kragenfarbe des Ulanen mit seiner geliebten lachsfarbenen Kreide wiederzugeben, die auch am unteren Rand des Rockes pointierend wiederkehrt. Mit dem helleren Rot im Inkarnat, dem lichten Blau, viel tiefem Schwarz und weichem Grau und vor allem dem aufstrahlenden Weiß in der Mitte entsteht ein Klang von großer Frische, und stellenweise hat die schwarze Kreide letzte akzentuierende Striche gesetzt. Geistvoll wechselt die Gegenstandswiedergabe zwischen großzügiger Andeutung und plötzlicher Detaillierung: in Gesichtern, in den faltigen Schuhen, namentlich aber in der Beziehung zwischen den drei etwas beiläufig aus der Kavaliersperspektive beobachteten Figuren. Sie ist nicht ohne Spannung. Schwerlich könnte die Unterschiedlichkeit der Charaktere größer sein. Das Hinzutreten des jungen Ulanen bewirkt nur eine Blick-, nicht eine Körperwendung. Als diese Improvisation – halb Zeichnung, halb „Bild“ – entstand, war Menzel erst seit einer Woche von einer ersten großen Sommerreise zurückgekehrt, die ihn und seine Schwester Emilie diesmal zweieinhalb Monate durch Süddeutschland, Böhmen und Österreich geführt hatte. Noch hing sein jüngstes Werk, das „Flötenkonzert“, in der akademischen Ausstellung, doch ehe er sich dem nächsten der Friedrich-Bilder zuwandte, verarbeitete er in mindestens acht Pastell-„Kompositionen“ seine Eindrücke des zeitgenössischen Treibens – in einer Pendelbewegung zwischen Beobachtung und Fiktion, die nicht aufhören sollte, sein Werk zu prägen. (Claude Keisch) Wir danken Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis, Berlin, für freundliche Hinweise zur Uniformkunde. Adolph Menzel (Wrocław 1815 – 1905 Berlin) „Österreichische Offiziere“. 1852 Pastel on green-brown paper. 32,3 × 23,7 cm ( 12 ¾ × 9 ⅜ in.). Dated lower right: 26 October 1852. Tschudi 305.– [3003] Provenienz: Frau Etatsrat (Helene) Donner, Altona (at the latest 1896 until 1911, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Menzel-Ausstellung. Hamburg, Kunstverein, in der Kunsthalle, 1896, cat. no. 130 („Österreichische Soldaten“) / Ausstellung von Werken Adolph von Menzels. Berlin, Königliche National-Galerie, 1905, II. ed., cat. no. 229 („Drei österreichische Offiziere“) We would like to thank Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis, Berlin, for kindly providing additional information regarding the uniforms
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19th Century Art
10719 Berlin - Allemagne
29/05/2019
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