Lot 173
Adolph Menzel (Breslau 1815 – 1905 Berlin) Therese und Grete Herrmann beim Klavierspiel. 1872 Bleistift auf Papier. 24,5 × 33,6 cm ( 9 ⅝ × 13 ¼ in.). Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert: Adolph Menzel Hofgastein 22 Juli 1872. [3015] Provenienz: Magnus Herrmann, Berlin (1872-1894) / Mathilde Herrmann, geb. Friedlaender, Ehefrau von Magnus Herrmann (1894-1902) / Agathe Herrmann, Berlin, eine der Töchter des Ehepaars Herrmann (spätestens 1905, wohl bis 1930) / Privatsammlung, Berlin / Kunsthandel Thomas le Claire, Hamburg / Privatsammlung, Deutschland (erworben 1997 bei Thomas le Claire Kunsthandel, Hamburg) Ausstellung: Kunst-Ausstellung zur Ehrung der achtzigjährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph Menzel, Julius Schrader im Akademie-Gebäude Unter den Linden 36. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1895, Kat.-Nr. 263 („Th. und Gr. Herrmann. Blei. Bez.: Ad. Menzel–Hofgastein im Juli 1872) / Ausstellung von Werken Adolph von Menzels. Berlin, Königliche National-Galerie, 1905, II. Aufl., Kat.-Nr. 5310 („Musizierende Mädchen“) / Eröffnungs-Ausstellung unseres neuen Berliner Hauses 13 Bellevuestr. 13. Berlin, Galerie Thannhauser, 1927, Kat.-Nr. 203 („Zwei Schwestern am Klavier“) (?) / Hundert Jahre Berliner Kunst im Schaffen des Vereins Berliner Künstler. Berlin, Verein Berliner Künstler, 1929, Kat.-Nr. 1024 Literatur und Abbildung: Agathe Herrmann: Wie ich Menzel kannte. In: Moderne Kunst in Meisterholzschnitten. XX. Band. Berlin o. J. (1905), S. 99-101 (Wiederabdruck in: Exzellenz lassen bitten. Erinnerungen an Adolph Menzel. Hrsg. v. Gisold Lammel. Leipzig, Reclam-Verlag, 1992 [= Reclam-Bibliothek, Bd. 1435], S. 249-254, hier S. 251, Abb. S. 249, und Nachwort S. 370) / Kurt Karl Eberlein: Hundert Jahre Berliner Kunst. In: Kunst und Künstler, 27. Jg., 9. H., 1.6.1929, S. 335-342, ganzseitige Abb. vor S. 335 / Gisold Lammel: Adolph Menzel und seine Kreise. Dresden/Basel, Verlag der Kunst, 1993, S. 142, Abb. 88, u. S. 143 „Er ging bei Wind und Wetter aus, aber bei einem gar zu tollem Regenguss kam er einst ins Musikzimmer, wo meine beiden kleinen Schwestern vierhändig die Serenade von Haydn spielten. ‚Kinder, ich will den Kronleuchter zeichnen, spielt mir etwas dabei vor‘, rief er ihnen zu, wahrte so ihre Unbefangenheit und machte die charakteristische malerische Porträtzeichnung von ihnen, mit der er später meine Eltern erfreute“. Es ist es sicher kein Zufall, dass sich Agathe Herrmann in ihren 1905 erschienenen Aufzeichnungen „Wie ich Menzel kannte“ noch so genau an jenen Regentag im Juli 1872 erinnerte, an dem die großformatige Zeichnung ihrer beiden jüngeren Schwestern Therese und Grete beim Klavierspiel in Hofgastein entstand. Trotz der bedeutenden Menzel-Sammlung, die ihr Vater, der Berliner Bankier Magnus Herrmann, als einer der frühesten Bewunderer, Förderer und als Freund Menzels seinerzeit zusammengetragen hatte – darunter Hauptwerke wie „Das Flötenkonzert“ oder „Die Abreise König Wilhelms I“ – beide in der Sammlung der Nationalgalerie –, mag gerade diese intime Kinderzeichnung eine besondere Wertschätzung in der Familie erfahren haben. Im strengen Profil nach links sehen wir die beiden Mädchen, Therese und Grete, am Flügel. Aufrecht auf den gepolsterten Stühlen sitzend, die sie sich für ihr Spiel herangezogen haben, sind ihre Blicke konzentriert auf die Noten vor ihnen gerichtet. Sie spielen vierhändig die Serenade von Haydn, wie wir von ihrer älteren Schwester erfahren – ein abendliches Ständchen also, ursprünglich als Freiluftmusik aufgeführt, mit unterhaltendem Charakter, was auch Menzel recht erfreut haben mag. Gegen den Regen draußen ertönt die Freiluftmusik nun also drinnen, im Musizierzimmer von Herrmanns Anwesen in Hofgastein. Magnus Herrmann hatte die Immobilie erst kurz zuvor von dem Gatten der Prinzessin Caroline von Hohenzollern, einem Oberstleutnant von Steger-Waldorf, erworben: „Duftende Rosen rankten sich zwischen wildem Wein bis hinauf zum Dach“, wie Agathe sich gern erinnerte. Die beiden blonden Schwestern in ihren adretten Hauskleidern zeigen sich entsprechend als Töchter aus kultiviertem, wohlhabendem Hause. Der in der Zeichnung nicht näher bestimmte Raum ist erfüllt von der fröhlichen Heiterkeit ihrer Musik, der Melodie von Haydn, der die Kinder für diesen Moment einen individuellen, einen eigenen Ausdruck geben. Mit vertrautem, äußerst liebevollem Blick beobachtet Menzel, wie sich ihre stille, nahezu regungslose Konzentration auf die Notenblätter in den zaghaft quirligen Bewegungen ihrer über die Tasten fliegenden Finger und den schaukelnden Beinchen entlädt. Menzel wusste ihre kindliche Unbefangenheit virtuos im Bild zu bewahren und schuf zugleich zwei „charakteristische malerische Porträtzeichnungen“ der jungen Pianistinnen aus dem Hause seines Freundes Herrmann. Adolph Menzel war in den Jahren 1872 bis 1874 wiederholt zu Gast in Hofgastein. Sein Freund Magnus Herrmann hatte ihm im Gärtnerhaus der Villa Carolina eigens ein Atelier einrichten lassen, das für diese Zeit den willkommenen Ausgangsort für Menzels legendäre Streifzüge darstellte: „In dem kleinen Nest ist wohl kein Winkel, keine alte braune Holzhütte, kein malerischer Zaun, kein eigensinniger knorriger Baum, den der stets spähende, unermüdlich leidenschaftlich Schaffende nicht studiert und gezeichnet hätte“, erinnerte sich Agathe später (vgl. etwa das bedeutende Blatt „Am Bergeshang“, Grisebach, Juni 2016, Los 208). Zu Hause in Berlin arbeitete Menzel in eben jenen Jahren (1872-75) an seinem revolutionären Eisenwalzwerk, ein Mammutprojekt, für das er Tage und Wochen beim Studium in der rauchigen und hitzigen Fabrik von Königshütte zubrachte. Das geordnete, beschauliche und liebevolle Leben in Hofgastein mit der Familie seiner Schwester und den Herrmanns war sicher gerade in diesen Sommern das so wichtige, Erholung und Kraft spendende Gegenmodell. Anna Ahrens Adolph Menzel (Wrocław 1815 – 1905 Berlin) Therese und Grete Herrmann beim Klavierspiel. 1872 Pencil on paper. 24,5 × 33,6 cm ( 9 ⅝ × 13 ¼ in.). Signed, inscribed and dated lower right: Adolph Menzel Hofgastein 22 Juli 1872. [3015] Provenienz: Magnus Herrmann, Berlin (1872-1894) / Mathilde Herrmann, born Friedlaender, wife of Magnus Herrmann (1894-1902) / Agathe Herrmann, Berlin, one of the Hermanns's daughters (from 1905 at the latest, presumably until 1930) / Private collection, Berlin / Kunsthandel Thomas le Claire, Hamburg / Private collection, Germany (acquired in 1997 from Thomas le Claire Kunsthandel, Hamburg) Ausstellung: Kunst-Ausstellung zur Ehrung der achtzigjährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph Menzel, Julius Schrader im Akademie-Gebäude Unter den Linden 36. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1895, cat. no. 263 („Th. und Gr. Herrmann. Blei. Bez.: Ad. Menzel–Hofgastein im Juli 1872) / Ausstellung von Werken Adolph von Menzels. Berlin, Königliche National-Galerie, 1905, edition II, cat. no. 5310 („Musizierende Mädchen“) / Eröffnungs-Ausstellung unseres neuen Berliner Hauses 13 Bellevuestr. 13. Berlin, Galerie Thannhauser, 1927, cat. no. 203 („Zwei Schwestern am Klavier“) (?) / Hundert Jahre Berliner Kunst im Schaffen des Vereins Berliner Künstler. Berlin, Verein Berliner Künstler, 1929, cat. no. 1024 Literatur und Abbildung: Agathe Herrmann: Wie ich Menzel kannte. Moderne Kunst in Meisterholzschnitten. XX volume. Berlin, no year (1905), p. 99-101 (reprinted: Exzellenz lassen bitten. Erinnerungen an Adolph Menzel. Ed. by Gisold Lammel. Leipzig, Reclam-Verlag, 1992 [= Reclam-Bibliothek, vol. 1435], pp. 249-254, here p. 251, ill. p. 249, and postface p. 370) / Kurt Karl Eberlein: Hundert Jahre Berliner Kunst. Kunst und Künstler, 27. vol., 9. issue 1 June 1929, pp. 335-342, full-page ill. before p. 335 / Gisold Lammel: Adolph Menzel und seine Kreise. Dresden/Basel, Verlag der Kunst, 1993, p. 142, ill. 88, and p. 143
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Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
30/11/2016
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