Lot 20
Albert Renger-Patzsch Natterkopf Vintage, Gelatinesilberabzug. 16,9 x 23 cm (17,1 x 23,4 cm). Rückseitig mit Bleistift betitelt, beziffert 'T 12' sowie mit Photographen- und Copyrightstempel. Provenienz Vom Photographen an den Vater der heutigen Eigentümerin Literatur Carl Georg Heise (Hg.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch, München 1928, Tafel 27; Albert Renger-Patzsch. Joy before the Object, Ausst.kat. The J. Paul Getty Museum, Malibu u.a., New York 1993, S. 59 mit Abb.; Ann und Jürgen Wilde/Thomas Weski (Hg.), Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke, München u.a. 1997, Tafel 18; Virginia Heckert/Ute Eskildsen, Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto-Archiv der Ruhr-Universität Bochum, Ausst.kat. Museum Folkwang, Essen 1997, S. 44 mit Abb.; Ann und Jürgen Wilde/Beate Reese, Albert Renger-Patzsch zum 100. Geburtstag. Frühe Fotografien, Ausst.kat. Städtische Galerie Würzburg, Würzburg 1997, S. 41 mit Abb.; Bernd Stiegler/Ann und Jürgen Wilde (Hg.), Albert Renger-Patzsch. Die Freude am Gegenstand. Gesammelte Aufsätze zur Photographie, München 2010, S. 80 mit Abb. „Man sollte wohl in der Fotografie vom Wesen des Gegenstandes ausgehen und mit rein fotografischen Mitteln versuchen, diesen darzustellen, ganz gleich, ob es ein Mensch, eine Landschaft, eine Architektur oder sonst etwas ist …. Da das deutsche Wort Sachlichkeit heute fast das Gegenteil bedeutet, muss ich ein Fremdwort nennen, um meine dienende Stellung vor dem Motiv richtig zu kennzeichnen: Objektivität“, vermerkt Albert Renger-Patzsch 1937 in dem Sammelband „Meister der Kamera erzählen“ (zit. nach: Wilhelm Schöppe (Hg.), Meister der Kamera erzählen, wie sie wurden und wie sie arbeiten, Halle-Saale 1937, S. 50). Mag der hier proklamierte, rein objektiv-sachliche Blick für die Aufnahmen des „Mantelpavians“ (Lot 18) und auch des „Gänsegeiers“ (Lot 19) uneingeschränkt gelten, so wird der Bildeindruck bei seinem berühmten „Natterkopf“ von einer weiteren, vom Dargestellten losgelösten Dimension dominiert, die vielen seiner Aufnahmen wie auch der Photographie der Neuen Sachlichkeit im Allgemeinen eigen ist: Die starke Nahsicht und der eng gewählte Bildausschnitt spannen das Motiv gleichsam in die zweidimensionale Bildfläche ein und verdichten seine Konturen zu einem rein graphisch anmutenden Gefüge. Bereits Carl Georg Heise weist in seinem Vorwort zu „Die Welt ist schön“, in das auch der „Natterkopf“ Eingang findet, auf die „graphische Schönheit“ der Aufnahmen Renger-Patzschs hin. In der Ambivalenz zwischen Abstraktion und Dokumentation sieht er insofern keinen Widerspruch, als dass nie „ein neuer künstlerischer Formenreiz gesucht wird, den nicht das Objekt selbst anbietet“, vielmehr werde das Motiv, „ohne, dass seiner natürlichen Erscheinung nur im geringsten Gewalt angetan wird, ausgewertet zu einem spannungsreichen Linienornament“. (Carl Georg Heise, in: Ders. (Hg.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert-Renger-Patzsch, München 1928, S. 8). In der Tat liegt der Reiz des „Natterkopfes“ in diesem Pendeln zwischen seiner abstrakten Wirkung und der präzisen Darstellung der Oberflächenbeschaffenheit des Körpers der Schlange, deren einzelne Schuppen sich in feinsten Graustufen abbilden und deren starrer Blick den Betrachter damals wie heute ins einen Bann zieht. Albert Renger-Patzsch Natterkopf Vintage gelatin silver print. 16.9 x 23 cm (17.1 x 23.4 cm). Titled and numbered 'T 12' in pencil as well as photographer's and copyright stamps on the verso. Provenance From the photographer to the father of the present owner Literature Carl Georg Heise (ed.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch, Munich 1928, plate 27; Albert Renger-Patzsch. Joy before the Object, exhib.cat. The J. Paul Getty Museum, Malibu et al., New York 1993, ill. p. 59; Ann and Jürgen Wilde/Thomas Weski (ed.), Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke, Munich et al.1997, plate 18; Virginia Heckert/Ute Eskildsen, Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto-Archiv der Ruhr-Universität Bochum, exhib.cat. Museum Folkwang, Essen 1997, ill. p. 44; Ann and Jürgen Wilde/Beate Reese, Albert Renger-Patzsch zum 100. Geburtstag. Frühe Fotografien, exhib.cat. Städtische Galerie Würzburg, Würzburg 1997, ill. p. 41; Bernd Stiegler/Ann and Jürgen Wilde (ed.), Albert Renger-Patzsch. Die Freude am Gegenstand. Gesammelte Aufsätze zur Photographie, Munich 2010, ill. p. 80 In photography, one should always begin with the innate characteristics of a motif and attempt to depict them with purely photographic means, regardless of whether the object in question is a person, a landscape, architecture, or anything else… As the German word 'Sachlichkeit' is nowadays used to describe almost exactly the opposite, I must here resort to the foreign word 'objectivity' to describe my role as servant to the motif” wrote Renger-Patzsch in the anthology “Meister der Kamera erzählen”, published in 1937 (cit. from: Wilhelm Schöppe (ed.), Meister der Kamera erzählen, wie sie wurden und wie sie arbeiten, Halle-Saale 1937, p. 50). Although the purely objective approach described above may be freely applied to the previous images of a baboon (lot 18) and a griffon vulture (lot 19), the present well-known image of a colubrid snake displays a different quality of detachment from its motif. Many New Objectivist works share this characteristic: The starkly close-up and cropped viewpoint reduces the motif to a two-dimensional plane and compresses its contours to an almost graphic composition. Georg Heise already referred to the “graphic beauty” of Renger-Patzsch's images in the foreword to “Die Welt ist schön”, in which this shot was also included. This ambivalent relationship between abstraction and documentation does not present a contradiction to him, in that he never “seeks an artistic form not already evident in the motif itself” and that the motif is “transformed into an interesting lineal ornament without damaging its natural appearance in any way” (Carl Georg Heise, in: Idem (ed.), Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen von Albert-Renger-Patzsch, Munich 1928, p. 8). The fascination of the present work derives from this contrast between the abstract effect and the detail captured in the surface texture of the snake's body. Its scales graduate in fine shades of grey and its rigid gaze captivates viewers now as it did when first published.
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50667 Köln - Allemagne
03/06/2016
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