Lot 22
Alexej von Jawlensky (Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden) „VARIATION“. 1915/16 Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Leinwand aufgezogen. 35,7 x 25,9 cm ( 14 x 10 ¼ in.). Unten rechts monogrammiert: A. J. Auf dem Keilrahmen oben ein Etikett der Galerie Beyeler, Basel. Nicht bei Jawlensky. – Mit einem Gutachten (in Kopie) von Angelica Jawlensky Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Locarno, vom 19. November 2012.– Die seitlichen Kanten minimal beschnitten, kleine Farbverluste. [3538] Provenienz: Harold Diamond, New York / Galerie Beyeler, Basel (erworben 1961 vom Vorbesitzer) / Rolf und Lotte Frowein, Wuppertal (erworben 1961 von Beyeler) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Mit Beginn des Ersten Weltkrieges mußte Jawlensky Deutschland verlassen. Er fand Zuflucht in Saint-Prex am Genfersee und begann hier mit einer Serie von Bildern, die den Ausblick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers zeigen und deshalb als „Landschaften“ bezeichnet werden. Doch schnell wird klar, sie sind viel mehr als das. Zum ersten Mal in der Geschichte der Malerei beginnt ein Maler, eine Serie ähnlichen Formats zu schaffen, in der sich die Objekte vom Naturvorbild lösen und zu Formeln werden, die allein durch Farbflächen definiert sind. Nun könnte man einwenden, Monet habe dieses Prinzip schon Jahrzehnte zuvor mit seinen Ansichten der Kathedrale von Rouen verwirklicht, doch zeigen Monets Werke immer einen Augenblick, eine Beleuchtung oder Stimmung. Jawlenskys „Variationen“ hingegen sind vollkommen unabhängig von Tages- oder Jahreszeiten, seine Farben nie oder nur selten beschreibend. Und noch etwas fällt auf: Trotz hartnäckiger Wiederholung der immer gleichen Bildformeln gibt es keine Steigerung beispielsweise zu einer immer stärkeren Abstrahierung des Naturvorbilds. Neben einer ganz in Farbflächen aufgelösten „Variation“ entsteht eine weitere, in der wir plötzlich wieder das Haus oder die Gartenpforte erkennen, wie auf unserem Bild. Und dies bedeutet keineswegs einen malerischen oder gedanklichen Rückschritt. Es ist ein Mosaikstein im konsequenten Ausloten von Farbklängen und der kompositorischen Organisation der Bildfläche. Unsere „Variation“ besticht durch den Gegensatz von zarter Tönung, Türkis, Blau und Violett in lichter Farbgebung, und einer Dynamik der Formen. Von der unbesetzt wirkenden Bildmitte streben die Flächen zu den Seiten hin. Auch die Binnenstrukturen der einzelnen Farbflecken sind durch den sichtbaren Pinselstrich bewegt. Jawlensky gelingt es mit den „Variationen“ erstmals, die Vorstellung von einer unbegrenzt erweiterbaren Folge mit Hilfe von systematisierten Formen zu vermitteln. (OH) Alexej von Jawlensky (Torzhok 1864 – 1941 Wiesbaden) „VARIATION“. 1915/16 Oil on linen-finish paper, laid down on canvas. 35,7 x 25,9 cm ( 14 x 10 ¼ in.). Monogrammed lower right: A. J. On the upper stretcher bar a label of the Galerie Beyeler, Basel. Not in the catalogue raisonné by Jawlensky. Accompanied by a certificate (in copy) by Angelica Jawlensky Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Locarno, dated 19 November 2012.– The side edges minimally trimmed, minor paint losses. [3538] Provenienz: Harold Diamond, New York / Galerie Beyeler, Basel (acquired 1961 from previous owner) / Rolf and Lotte Frowein, Wuppertal (acquired 1961 from Beyeler) / private collection, North Rhine-Westphalia
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
04/06/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0