Lot 833
Alighiero Boetti (Turin 1940 – 1994 Rom)
„A come Alighiero B come Boetti“. Ca. 1988
Stickerei auf Nessel. 21,1 × 21,1 cm ( 8 ¼ × 8 ¼ in.). Auf dem Überspann mit Filzstift (über Kopf) signiert: alighiero boetti.
Werkverzeichnis: Nicht mehr bei Ammann. Das Werk ist unter der Nummer 8673 im Archivio Alighiero Boetti, Rom, registriert.–
[3370]
Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Boettis gesamtes künstlerisches Schaffen basiert auf der Erkenntnis, dass die Grundstruktur der Welt auf dualistischen Prinzipien beruht. Daher sind seine Werke geprägt von einer „Harmonie der Gegensätze“ (Heraklit). Sein Interesse an Dualismen speist sich aber nicht nur aus griechischer, sondern auch aus chinesischer Philosophie sowie den Dichtungen und Gedanken des islamischen Sufismus. Boettis Weltanschauung kommt bereits in seinem Namen zum Ausdruck, denn er selbst bezeichnete sich als Alighiero e Boetti, als zwei Gegensätze in einer Person. Zudem ließ er immer wieder Dritte seine Werke realisieren, mit ihren jeweils eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. So auch die “arazzi piccoli“, die kleinen Stickbilder, wie unser „A Come Alighiero B Come Boetti“, die von afghanischen Familien (meist Frauen) nach Vorzeichnungen des Künstlers angefertigt wurden. Die Bildfläche der Seidenstickbilder ist strukturiert durch Buchstabenquadrate, die aus Wortkombinationen, Sinnsprüchen oder Redewendungen mit meist vier mal vier oder fünf mal fünf Buchstaben bestehen. „Ich habe ungefähr 150 Wortpaare gezeichnet, die als Quadrat gesetzt werden konnten. Wenn ich heute auf einen Ausdruck stoße [...], dann weiß ich instinktiv, dass die Zahl seiner Buchstaben es erlaubt, sie in ein Quadrat zu setzen.“ Die Form des Quadrats war für Boetti entscheidend; sein Satz „fare quadrare tutto“ (alles in ein Quadrat bringen) kann als eine Art Manifest gelten, dem viele seiner Werke ihre Struktur verdanken.
Anstatt von links nach rechts schriebt Boetti in allen Stickbildern von oben nach unten. Dadurch ist für den Betrachter zunächst nur ein quadratisches Feld mit bunten Schriftzeichen erkennbar, das sich erst bei näherer Betrachtung – wie ein magisches Quadrat – auflöst. Bild und Text. Nichtlesbarkeit und Lesbarkeit. Vielheit und Einheit. Unordnung und Ordnung. In „A Come Alighiero B Come Boetti“ zeigt sich Boettis grundlegende Bildauffassung, nach der die Elemente Schrift (Buchstaben als Zeichen) und Bild (Schrift als Bild) zu einer Synthese zusammengeführt werden.
Boetti behandelte seine kleinen Stickarbeiten wie Multiples, die seine „Botschaft“ überall auf der Welt verbreiten sollten. Dennoch sind alle Werke Unikate, da er die Kombination zwischen Buchstaben- und Hintergrundfarben– auch innerhalb eines Werkes – stets variieren ließ.
Christian Ganzenberg
Alighiero Boetti (Torino 1940 – 1994 Rome)
„A come Alighiero B come Boetti“. Approx. 1988
Embroidery on nettle. 21,1 × 21,1 cm ( 8 ¼ × 8 ¼ in.). Signed with felt-tip pen (upside down) on the overlap: alighiero boetti.
Catalogue raisonné: Date not covered in the catalogue raisonné by Ammann. The work is registered as no. 8673 in the Archivio Alighiero Boetti, Rome.–
[3370]
Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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