Lot 929
Andy Warhol (1928 Pittsburgh – 1987 New York)
„Flowers“. 1964
Acryl und Serigraphie auf Leinwand. 12,6 × 12,6 cm ( 5 × 5 in.). Rückseitig mit Bleistift signiert und datiert: ANDY WARHOL 64. Auf dem Keilrahmen mit roter Tinte beschriftet: F.H.
Nicht bei Frei / Printz.–
[3136]
Provenienz: Fred Hughes, New York / Heiner Bastian, Berlin / Stellan Holm, New York / Galerie Volker Diehl, Berlin / Privatsammlung, Schweiz (1994 erworben) / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Andy Warhol. Flowers. Berlin, Galerie Volker Diehl, 1994, Farbabb., o.S
„Enough death and disaster, Andy, it’s time again for life.“ (Henry Geldzahler, Making it new: essays, interviews and talks, Turtle Point Press, New York, 1994, S. 39) Die erste Hälfte des Jahres 1964 hatte Warhol weiter an den düsteren Bildern der Death and Disaster-Serie gearbeitet: drastische Bilder tödlicher Verkehrsunfälle, Selbstmörder, die aus dem Fenster springen, der Elektrische Stuhl, der zum Töten bereit steht, Bilder der gewalttätigen Rassenunruhen, die trauernde Jackie Kennedy. Henry Geldzahler, der 29-jährige Kurator des Metropolitan Museum, der den Großteil seiner Arbeitszeit im Gefolge der angesagten Künstler New Yorks verbrachte, warnte, es sei nun genug.
Warhols Auge blieb daraufhin an einer Doppelseite des Magazins „Modern Photography“, der Juni-Ausgabe, hängen. Zweifellos fand sich seine Sensibilität beim Anblick von drei leicht variierten Reproduktionen desselben Fotos angesprochen, die das Resultat unterschiedlicher photochemischer Prozesse darstellen sollten. Das Foto: sieben intensivfarbige Hibiskusblüten vor dunklem Gräsergrund. Warhol zerschnitt die Reproduktionen und montierte vier der großen Blüten in ein quadratisches Raster von zwei Mal zwei. Einen Assistenten wies er an, das neue Bild wiederholt durch die kürzlich angeschaffte Photostat-Maschine laufen zu lassen, so lange bis sich die Binnenstruktur der Blüten fast komplett aufgelöst hatte und beinahe nur Umrisse erkennbar waren.
Warhol entschied sich, das neue Motiv „Flowers“ zum Thema seiner ersten Schau im Herbst bei Leo Castelli zu machen. Mit der Ausstellung erfüllte sich für ihn eine Prophezeiung, die er selbst getroffen hatte: in Kürze in das Programm der tonangebenden New Yorker Galerie aufgenommen zu werden. Zwei Jahre zuvor war er noch abgelehnt worden. Für die Ausstellung produzierte Warhol quadratische „Flowers“-Leinwände in der Größe 48 und 24 inches. Gehängt dicht an dicht, wirkten die intensiven Farbkonstellationen des wiederkehrenden Motivs atemberaubend. Der damalige Direktor der Galerie, Ivan Karp, erinnert sich: "It was not an earthshaking photograph, but Warhol made a remarkable series of paintings out of it. Whatever, they were totally successful and we sold them all! And you could keep selling them right now! That's it. That's one of those immortal images. You know? He just found it. Right? It was a grand success." (Patrick Smith, Andy Warhol's art and films, UMI Research Press, Ann Arbor, Michigan, 1986, S. 358.) Für eine zweite „Flowers“-Ausstellung wenige Monate später, die zweite Ausstellung in seiner Pariser Galerie Ileana Sonnabend, lieferte Warhol neben den großen auch kleinere Quadrate in der Größe 14, 8 und 5 inches. Die Schau verblüffte Warhols europäisches Publikum, das von der vorherigen Death and Disaster-Ausstellung nachhaltig beeindruckt gewesen war. Auch sie verkaufte sich glänzend.
Die „Flowers“-Serie war der erste große ‚Auftrag’ für Warhols Factory, die erst wenige Monate bestand. Von den kleineren Leinwänden sollen bis zu 900 Exemplare hergestellt worden sein, manchmal bis zu 80 Gemälde am Tag. Die Bilder haben übrigens kein vom Künstler festgelegtes Oben und Unten sondern können nach Belieben orientiert werden. Jede Leinwand zeigt das Motiv neben dem Schwarz in einer Variation von einer bis fünf Farben für die vier Blüten und den Hintergrund. Wenn der Hintergrund nicht in einem intensiven Grünton gedruckt ist, bleibt er weiß, wie bei unseren beiden Gemälden im 5 inches-Format. Im größtmöglichen Kontrast lassen die Nicht-Farben die harte Linienstruktur der Hintergrundgräser erscheinen zu den übersatten gelben und orangefarbenen, auf Chiffren reduzierten Blüten. Ohne etwas Bestimmtes suchen oder fokussieren zu wollen, blickt man der beruhigenden Leere und angenehmen Monotonie der intensiven Farbflächen entgegen. Das Gelb und Orange leuchtet und beginnt zu glühen. Man betrachtet es länger und taucht in die Farbe ein wie in ein intensives Sonnenbad oder einen großen verlorenen Bernstein, den man sich vor das Auge ins Licht hält.
Im Katalog zu seiner Berliner Andy Warhol Retrospektive beschreibt Heiner Bastian die Faszination der „Flowers“-Serie: „Die Blumen-Bilder waren für jedermann, man sah in ihnen die ganze Konkretionskraft Warhols, der kürzest mögliche Weg einer Stilisierung, die psychologisch deutbar und ephemeres Sinnbild zugleich sein konnte.“ (Andy Warhol Retrospektive, Ausst. Kat., hg. v. Heiner Bastian, DuMont Verlag, Köln, 2001, S. 33) (MF)
Andy Warhol (1928 Pittsburgh – 1987 New York)
„Flowers“. 1964
Acrylic and silkscreen on canvas. 12,6 x 12,6 cm ( 5 x 5 in.). Signed and dated in pencil on the reverse: ANDY WARHOL 64. Inscribed with red ink on the stretcher: F.H.
Not in the catalogue raisonné by Frei / Printz.–
[3136]
Provenienz: Fred Hughes, New York / Heiner Bastian, Berlin / Stellan Holm, New York / Galerie Volker Diehl, Berlin / Private collection, Switzerland (acquired in 1994) / Private collection, northern Germany
Ausstellung: Andy Warhol. Flowers. Berlin, Galerie Volker Diehl, 1994, colour ill., not paginated
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Dessins, aquarelles et pastels
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