Lot 726
Andy Warhol (Pittsburgh 1928 – 1987 New York)
„Marilyn Monroe“. 1967
Farbserigrafie auf leichtem Karton. 91,5 × 91,5 cm ( 36 × 36 in.). Rückseitig mit Bleistift monogrammiert und datiert.
Feldman/Schellmann/Defendi II.26.–
Einer von 250 stempelnummerierten Abzügen aus einer Gesamtauflage von 276 Exemplaren. Factory Additions, New York. Leichte Randmängel. [3019]
Marilyn Monroe war zweifellos einer der Stars des 20. Jahrhunderts. Es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die über ihr Können, ihre Schönheit oder ihr Ansehen hinaus eine Anziehung auf andere Menschen hatten. Im bildorientierten 20. Jahrhundert wurden daraus, befeuert durch Printmedien, Kino und Fernsehen, Weltstars. Die Monroe faszinierte alle. Frauen bewunderten ihre Schönheit, Männer ihren Sexappeal, die Verkäuferin bei Woolworth die glamourösen Kleider, der Harvard-Professor ihre Beziehung mit Arthur Miller. Der Hunger der Öffentlichkeit nach immer neuen Bildern und Storys führte zu einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen dem Star und Verlegern, Produzenten und Fotografen. Der notwendigen Selbstvermarktung standen Auflage, Besucherzahlen und Honorare gegenüber. Die Präsenz in den Medien ging oft mit einer völligen Preisgabe von Privatheit einher. Marilyn Monroe war diesen Belastungen nicht gewachsen und starb durch eine Überdosis an Schlaftabletten.
Andy Warhol, der ein seismografisches Gespür für Phänomene der Massenkultur hatte, porträtierte neben Marilyn Monroe auch Jacqueline Kennedy und Elizabeth Taylor. Das Leben aller drei Frauen war überschattet von tragischen Ereignissen, die zu einer fast schon religiösen Verehrung führten. Warhol interessierte die Aura, die manche Stars umgibt und die kaum zu fassen ist. Das erste Bild aus der Werkgruppe der „Marilyns“ entstand kurz nach dem Tod Marilyn Monroes 1962. Als Vorlage diente ein Marketing-Foto aus dem Film „Niagara“ von 1955. Warhol fragt selbstverständlich in diesem Bild, ob wir mehr sehen als eine schöne Frau mit verwegenem Augenaufschlag. Sehen wir Unsicherheit, Einsamkeit und Verzweiflung? Nein, all das sehen wir auf den ersten Blick nicht. Warhols Stärke ist die Doppelbödigkeit seiner Arbeiten. Sie sind Pop: einfach, starkfarbig, wiedererkennbar. Ihr sinnlicher Reiz entsteht an der Oberfläche. Doch für diejenigen Betrachter, die mehr sehen wollen, zeigt Warhol mehr. Für uns ist Warhols Arbeit das Abbild der Monroe. Ihm genügt ein Bild von der Schauspielerin, doch mittels seiner seriellen Technik mit unterschiedlichsten Farbvariationen schafft Warhol Nuancen und Stimmungen, die weit über das banale, rein auf die sinnlichen Reize fokussierte Werbebild hinausgehen. Unsere Version überrascht mit zarten, silbern und grünlich schimmernden Tönen. Diese Marilyn ist viel mehr als die laszive Blondine aus „Niagara“, auf die sie die Produzenten der 20th Century Fox auf Jahre festlegten. Der pinkfarbene Mund spielt zwar mit diesem Image, doch mit den feinen Details der Ohrringe und des Keils am unteren Bildrand in derselben Farbe gewinnt die Darstellung etwas entschieden Malerisches. In der dunkel getönten Farbigkeit wird die Tragik der Monroe sichtbar.
Oliver Hell
Andy Warhol (Pittsburgh 1928 – 1987 New York)
„Marilyn Monroe“. 1967
Colour silkscreen on light cardboard. 91,5 × 91,5 cm ( 36 × 36 in.). On the reverse monogrammed and dated in pencil.
Feldman/Schellmann/Defendi II.26.–
One of 250 number-stamped prints from a total edition of 276 copies. Factory Additions, New York. Minor margin imperfections. [3019]
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