Lot 319
Antonius Höckelmann (Oelde/Westfalen 1937 – 2000 Köln) Orgie I. 1967-69 Tuschpinsel, Kohle, Bleistift, mit Deckweiß gehöht, und Collage auf Papier. 156,1 × 251 cm ( 61 ½ × 98 ⅞ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert und datiert: Antonius Höckelmann 1967/68 zweiter Mai 69. [3413] Provenienz: Galerie Benjamin Katz, Berlin (1970) Ausstellung: Antonius Höckelmann. Zeichnungen und Plastiken. Museum Leverkusen, und Bern, Kunsthalle, 1975/76, Kat.-Nr. 54 / Antonius Höckelmann. Skulpturen, Handzeichnungen. Köln, Kunsthalle, 1980, Kat.-Nr. 89, Abbildung S. 65 / Zeitspiegel II 1945-1986. Berlin, Galerie Pels-Leusden und Villa Grisebach, 1986, S. 84/85, mit Abbildung / Antonius Höckelmann. Passionen. Hamm, Gustav-Lübcke-Museum, und Stadtmuseum Beckum, 2002/03, Kat.-Nr. 13, S. 83, Abbildung S. 29 Literatur und Abbildung: Gebrochene Sinnlichkeit. Eigenbericht. In: Die Welt, Hamburg/Berlin, 13. November 1969 Lieber Bernd, rein zufällig nach einer tropischen Nacht hörte ich am Morgen des 31. Juli im Radio von Deinem Projekt „Emigranten wider Willen“, sofort dachte ich an meine Eltern. Dann erhielt ich am gleichen Nachmittag Deinen Anruf und hörte von Dir persönlich von Deinem Vorhaben und auch von Deiner Bitte, einen Text über die von Dir 1970 erworbene geniale Zeichnung von Antonius Höckelmann zu formulieren. Gekauft hast Du sie während des Berliner Kunstmarktes in der Kunstakademie und nicht in der Galerie Bassenge, wie Du vermutet hast. Bei Bassenge hatte ich Antonius 1969 eine Ausstellung gewidmet. Es war sehr, sehr schwer, Arbeiten von ihm zu verkaufen. Ich erinnere mich, dass er sogar mit dem Gedanken spielte, seine künstlerische Laufbahn zu beenden, aber der Verkauf genau dieser Zeichnung an Dich motivierte und ermutigte ihn, weiter zu machen. Die Umstände, wie wir diese 150 x 250 cm große Zeichnung gerahmt haben, sind mir noch heute präsent. Bei unserer damals finanziell extrem prekären Lage verlangte es große Anstrengungen und Improvisation, Holzbrett, Plexiglas und Abdeckung zu organisieren. Zum Schluss war alles etwas dilettantisch, aber vorführbar und die gerahmte Zeichnung etwa so schwer wie eine Bronzeskulptur. Höckelmann lernte ich schon 1957 während unseres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin kennen, auch seine Frau Hille Eilers, die wie ich, in der Vorsemester-Klasse von Hans Jaenisch studierte. Wir standen uns gegenseitig beim Zeichnen Modell. Gelegentlich traf ich Höckelmann in der Kunstbibliothek Jebensstraße, wo sich jetzt das Helmut Newton Museum befindet. Dort suchte er nach Inspiration durch die alten Meister, wie Du möglicherweise in Deiner Zeichnung erkennen kannst. Ich mochte Antonius Höckelmann sehr. Er ist und bleibt ein großartiger Künstler, aber leider noch immer völlig unterschätzt. Ein extrem bescheidener und großzügiger Mensch. Lieber Bernd, gelegentlich sind wir uns schon in der Galerie Pels-Leusden begegnet – wie an vielen anderen Orten – es war immer ein Vergnügen. Ich hoffe, dass Du mit diesen wenigen Zeilen etwas anfangen kannst. Wie ich Dir schon am Telefon sagte, bin ich kein Schreiber. Dafür schreibe ich umso lieber mit dem Fotoapparat, aber das ist eine ganz andere Lesart. Ich wünsche Dir für Dein wichtiges Vorhaben viel Erfolg. Dein Benjamin Benjamin Katz, Köln Antonius Höckelmann (Oelde/Westphalia 1937 – 2000 Cologne) Orgie I. 1967-69 Brush and India ink, charcoal, pencil, heightened with opaque white, and collage on paper. 156,1 × 251 cm ( 61 ½ × 98 ⅞ in.). Signed and dated in pencil lower right: Antonius Höckelmann 1967/68 zweiter Mai 69. [3413] Provenienz: Galerie Benjamin Katz, Berlin (1970) Ausstellung: Antonius Höckelmann. Zeichnungen und Plastiken. Museum Leverkusen, and Bern, Kunsthalle, 1975/76, cat. no. 54 / Antonius Höckelmann. Skulpturen, Handzeichnungen. Cologne, Kunsthalle, 1980, cat. no. 89, Illustration p. 65 / Zeitspiegel II 1945-1986. Berlin, Galerie Pels-Leusden and Villa Grisebach, 1986, p. 84/85, with illustration / Antonius Höckelmann. Passionen. Hamm, Gustav-Lübcke-Museum, and Stadtmuseum Beckum, 2002/03, cat. no. 13, p. 83, Illustration p. 29 Literatur und Abbildung: Gebrochene Sinnlichkeit. Eigenbericht. In: Die Welt, Hamburg/Berlin, 13 November 1969
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26/10/2018
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