Lot 754
A.R. Penck (Dresden 1939 – 2017 Zürich) Buchentwurf „Mensch und Automat“. 1960er-Jahre 149 Zeichnungen und Schriftbilder, jeweils Tusche bzw. Aquarell auf Papier (Rückseiten eines Auftragsblocks sowie Umschlagrückseite). 29,5 × 20,8 × 2,4 cm ( 11 ⅝ × 8 ¼ × 1 in.). Auf dem Einband mit Bleistift signiert: a.r. penck. [3054] Provenienz: Michael Werner, Köln/ Seit 1986: Privatsammlung, Rheinland Um das Jahr 1968 herum, als dieses Künstlerbuch im ostdeutschen Dresden entstand, hatte Ralf Winkler sein auf den Geologen Albrecht Penck verweisendes Pseudonym -A. R. Penck gerade erst erfunden, verwendete es etwa für seine erste Ausstellung mit dem Galeristen Michael Werner im Westen, der wahrscheinlich auch dieses Buch über die vermauerte Grenze der beiden Deutschlands geschmuggelt hatte. Später wurde Penck gefragt, warum er sich nach einem Geologen benannt habe. Er antwortete: „Ich habe eine gewisse Analogie gesehen zwischen abgelagerter Information und Geologie … Damals musste ich mich durch ziemlich viele Schichten von Informationen durchfressen.“ Das Künstlerbuch, auf dem Cover mit einer Strich-figur und dem Titel „Entwurf“ versehen, ist eigentlich ein Auftragsblock, den Penck kurzerhand umgedreht und seinem Pinsel einverleibt hat. Das Buch exemplifiziert seine wilde Weltsicht, die Informationsschichten durchstößt und umpflügt. Jede Seite, jeder Abschnitt ist eine neue ästhetische Schicht, eine neue Welt. Staunend blättert man hindurch, versinkt, verirrt sich, geht neue Wege, versteht alles, kapiert gar nichts. Man verliebt sich in Gesichter, etwa in das von Pencks Muse Sabine W., die er um 1960 bei seinem Zeichenlehrer Gerhard Kettner kennengelernt hatte, man lacht über neuartige Zeichen-Alphabete und steigt in buchseitenfüllende grafische Meisterwerke ein. Als dieses Künstlerbuch entstand, war Penck noch ganz unbekannt, erst in den 1970ern wurde er etwa mit Ausstellungen in der Schweiz, in Kanada und in den Niederlanden sowie mit zwei Documenta-Teilnahmen zum Superstar. Das Buch ist eine Art Mini-Retrospektive seiner Anfangszeit, aber auch ein Vorausblick, ein Entwurf eben. Fast alle Facetten seiner malerischen und zeichnerischen Ästhetik kommen hier in nuce vor: informationstechnologische Studien, sein Versuch, mit „Standart“ (sic) eine neue Zeichensprache zu entwickeln, der sogenannte Neoexpressionismus, den er von Mitte der 1970er an prägte, oder frühere Picasso-Studien. Und dann bekommen wir auch noch eine Kostprobe von Pencks philosophischer Sprachlust: „Bewegung ohne Ruhe ist die Idee des Chaos / Ruhe ohne Bewegung / ist die Idee der Feststellung / im Chaos ist nichts festzustellen, eine festgestellte Welt ist ohne Leben“. Penck hat sich kompulsiver Sinnsuche hingegeben, gleichzeitig wollte er aber gar nicht alles „feststellen“. Dem Sinn setzte er stets das Geheimnis entgegen. Simon Elson A.R. Penck (Dresden 1939 – 2017 Zurich) Buchentwurf „Mensch und Automat“. 1960s 149 drawings and artist's handwriting, each India ink resp. watercolour on paper (reverse pages of a pad of order sheets as well as back of an enevelop). 29,5 × 20,8 × 2,4 cm ( 11 ⅝ × 8 ¼ × 1 in.). Signed in pencil on the binding: a.r. penck. [3054] Provenienz: Michael Werner, Cologne / since 1986: Private collection, Rhineland
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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Art Contemporain
10719 Berlin - Allemagne
01/12/2017
Proposé par Grisebach
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