Lot 14
Aristide Maillol (1861 – Banyuls-sur-Mer – 1944) „Jeune fille agenouillée“ (Kniendes Mädchen). Vor 1902 Terrakotta, auf schwarz lackierten Holzsockel montiert. Höhe (ohne Sockel): 16,5 cm ( 6 ½ in.). Mit einem Gutachten von Dr. Ursel Berger, Berlin, vom 25. Juli 2016. [3001] Provenienz: Museum Folkwang, Hagen (von Karl Ernst Osthaus wohl 1904 in der Galerie Vollard, Paris, erworben, bis 1921) / Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Aristide Maillol. Berlin, Galerie Flechtheim, 1928, Kat.-Nr. 35 („Kniende, Ton“) (?) / Aristide Maillol. Berlin, Georg-Kolbe-Museum; Lausanne, Museé cantonal des Beaux-Arts; Bremen, Gerhard Marcks-Haus, und Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1996/97, Kat.-Nr. 39 Literatur und Abbildung: Kurt Freyer (Bearb.): Museum Folkwang. Band I: Moderne Kunst, Plastik, Malerei, Graphik. Hagen 1912, Kat.-Nr. 29 („Kniendes Mädchen“, Terrakotta, Höhe 17 cm) (?) Mitte der 1890er-Jahre wandte sich der ausgebildete Maler Aristide Maillol zunehmend der Skulptur zu und entdeckte damit die Gattung für sich, in welcher er zu einem der einflussreichsten Künstler der Moderne werden sollte. Schon früh wurden ihm die Aufmerksamkeit und der Respekt von Kennern und Künstlerkollegen zuteil, denn er verzichtete auf effekthascherische Formate und Kompositionen – ganz im Gegenteil arbeitete Maillol um die Jahrhundertwende bevorzugt im kleinen Maßstab und modellierte Statuetten von subtiler, klarer und einprägsamer Form. Mit seinem kleinplastischen Frühwerk hob er sich vom bildhauerischen Mainstream der Belle Époque ab, als großformatig-gefällige Bronzegüsse den Kunstmarkt bestimmten und in hoher Zahl Eingang in bürgerliche Haushalte fanden. In Kooperation mit dem berühmten Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard entstanden um 1900 verschiedene Bronzeeditionen nach ausgewählten Unikaten Maillols, die er aus Terrakotta geformt hatte. Von Letzteren sind der kunsthistorischen Forschung längst nicht alle bekannt. In der von Hand modellierten Gestalt materialisieren sich unmittelbar die Idee und das einfühlsame plastische Gespür des Künstlers: Auf einem dunklen, runden Holzsockel kauert der weibliche Akt in friedlich ruhender Pose. Die angewinkelten Beine bilden das kompositorische Fundament der symmetrisch aufgefassten Plastik. Im rechten Winkel dazu bilden Ballen, Ferse, Gesäß und Rücken eine aufstrebende gerade Linie. Dezent neigt die Figur ihr Haupt. Zusammen mit der mädchenhaften Physiognomie und den nur andeutungsweise ausformulierten Haarlocken nimmt diese Bewegung der Komposition die Strenge und verleiht ihr einen Ausdruck von Zartheit und ursprünglicher Menschlichkeit. Die Statuette birgt noch die ureigenen Charakteristika von Maillols bildhauerischen Anfängen, bevor sich der Künstler dem großen Format und der imposant-statuarischen Wirkung verpflichtete und dadurch auch jene reiz­volle Intimität aufgab, welche frühe Arbeiten wie „Jeune fille agenouillée“ (Kniendes Mädchen) auszeichnet. KH „Wo Vollard die Tonfiguren brennen ließ, konnte bisher nicht geklärt werden. Nicht auszuschließen ist, dass die Terrakotta vom Künstler selbst ausgeführt wurde. Vollard hatte nämlich im Garten seiner Villa in Villeneuve-Saint-Georges nahe Paris einen Brennofen bauen lassen, der speziell für Maillol gedacht war, der bis 1903 im gleichen Pariser Vorort wohnte. Allerdings hatte der Künstler mit dem Brennen von Terrakotta ziemliche Probleme. Die tadellose Qualität der vorliegenden Terrakotta spricht eher dafür, dass sie von einem Spezialisten ausgeführt wurde, vielleicht von dem berühmten Keramiker André Metthey, mit dem Vollard und auch Maillol in enger Beziehung standen." (Aus dem genannten Gutachten von Dr. Ursel Berger vom 25. Juli 2016) Aristide Maillol (1861 – Banyuls-sur-Mer – 1944) „Jeune fille agenouillée“ (Kniendes Mädchen). Before 1902 Terracotta, mounted on black lacquered wooden base. Height (without base): 16,5 cm ( 6 ½ in.). Accompanied by a certificate by Dr. Ursel Berger, Berlin, dated 25 July 2016. [3001] Provenienz: Museum Folkwang, Hagen (acquired by Karl Ernst Osthaus presumably 1904 at Galerie Vollard, Paris, until 1921) / Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (thence by descent to the present owner) Ausstellung: Aristide Maillol. Berlin, Galerie Flechtheim, 1928, cat. no. 35 („Kniende, Ton“) (?) / Aristide Maillol. Berlin, Georg-Kolbe-Museum; Lausanne, Museé cantonal des Beaux-Arts; Bremen, Gerhard Marcks-Haus, and Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1996/97, cat. no. 39 Literatur und Abbildung: Kurt Freyer (ed.): Museum Folkwang. vol. I: Moderne Kunst, Plastik, Malerei, Graphik. Hagen 1912, cat no. 29 („Kniendes Mädchen“, terracotta, height 17 cm) (?)
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Divers
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
01/12/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0