Lot 701
Arnulf Rainer (Baden b. Wien 1929 – lebt in Wien u. Vornbach/Inn)
„Wut mit Glut“. 1958
Öl auf Leinwand. 73,5 × 56 cm ( 28 ⅞ × 22 in.). Unten rechts signiert und datiert: A. Rainer 58. Rückseitig mit Bleistift betitelt: Wut mit Glut. Auf dem Überspann rechts mit Farbstift in Schwarz signiert und datiert: A. Rainer 1958.
[3370]
Provenienz: Galerie m Bochum/Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Galerie m Bochum, 1979 (mit rückseitigem Etikett)
„So sind Bilder für mich nicht zum Anschauen, sondern zum Ändern da“(Arnulf Rainer, 1971)
Als Robert Rauschenberg 1951 eine Zeichnung von Willem de Kooning ausradierte, wollte er ganz offen mit dem abstrakten Expressionismus brechen. Mit scheinbar ähnlicher formaler Negation reagiert Arnulf Rainer auf seine Vorlagen, doch seine Motive sind gänzlich anders. Rainers monochrome „Übermalungen“ entstanden nach surrealistischen Experimenten als Weiterentwicklung seiner aktionalen Überzeichnungen aus tachistischer Spontanität und informellem Gestus. Zwischen 1953 und 1959 lebt Rainer zurückgezogen in einer möbellosen Villa in Gainfarn vor den Toren Wiens. Dennoch setzt er sich dem ganzen Spektrum der Entwicklung amerikanischer und europäischer Malerei aus: Zusammen mit Maria Lassnig reist Rainer nach Paris, trifft sich mit André Breton, Jackson Pollock, sieht Ausstellungen von Hans Hartung, Wols, aber auch von Piet Mondrian und widmet sich zugleich der Zwölftonmusik Schönbergs. Es ist beeindruckend, wie Rainer, ohne akademische Ausbildung und in relativer Isolation, den Raum des malerisch Möglichen durchschreitet und einen unkonventionellen Anschluss an die internationale Moderne findet. „Wut mit Glut“ ist Zeuge für Rainers sich seit 1954 entwickelnde künstlerische Handschrift. Deckend monochrom zieht sich das intensive Rot über die Leinwand, auch die Leisten des Bildes wurden vom energischen Duktus des Pinsels erfasst. Nur in der rechten unteren Ecke verbleibt das Weiß des grundierten Untergrunds. Schmale Farbtropfen laufen hinunter zum Bildrand. Diese ausgesparte Ecke ist das entscheidende Spannungsmoment des Bildes und das Charakteristikum der gesamten Werkgruppe. „Obwohl nicht ausschließlich, so betreibe ich die künstlerische Arbeit doch in erster Linie als Selbstgespräch. Wie sich etwa der Traum im Tiefschlaf fortsetzt, so ist die Übermalung die Entwicklung dieses Selbstgesprächs in ein Schweigen.“ Und so ist nicht der inhaltliche Bruch zu malerischen Vorläufern, sondern eine positiv besetzte Tuchfühlung zu den existierenden Bildformen entscheidend für Rainers Übermalungen: „Es ist der Wunsch, diese, eine schwache Stelle zu vertuschen, eine nach der anderen so lange zu verdecken, bis ich nichts mehr sehe, [...] also Liebe und Vervollkommnungsdrang.“
Arnulf Rainer (Baden near Vienna 1929 – lives in Vienna and Vornbach/Inn)
„Wut mit Glut“. 1958
Oil on canvas. 73,5 × 56 cm ( 28 ⅞ × 22 in.). Signed and dated lower right: A. Rainer 58. Titled in pencil on the reverse: Wut mit Glut. Signed and dated in coloured pencil in black on the overlap to the right: A. Rainer 1958.
[3370]
Provenienz: Galerie m Bochum/Private collection, North Rhine-Westphalia
Ausstellung: Galerie m Bochum, 1979 (with label on the reverse)
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Dessins, aquarelles et pastels
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