Lot 37
Arthur Segal (1875 Jassy – 1944 London) „Bahndamm“. 1922 Öl auf Rupfen. 45 × 60 cm ( 17 ¾ × 23 ⅝ in.). Unten rechts signiert: A. Segal. Unten links datiert: 1922. Liska 273a.– [3540] Provenienz: Ehemals Max Dungert, Berlin Ausstellung: Arthur Segal, Bilder 1923-1924, Graphik 1911-1917. Berlin, Corvinus-Antiquariat, 1924 Literatur und Abbildung: Arthur Segal: Das Lichtproblem in der Malerei. In: Arthur Segal, Nikolaus Braun: Lichtprobleme der bildenden Kunst, Berlin 1925, ganzs. Farbabb. o.S Der aus Moldawien gebürtige Arthur Segal studierte bei Eugen Bracht in Berlin und gehörte 1910 zu den Mitbegründern der Neuen Secession. Herwarth Walden stellte ihn 1912 zum ersten Mal in der Galerie „Der Sturm“ aus, der Segal verbunden blieb. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er in Ascona, Fluchtpunkt vieler Künstler und Literaten, darunter auch Hans Arp. Auf ihn geht Segals Beteiligung an Ausstellungen im Zürcher Cabaret Voltaire zurückgeht. Nach Berlin zurückgekehrt, gehörte der Künstler in den 1920er Jahren zur Vereinigung der Novembergruppe, unterhielt eine Malschule in Berlin-Charlottenburg und verfaßte Schriften zum psychologischen Verständnis von Kunst. Segal interessierte sich besonders für die Wahrnehmung optischer Eindrücke und befaßte sich mit geometrisierten Rastern, denen er Figuren und Objekte seiner Kompositionen unterwarf. Um sämtlichen Bereichen einer Komposition die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, teilte er seine Bilder in Quadrate ein, betrachtete seine Bildgegenstände als gleichwertig und bezog oft sogar die Rahmung in die Komposition ein. Durch prismatische Farbzerlegungen wurde Segals Malerei zunehmend ungegenständlich. Unser Bild greift ein Motiv auf, das die Landschaftsmalerei bereits im späten 19. Jahrhundert beschäftigt hat: der Verlauf von Bahnlinien in der Topographie. In unglaublich moderner Sicht auf die Schlucht, die der „Bahndamm“ in die Stadt schneidet, wird bei Segal die Gleisführung in Gelb, Rot und Blau ausgemalt. Mauern und fluchtende Dächer drängen sich, Menschen sind nicht auszumachen, aber hinter den Fenstern scheint magisch elektrisches Licht auf. Mit reinen Farben, begrenzender Linienführung und der vereinfachter Formensprache zitiert Segal einerseits volkskundliche Bilderfolgen und bekennt sich andererseits zur künstlerischen Avantgarde der Entstehungszeit. Die Fauves und die Expressionisten haben in gleicher Weise unmittelbar mit Farbe Ausdruck erzeugt. „Der Grundtenor der Segalschen Entwicklung ist die Suche nach einem Malereiprinzip, das die Wirklichkeit möglichst klar und lebensnah wiedergibt. Er möchte mit seiner visuellen Darstellung die Wahrheit der Dinge, der kleinen unbeachteten Dinge des Lebens verdeutlichen, die ebenso wichtig sind wie die großen Ereignisse und dramatischen Mythen der Menschheitsgeschichte. ‚Ich betrachte die Natur und fand, daß in ihr nichts überordnet ist, wenn man sie als Ganzes, Kontinuierliches Unbegrenztes betrachtet.’ Natur sehen – die Richtigkeit des Sehens, bzw. die natürliche Korrekturen des Sehprozesses durch die Gewohnheit – das ist es, was Segal interessiert: die Oberfläche der Dinge und deren Wahrnehmung durch das Gehirn.“ (Wulf Herzogenrath: Segal in der Kunstgeschichte, in: Ausst.-Kat. Arthur Segal 1875-1944, Kölnischer Kunstverein, 1987, S. 13/14) (EO) Arthur Segal (1875 Jassy – 1944 London) „Bahndamm“. 1922 Oil on burlap. 45 x 60 cm ( 17 ¾ x 23 ⅝ in.). Signed lower right: A. Segal. Dated lower left: 1922. Liska 273a.– [3540] Provenienz: Formerly Max Dungert, Berlin Ausstellung: Arthur Segal, Bilder 1923-1924, Graphik 1911-1917. Berlin, Corvinus-Antiquariat, 1924 Literatur und Abbildung: Arthur Segal: Das Lichtproblem in der Malerei. In: Arthur Segal, Nikolaus Braun: Lichtprobleme der bildenden Kunst, Berlin 1925, full-page colour ill., no page numbers
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0