Lot 36
Arthur Segal (Jassy 1875 – 1944 London)
„Ziehendes Pferd“. 1918
Öl auf Leinwand. Im Künstlerrahmen. 31,5 × 42 cm (45,7 × 56,3 cm) ( 12 ⅜ × 16 ½ in. (18 × 22 ⅛ in.)). Unten rechts signiert und datiert: A. Segal 1918. Auf dem Rahmen rückseitig ein Etikett der Ausstellung Köln 1987 (s. u.) und der Galerie Hasenclever, München.
Liška 171.–
[3491]
Provenienz: Privatsammlung, Hessen
Ausstellung: Künstler von Ascona. Zürich, Kunstsalon Wolfsberg, 1919 („Zigeuner mit Pferd“) / Kollektivausstellung von Arthur Segal. Berlin, Fraenkel & Co., Josef Altmann, Kunsthandlung und Antiquariat, 1921, Kat.-Nr. 3 / Arthur Segal. Köln, Kölnischer Kunstverein; Berlin, Haus am Waldsee; Regensburg, Museum Ostdeutsche Galerie; Ascona, Museo comunale d'arte moderna; Tel Aviv, The Tel Aviv Museum, 1987/88, Kat.-Nr. 171, ganzs. Farbtafel 8, S. 184
Literatur und Abbildung: Zürcher Post vom 6.2.1919 / Pavel Liška: Arthur Segal. In: Kölner Museumsbulletin, Nr. 3, 1987, mit Abbildung
Arthur Segal, aus wohlhabender rumänischer Familie stammend, zog es schon früh nach Berlin. Hier wie auch später in München studierte er Malerei. Da er alles Neue, Moderne und Revolutionäre begierig aufsaugte, entwickelte Segal kurz nach der Jahrhundertwende die Idee für einen Kunstverleih. Erst in der Spätphase der Weimarer Republik konnte er seinen Plan umsetzen. Sein Einfall lebt heute noch in den Artotheken fort. Trotz seiner anfänglich akademischen Malweise schloss sich der Maler einer Vielzahl avantgardistischer Künstlervereinigungen an, etwa der Neuen Secession in Berlin oder der Neuen Künstlergemeinschaft München. In regem Austausch entwickelte er eine ganz eigene Bildsprache, die ab 1915 in den „Bildern der Gleichwertigkeit“ gipfelte. Erschüttert vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges emigrierte Segal ins schweizerische Ascona, wo er auf Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky traf. Damals beschäftigte er sich intensiv mit Problemen der Komposition, da er mit ihr die Hierarchie der bildnerischen Elemente überwinden wollte. Er suchte nach einem harmonischen Gleichgewicht im Bild. Segal begann, die Bildfläche zu teilen: zweifach, vierfach, schließlich in bis zu 32 Bildfelder. Auf diese Weise gelang es dem Künstler, alle Komponenten der Bilderzählung gleichwertig zu behandeln.
In unserem Gemälde „Ziehendes Pferd“ von 1918 viertelte der Maler das Bild in gleichgroße Rechtecke. Neben dem Pferdefuhrwerk mit seinem Kutscher gewährt Segal der Landschaft eigenes Gewicht. Fast möchte man glauben, die oberen beiden Bildfelder zeigen den Blick ein und derselben Person, des Kutschers, je nachdem ob der seinen Blick nach rechts oder links wendet. In expressiver Farbigkeit zerlegt der Maler die Landschaft in Streifen aus Braun, Grün, Ocker und Weiß. Da auch der Rahmen nach Ansicht Segals zur Komposition gehört, war seine ursprüngliche Funktion, das Gemälde buchstäblich zu rahmen und abzuschließen, obsolet geworden. Da bei Segal die Zentralperspektive fehlte, sollte er nun die Fortsetzung der Darstellung in die potenzielle Unendlichkeit ermöglichen. Dabei erfährt die kaleidoskopartige Zersplitterung der Einzelbilder im „Ziehenden Pferd“ visuell eine Beruhigung, da Segal das Gefüge von Landschaft und Himmel am Rahmen farblich wiederholt. Auch wenn die Ausdehnung in die Unendlichkeit faktisch unmöglich ist, schaffen die bis auf wenige diagonale Störungen streng horizontal und vertikal gelegten Farbstreifen doch eine bemerkenswerte Überleitung des Bildes in den umgebenden Raum.
OH
Arthur Segal (Jassy 1875 – 1944 London)
„Ziehendes Pferd“. 1918
Oil on canvas. In artist's frame. 31,5 × 42 cm (45,7 × 56,3 cm) ( 12 ⅜ × 16 ½ in. (18 × 22 ⅛ in.)). Signed and dated lower right: A. Segal 1918. On the frame on the reverse a label of the exhibition Cologne 1987 (see below) and of the Galerie Hasenclever, Munich.
Liška 171.–
[3491]
Provenienz: Private collection, Hesse
Ausstellung: Künstler von Ascona. Zürich, Kunstsalon Wolfsberg, 1919 („Zigeuner mit Pferd“) / Kollektivausstellung von Arthur Segal. Berlin, Fraenkel & Co., Josef Altmann, Kunsthandlung und Antiquariat, 1921, cat. no. 3 / Arthur Segal. Cologne, Kölnischer Kunstverein; Berlin, Haus am Waldsee; Regensburg, Museum Ostdeutsche Galerie; Ascona, Museo comunale d'arte moderna; Tel Aviv, The Tel Aviv Museum, 1987/88, cat. no. 171, full-page colour ill. pl. 8, p. 184
Literatur und Abbildung: Zürcher Post, 6.2.1919 / Pavel Liška: Arthur Segal. In: Kölner Museumsbulletin, no. 3, 1987, with illustration
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