Lot 3115
Augsburg () TISCHUHR MIT VANITAS-DARSTELLUNG AUS DEM UMKREIS VON JÖRG FRONMILLER. Um 1580 Bronze, feuervergoldet; Silber. 14 x 16,5 x 8 cm ( 5 ½ x 6 ½ x 3 ⅛ in.). Auf allen Seiten graviert. Meisterzeichen in der Bodenplatte: „GIG“ im Wappen. [3002] Die Schaulust einer Epoche der Kunst- und Wunderkammern führt auch zu eine Ästhetisierung der Zeitangabe. Liebhaber und Künstler bestimmten die Gehäuse der Uhren, deren phantastische Bildsprache und mechanische Automatik den Betrachter erfreuen sollte. Weniger als exaktes Meßgerät, denn als künstlerisch einmaliges Demonstrationsobjekt geschaffen, steht die horologische Metaphorik der Apparate im Vordergrund. Ein beliebtes, da untrennbar mit der Symbolik der Zeit verbundenes Motiv ist jenes der Vanitas. Die Flüchtigkeit der Zeit als Indiz für die eigene Vergänglichkeit wird in unserer Figurenuhr in dreifacher Gestalt zum Ausdruck gebracht: In der plastischen Darstellung verkörpert der kindliche Putto, der auf einem Totenschädel lehnt, den irdischen Lebenszyklus. Die Bedeutung der Statuette wird durch die das Gehäuse umlaufende lateinische Inschrift, die zur bewußten Lebensführung mahnt, poetisch unterstrichen. Das Kunsthandwerk war im wesentlichen Gemeinschafts-arbeit verschiedener Spezialisten. Die Gehäuse stammten von Goldschmieden oder Rotgießern, deren Skulpturen der Uhrmacher bezog, um sie durch seine Mechanik zu beleben. Statuetten, wie der seitlich liegende Putto unserer Tischuhr, auf dessen linkem Knie ein sich drehender Himmelsglobus mit lateinischen Ziffern thront, und auf die er mit dem Zepter in seiner Rechten zur Angabe der Stunden verweist, wurden über eine lange Zeitperiode hinweg neu gegossen und von verschiedenen Uhrmachern montiert. Unsere Uhr ähnelt dabei einer Arbeit der Augsburger Uhrmacherfamilie Jörg Fronmillers, der 1545 die Schmiedegerechtigkeit erwarb und sie über mehrere Generationen vererbte. Der Wettbewerb der verschiedenen Handwerke führte zu einer künstlerischen Vielfältigkeit und Qualität, deren Ruf sich weit über die Ländergrenzen hinweg erstreckte und Augsburg im 16. Jahrhundert „zum großen Kaufhaus individueller Luxusgüter“ aufsteigen ließ. (KS) Vergleichsliteratur: Klaus Maurice: Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum, München 1976, Bd. 1, S. 164; Bd. 2, Abb. 377 / Ders.: Von Uhren und Automaten. Das Messen der Zeit, München 1968 / Samuel Guye und Henri Michel: Uhren und Meßinstrumente des 15.–19. Jahrhunderts, Zürich 1971 Augsburg () TABLE CLOCK WITH DEPICTION OF VANITAS, FROM THE CIRCLE OF JÖRG FRONMILLER. Circa 1580 Brass, gilt; silver. 14 x 16,5 x 8 cm ( 5 ½ x 6 ½ x 3 ⅛ in.). Engraved on all sides. Master's mark on the base plate: "GIG“ in a coat of arms. [3002] Related literature: Klaus Maurice: Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum, Munich 1976, vol. 1, p. 164; vol. 2, ill. 377 / Same author: Von Uhren und Automaten. Das Messen der Zeit, Munich 1968 / Samuel Guye and Henri Michel: Uhren und Meßinstrumente des 15.–19. Jahrhunderts, Zurich 1971
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Sculptures et bronzes
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Catalogue
04/07/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0