Lot 323
Bakalowits & Söhne, Wien (Tätig seit 1845) Miracle Kronleuchter. 1964 / 1965/1975 Kristallglas, Messingblech; elektrifiziert. 80 cm; Ø 64 cm ( 31 ½ in.; Ø 25 ¼ in.). [3191] Provenienz: Privatsammlung, Hessen Als die Sowjets am 4. Oktober 1957 ihren ersten Satelliten in die Weiten des Weltalls schickten, war das für die Amerikaner ein Schock. Das Land sah sich in einem Zwiespalt aus Ehrfurcht und verletztem Stolz gefangen, die NASA wurde gegründet, und der Wettlauf um den Weltraum trieb seltsame Blüten: In amerikanischen Wohnungen zog eine ganz neue Gattung von Lampen ein, inspiriert von Gino Sarfattis „2003“ – man nannte sie „Sputnik-Leuchten“, nach eben jenem Satelliten, den die Russen ins Weltall geschossen hatten. Diese Auswüchse blieben auch dem Österreicher Friedhelm Bakalowits nicht verborgen. „Friedl“, wie ihn die Familie nannte, war 1959 als junger Techniker in den väterlichen Lüsterbetrieb im sechsten Wiener Bezirk eingestiegen. Die Firma Bakalowits war tief in der Geschichte des Landes verwurzelt, hatte Lüster für Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf, Erzherzog Karl Ludwig und die Hofburg gefertigt. Doch der Zusammenbruch der Monarchie und der Krieg hatten schwierige Zeiten mit sich gebracht. Und so half Friedl Bakalowits nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur, in Wien das Parlamentsgebäude, das Burgtheater und den Stephansdom wieder aufzubauen – er entwarf 1964 auch den modernen Kronleuchter „Mirakel 3317“, für den er 1966 ein Weltpatent erwirkte. Der Entwurf, der in verschiedenen Größen von 35 bis 300 cm und in verschiedenen Farbvariationen hergestellt wurde, war revolutionär: Anstelle der üblichen „Sputnik“-Konstruktion aus Metallstäben, an deren Enden Glühbirnen saßen, setzte Friedl – ganz nach Art des Hauses – auf eine zentrale Lichtquelle, deren Strahlen über verschieden lange Kristallglasstäbe in Vollschliffausführung nach außen getragen werden sollten. Die Messingringe um den Leuchtkörper ließen die Lampe wie einen Planeten wirken, aus dem ein besonders kostbarer Bergkristall herauswächst. Vielleicht war es aber auch eine futuristische Raumsonde? „Mirakel 3317“ erhellte nicht nur den Raum, sondern warf zudem eine faszinierende Korona an die Decke. Der „Sputnik-Lüster“ von Bakalowits ist ein aufsehenerregender und heute seltener Entwurf, der für eine Ära zwischen Furcht und Fortschritt steht. Eine Deckenleuchte, die den Geist des Aufbruchs atmet. FS Wir danken Sophie Bakalowits, BAKALOWITS Licht Design GmbH, Wien, für freundliche Hinweise. Bakalowits & Söhne, Vienna (Active since 1845) Miracle chandelier. 1964 / 1965/1975 Crystal glass, sheet brass; electrified. 80 cm; Ø 64 cm ( 31 ½ in.; Ø 25 ¼ in.). [3191] Provenienz: Private collection, Hesse We would like to thank Sophie Bakalowits, BAKALOWITS Licht Design GmbH, Vienna, for kindly providing additional information.
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Mobilier moderne et design
À propos de la vente
Live
ORANGERIE Oeuvres Sélectionnées
10719 Berlin - Allemagne
30/11/2017
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0