Lot 3050
Bartholomeus Breenbergh (Deventer 1598 – 1657 Amsterdam) CIMON UND IPHIGENIA. 1638 Öl auf Eichenholz. 60,3 x 53 cm ( 23 ¾ x 20 ⅞ in.). Unten rechts monogrammiert und datiert: BBreenberg f. An - 1638. Mit einem Gutachten von Max J. Friedländer, Berlin, vom 28. November 1926, als „reizvolles, echt signiertes Werk von B. Breenbergh“ (im Original). WV Roethlisberger 1981, Nr. 191.– Die Tafel soll nach 1928 seitlich beschnitten worden sein, im Zuge dessen soll der obere Teil der Ruine überdeckt worden sein. Die Tafel weist allseitig Fasen auf. [3001] Provenienz: 1928 Sammlung Clough, London (damals 60 x 84,5 cm) / Sammlung des Archäologen Wolfgang Zorer (gest. 1940), Reutlingen / 1940 Sammlung Kurt Rohde, Berlin / Sammlung Elisabeth Rohde, Berlin Quelle Sammlung Rohde-Hinze: Annotierter Auktionskatalog: Sammlung Zorer, Berlin und verschiedener Kunstbesitz, Auktionshaus H. W. Lange, Berlin, 5.–6. April 1940, Los 9, 1.560 RM / Lagerbuch Nr. 868 (1940) / Quittung des Auktionshauses, Nr. 149 / Korrespondenz Marcel Roethlisberger, Genf, mit Frieda Hinze, vom 14. September 1971 Literatur und Abbildung: Auktionskatalog: Coll. Clough, Robinson, London, 28. Juni 1928, Los 154 / Marcel Roethlisberger: Bartholomeus Breenbergh. The Paintings, Berlin und New York 1981, Kat.-Nr. 191, S. 76 (mit Abb.) Amor raubt keineswegs nur den Verstand. „Erwacher des schlafenden Geistes“, so nennt ihn Boccaccio in seinem ersten Gesang des V. Decamerone. Der Dichter veranschaulicht die „heilige Wirkung der Liebe“ anhand eines Exempels: Gales, gutaussehender Sohn eines Edelmannes, war so ungehobelt und unerzogen, daß die Menschen Zyperns ihn Cimone, gleichbedeutend mit Rohling, nannten. Cimones Dummheit ärgerte seinen Vater so arg, daß er den Jungen in die Wildnis schickte. Fernab der Zivilisation lebte er zufrieden bis er auf ein schlafendes Mädchen stieß, Iphigenie. Ihre Schönheit verwandelt ihn vollkommen. Zum Erstaunen aller kleidet sich der einstige Dummkopf in hübschen Gewändern, knüpft tiefe Beziehungen, erlernt Musik, studiert Philosophie, dichtet und macht seiner Angebeteten den Hof. Der Augenblick des Verliebens ließ ihn schlagartig vom „Wilden“ zu einem besseren Menschen werden, und zum Schluß macht er die Schöne zu seiner glücklichen Frau. Das Gemälde fällt in die Zeit der Wiederentdeckung antiker Literaturstoffe. Die mythologische „Novella“ Boccaccios begeisterte viele Zeitgenossen Breenberghs und in der Umsetzung war es sein absolutes Lieblingssujet - zwischen 1633 und 1647 hat er diese Szene mindestens siebenmal ganz unterschiedlich variiert. In der Mitte unserer Fassung liegt Iphigenie, unbekümmert vermittelt sie den Eindruck sich zugleich hilflos hinzugeben und den unbehelligt beobachtenden Cimon lautlos verführen zu wollen. Wie in der literarischen Vorlage ist der Sohn vor Verzückung über den Anblick kontemplativ über seinen Stock gebeugt. Die Gruppe schlafender Frauen ist von besonders feinmalerischer Qualität und Breenbergh verleiht ihnen etwas sehr zartes, fast zerbrechliches. Subtil gelingt es ihm, mit dem sich über Iphigenie erstreckenden, aber abgebrochenen Torbogen der Ruine die sich anbahnende Verbindung zwischen dem zukünftigen Paar anzudeuten. Die lockere Behandlung der von Licht durchsetzten Landschaft ist von jener „zarten Duftigkeit“ (Wolfgang Stechow 1930), die typisch ist für jene Phase Breenberghs, in der nicht zufällig auch seine hochwertigsten Radierungen entstanden. (GvM) Auswahl anderer Versionen Breenberghs: 1640, signiert, Gemäldegalerie Berlin, Inv.-Nr. 924 / um 1645/47, signiert, 36 x 47 cm, Privatbesitz / 1647, 36 x 45 cm, Milwaukee Art Museum, Inv.-Nr. M1991.437 Vergleichsliteratur: Marcel Roethlisberger: Bartholomeus Breenbergh, Ausst.-Kat. (Richard L. Feigen & Co.), London 1991, S.58f. Bartholomeus Breenbergh (Deventer 1598 – 1657 Amsterdam) LANDSCAPE WITH CIMONE AND IPHIGENIA. 1638 Oil on oak. 60,3 x 53 cm ( 23 ¾ x 20 ⅞ in.). Monogrammed and dated lower right: BBreenberg f. At - 1638. Accompanied by a certificate by Max J. Friedländer, Berlin, dated 28 November 1926, where described as a "reizvolles, echt signiertes Werk von B. Breenbergh“ (in the original). Catalogue raisonné Roethlisberger 1981, no. 191.– The panel seems to have been trimmed at the side, some time after 1928, in the course of which the upper portion of the ruin has been covered. Panel with bevelled edge on all sides.. [3001] Provenienz: 1928 collection Clough, London (at that time 60 x 84,5 cm) / collection of the archeologist Wolfgang Zorer (died 1940), Reutlingen / 1940 collection Kurt Rohde, Berlin / collection Elisabeth Rohde, Berlin. Source collection Rohde-Hinze: annotated auction catalogue: Sammlung Zorer, Berlin und verschiedener Kunstbesitz, Auktionshaus H. W. Lange, Berlin, 5–6 April 1940, lot 9, 1.560 RM / book inventory no. 868 (1940) / receipt of the auction house, no. 149 / correspondence from Marcel Roethlisberger, Geneva, to Frieda Hinze, dated 14 September 1971 Literatur und Abbildung: Auction catalogue: Coll. Clough, Robinson, London, 28 June 1928, lot 154 / Marcel Roethlisberger: Bartholomeus Breenbergh. The Paintings, Berlin and New York 1981, cat. no. 191, p. 76 (with ill.) Selection of other versions by Breenbergh: 1640, signed, Gemäldegalerie Berlin, inv. no. 924 / circa 1645/47, signed, 36 x 47 cm, private collection / 1647, 36 x 45 cm, Milwaukee Art Museum, inv. no. M1991.437. Related literature: Marcel Roethlisberger: Bartholomeus Breenbergh, exh. cat. (Richard L. Feigen & Co.), London 1991, p.58f.
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03/07/2015
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