Lot 300
Bernard Aubertin (Fontenay-aux-Roses 1934 – lebt in Reutlingen)
„CLOUS N°1“. 1966
Nägel auf Holz, mit Ölfarbe rot bemalt. Diagonal: 85 x 85 x 6,6 cm ( 33 ½ x 33 ½ x 2 ⅝ in.). Rückseitig signiert, betitelt, datiert und bezeichnet: AUBERTIN_CLOUS Nº 1_1966 60 cm x 60 cm [=Werkmaße].
[3334]
Provenienz: Galerie Beatrix Wilhelm, Stuttgart
Ausstellung: Bernard Aubertin. Werke 1960-1986. Stuttgart, Galerie Beatrix Wilhelm, 1987, Abb. / Aubertin, Bernard le rouge. Retrospektive. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1993 / en gros & en détail. Werke von A bis Z. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2001/02, Abb. o.S. / 75 x Aubertin. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2009
Mehr als 40 Jahre lang benutzte der französische ZERO-Künstler Bernard Aubertin die Farbe Rot, um mit ungewöhnlicher Beharrlichkeit ihr Ausdruckspotential zu analysieren. Bei seinen systematischen Farbuntersuchungen arbeitet er oftmals in großen Werkgruppen, deren Einzelbilder er zum Teil nur geringfügig abwandelt. Zweifelsohne war Yves Klein eine maßgebliche Inspiration für das Werk Aubertins. Beeindruckt von dessen monochromen Bildern, wandte er sich 1957 von gegenständlicher Figuration ab. In Serien zinnoberroter Monochrombilder untersuchte Aubertin statt dessen die Farbe Rot, „ihre Anziehungskraft, ihren Zauber, ihre Bewegung, ihr Licht, ihre Vibration, ihre emotionale Wirkung, ihre taktile Präsenz“. (Bernard Aubertin (1961), zit. in: ZERO, Ausst.-Kat., Martin-Gropius-Bau, Berlin / Stedelijk Museum, Amsterdam 2015, S. 267-268, hier: S. 267)
1958 nahm Aubertin an der von Heinz Mack und Otto Piene organisierten 7. Abendveranstaltung mit dem Titel „Das rote Bild“ in Düsseldorf teil. Retrospektiv schreibt Otto Piene über Aubertin: „[...] Yves Klein aus Paris schrieb, wir (Heinz Mack und ich) möchten, bitte, Bernard Aubertin in ZERO 3 aufnehmen. Dann kamen Fotos von ROT und FEUER, und Aubertin hatte nicht nur seine Seite, sondern er wurde einer der aktivsten Beteiligten an ZERO-Ausstellungen und -Manifestationen bis heute.“ (Otto Piene, in: Bernard Aubertin. Das Feuer und das Rot (Le Feu et le Rouge), Ausst.-Kat., Bielefeld 1997, S. 16)
Aubertins konsequente Verwendung von Rot gründet auch und vor allem in dessen dynamischer Intensität: Die leuchtend roten Oberflächen erzeugen eine suggestive Farbwirkung und scheinen vor dem Auge des Betrachters zu flimmern. Als ein neues Ausdrucksmittel entdeckte Aubertin – ähnlich wie Günther Uecker – Anfang der 1960er Jahre den Nagel, der zunächst noch unter roter, pastos aufgetragener Farbschicht verschwand, um später immer mehr zum Strukturelement zu werden. In „Clous No. 1“ sind die Nägel vollständig mit roter Farbe bedeckt und in unregelmäßigen Abständen auf ein quadratisches Holzbrett gehämmert, um dort symmetrische Nagelstrukturen zu formen. Je nach Standpunkt und Lichteinfall verändern sich die Schattierungen der benagelten Holzplatte. Neben der Reliefstruktur verstärkt der Farbauftrag mit changierend roten Pigmenten die Vibrationsbewegung der Farbe. Diese Dynamik wird in „Clous No. 1“ durch die 45-Grad-Drehung der Trägerplatte forciert. Hatte schon die rote Farbe Assoziationen mit Glut, Feuer und Flammen entfacht, entstanden ab 1961 erste Feuerbilder aus geometrisch, seriell angeordneten Streichholzbriefchen, später auch Feuerzeichnungen, Feuerwände und Feuerscheiben, in denen die Faszinationskraft des Feuers weiter gesteigert wird. In einem Manifest schrieb Aubertin 1969: „Durch das Rot habe ich das Gefühl, mich mit dem Feuer zu identifizieren, mit diesem Feuer, das ich besitzen möchte und das ich mir tatsächlich [...] aneignen sollte, indem ich mein erstes Feuerbild erfand.“ Le Feu et Le Rouge, das Feuer und das Rot, bestimmen das Œuvre Bernard Aubertins.
Bernard Aubertin (Fontenay-aux-Roses 1934 – lives in Reutlingen)
„CLOUS N°1“. 1966
Nails on wood, painted with red oil paint. Diagonal: 85 x 85 x 6,6 cm ( 33 ½ x 33 ½ x 2 ⅝ in.). Signed, titled, dated and inscribed on the reverse: AUBERTIN_CLOUS Nº 1_1966 60 cm x 60 cm [=dimensions of the work].
[3334]
Provenienz: Galerie Beatrix Wilhelm, Stuttgart
Ausstellung: Bernard Aubertin. Werke 1960-1986. Stuttgart, Galerie Beatrix Wilhelm, 1987, ill. / Aubertin, Bernard le rouge. Retrospektive. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1993 / en gros & en détail. Werke von A bis Z. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2001/02, ill., no page numbers / 75 x Aubertin. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2009
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