Lot 24
BIBELFRAGMENT Blatt einer Bibel mit Genesis-Initiale, Engelssturz und Sündenfall Italien, Mailand, Umkreis des Meisters des Modena-Stundenbuches (u. a. Mitarbeit an der Ausstattung des Visconti-Stundenbuches), Ende 14. Jahrhundert Einzelseite mit zweispaltigem, lateinischem Text und polychromer Malerei mit Gold auf Pergament, recto und verso. 33,5 cm x 22,5 cm (27,9 cm x 20,3 cm ohne umlaufende Montierung). Verso Text mit Initialornamentik. Die gotische Schrift in brauner Tusche mit roten Hervorhebungen in 49 Zeilen. Initialen mit Rankenwerk in Rot, Blau und Grün mit Weiß- und Goldhöhungen. Umlaufend ergänzt, min. Farbverluste, verso Montierungsreste. Das sehr gut erhaltene Fragment einer italienischen Bibel zeigt mittig in sieben ovalen Formen die Erschaffung der Welt, darüber thronend den Allmächtigen mit Engeln zur Linken und Teufeln zur Rechten, die im Wettstreit miteinander liegen. Am unteren Rand des Blattes wird der Sündenfall mit Adam und Eva im Paradies dargestellt. Zwischen ihnen Satan - hier als grünliche Schlange dargestellt. Die Ausstattung des Bibelfragmentes zeigt Gemeinsamkeiten mit einigen Ausstattungsteilen des Visconti-Stundenbuches, eines Hauptwerkes der italienischen Malerei des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts. Die Ornamentinitialen mit ihrer gezackten Initialausläufern und der Binnenfeldfüllung aus symmetrisch angelegten Ranken und die Verwendung von kleinen Eicheln als Ziermotiv sind vergleichbar mit einigen Initialen der Trecento-Ausstattung des Stundenbuches, wobei die des Fragmentes von höherer Qualität sind. Der düstere Wald der Miniatur mit dem Sündenfall zeigt grundlegende Gemeinsamkeiten mit dem Wald auf dem unteren Seitenrand von f. 11r des Stundenbuches (Florenz, Biblioteca Nazionale Centrale, LF 22), der dem Meister des Modena-Stundenbuches zugeschrieben wird: Der Schollenboden, der sich immer wieder zu Erhebungen mit geradem Abschluss aufschwingt und die vor dunklem Grund gereihten Baumstämme sind ebenso zu vergleichen, wie die nicht ganz gelungenen Versuche, im Vordergrund einen Bach fließen zu lassen, den Boden mit stilisierten Pflanzen und die Baumkronen mit punktförmigen Früchten zu beleben. Die Gewänder mit den schleppenden Gewandsäumen, die die Füße verschwinden lassen, sind ebenfalls verwandt. Literatur: C. Rob-Santer: Die Trecento-Ausstattung des Visconti-Stundenbuches - Ein Werkstattbericht. In: Ch. Beier und E. Kubina, Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen zur Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit. Wien 2014, S. 125-147, bes. S. 141 und Abb. 10, 15.
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Catalogue
21/03/2015
Proposé par Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf
49 (0)211 - 302 001