Lot 946
Brice Marden (1938 Bronxville/New York – lebt in New York) Ohne Titel. 1965/66 Graphit und Ritzung auf Karton, auf Holz aufgezogen. 30,7 × 41 cm ( 12 ⅛ × 16 ⅛ in.). Unten rechts signiert und datiert: B. Marden 65 / 66. Die Zeichnung wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Gemälde und Zeichnungen Brice Mardens von Dr. Eileen Costello, New York (in Vorbereitung).– [3332] Provenienz: Galerie Art in Progress AG, Zürich / Privatsammlung, Deutschland „Beim Zeichnen bewegt sich die Hand empfindsamer. Hand und Bild (-vorstellung) sind intimer verbunden als bei irgendeiner anderen Technik. Zeichnen ist fein und konzis; Zeichnen ist anmutig. Stell sie Dir als Räume vor. Das sind meine Zeichnungen“ (zit. n. Brice Marden: „5 Zeilen für Klaus, 4/30/79“, in: Brice Marden: Zeichnung 1964-1978, Kat. Ausst. Kunstraum München, München 1979, S. 12) Die frühe, asketische und unbetitelte Graphitzeichnung von Brice Marden stammt noch aus der Zeit vor seiner ersten Einzelausstellung in der Bykert Gallery, New York, im November 1966. Marden hatte bis 1963 an der Yale University studiert und war geprägt durch den Abstract Expressionism eines Barnett Newman, Willem de Kooning und Franz Kline. Kurz danach zog Marden nach New York, wo er 1964 eine Halbtagesstelle als Aufseher im Jewish Museum annehmen wird. Noch im gleichen Jahr sieht er dort die für ihn wegweisende Ausstellung von Jasper Johns, dessen Einfluss der Künstler selbst wie folgend beschreibt: “I knew about this stuff, but it’s one thing to know about it and another to be in a room with thirty Jasper Johns all day long.”(zit. n. Brice Marden, in: Brice Marden. Phaidon, London 2013, S.23.) Begeistert war Marden von Johns’ expressiver Natur, mit der er seine alltäglichen „flachen“ Motive malerisch neu interpretierte. Bereits früh hatte er begonnen, seine Empfindungen in die Werke einfließen zu lassen und so beschreibt er auch die Genesis dieser frühen Werke als einen „höchst subjektiven Zustand spartanischer Beschränkungen. Innerhalb dieser strengen Grenzen – Grenzen, in die ich mich selbst hinein gemalt habe und die ich ohne Bedauern auszuloten gedenke – versuche ich, dem Betrachter etwas zu geben, auf das er subjektiv reagieren wird. Ich glaube, dass es höchst emotionale Gemälde sind, die man nicht aus technischen oder intellektuellen Gründen bewundern soll, sondern die man fühlen muss.“ (zit. n. Brice Marden, in: Brice Marden: Retrospektive. Kat. Ausst. Staatliche Museen zu Berlin, Hatje Cantz, Ostfildern 2007, S. 14.) Seit 1964 entstanden Mardens Zeichnungen durch das Über- und Nebeneinanderlegen von unzähligen Schichten von Linien und Strichen, so dass diese wie eine „undurchdringliche Graphithaut erscheinen, die fest über das Blatt gespannt wurde.“ (zit. n. Klaus Kertess: Die Zeichnungen von Brice Marden, in: Brice Marden: Zeichnung 1964-1978. Kat. Ausst. Kunstraum München, München 1979, S. 14.) Marden hat den Linien ihre eigentliche Funktion genommen, sie sind keine Konturen mehr, sondern fließen in einer schwarzen Masse aus Licht und Raum zusammen. In Unitled, 1965-66, hat der Künstler mit Hilfe eines Lineals und einer Rasierklinge aus dieser Linienmasse zwei größere Flächen hervorgehoben, die er, getrennt durch einen Balken, sowie den Marden-typischen horizontalen Bildabschluss unten, einander gegenübergestellt hat, und die dennoch eine bildliche Einheit bilden. Diese Unterteilung ist Teil einer Oberflächenaktivierung, die Marden bereits seit den frühen 1960er Jahren durch den Einsatz von Rastern beabsichtigte. „Ich habe das Raster immer als ein Maß oder eine Art, einen Raum auszumessen, verstanden, und jedes Raster erschafft einen völlig neuen Raum, jedoch ähneln sich diese Räume sehr. So wie ich auch diese Zeichnungen als, sagen wir mal, Details eines Raumes verstehe. Raum ist für mich unendlich, eine Unendlichkeit, in der viele Veränderungen, Verwandlungen, Verschiebungen und Spielarten vorkommen. Und viel Spannung. Sehr viel Spannung. Und das versuche ich im Bild einzufangen.“ (zit. n. Brice Marden, in: Brice Marden: Retrospektive. Kat. Ausst. Staatliche Museen zu Berlin, Hatje Cantz, Ostfildern 2007, S. 14.) Dabei verschwimmen bei Marden die Grenzen zwischen Malerei und Zeichnung zunehmend, denn bereits in dieser Zeit nutzt er (Bienen-) Wachs, um die Grautöne seiner Grafit- und Kohle-Zeichnungen variieren zu können. Die trüben, gespenstischen Grautöne, die staubigen Schneegraus, die Schiefer- und Bleitöne oder auch Silbergraus betonen die Materialität seiner Werke; sie erlauben ihm, die Malerei stets auf einer möglichst flachen Ebene („plane image“) stattfinden zu lassen. Zudem geben diese Farben seinen Werken die gewünschte rätselhafte Ambiguität; sie zeigen, dass die Werke keine „Fenster“ in eine andere Welt sind, sondern gemachte Bilder, durch Farbe auf Leinwand, beziehungsweise Kreide und Graphit auf Papier. CG Brice Marden (1938 Bronxville/New York – lives in New York) Untitled. 1965/66 Graphite and incision on cardboard, laid down on panel. 30,7 × 41 cm ( 12 ⅛ × 16 ⅛ in.). Signed and dated lower right: B. Marden 65 / 66. The drawing will be included in the catalogue raisonné of paintings and drawings by Brice Marden by Dr. Eileen Costello, New York (in preparation).– [3332] Provenienz: Galerie Art in Progess AG, Zurich / Private collection, Germany
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art Contemporain
10719 Berlin - Allemagne
27/11/2015
Proposé par Grisebach
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