Lot 314
Bruce Nauman (Fort Wayne/Indiana 1941 – lebt in Galisteo/New Mexico)
Ohne Titel. 1970
Bleistift auf Papier. 58,4 × 73,6 cm ( 23 × 29 in.). Bezeichnet: Door / 5 Panels / 6 Corridors – 3 passable 3 impassable / 3 live video / 1 videotape with monitors. Unten rechts signiert und datiert: B. Nauman, Jan. 1970.
[3411]
Provenienz: Stéphane Collaro (?) / Galerie Thomas Zander, Köln (2014)
Literatur und Abbildung: Auktion: Cornette de Saint Cyr, Paris, 29. Januar 2001, Kat.-Nr. 23
Das kann man selten von einem Künstler sagen: Mit den Auftritten von Bruce Nauman ab 1966 veränderte sich das Bild von Kunst, das es bis dahin gab. Ausdrucksformen des Körperlichen werden zum Teil der Skulptur, die Nauman zur Darstellung bringt. In der Skulptur der 1960er-Jahre hatte noch kurz zuvor Donald Judd das „Spezifische Objekt“ proklamiert, Carl Andre horizontale Abmessungen als „Schnitte im Raum“ gedacht. Bruce Nauman versperrt nun den Raum, er baut Wände, schafft Ecken, konstruiert Korridore, verwirrt mit Videoaufnahmen und Wiedergabetechniken die Orientierung und erzwingt klaustrophobische Situationen, die der Betrachter respektive Akteur ebenso erfahren muss wie der Künstler, der sie entworfen hat. Bruce Nauman hebt die Distanz zwischen Betrachter und Künstler auf.
Die Zeichnung „Door / 5 Panels / 6 Corridors – 3 passable 3 impassable / 3 live video / 1 videotape with monitors“ aus dem Jahr 1970 ist schon mit ihrem Titel Dokument eines anderen medialen Ausdrucks der Kunst von Bruce Nauman. Der Text ist auch nicht so sehr Titel der Zeichnung, er ist vielmehr Teil von ihr und damit auch Handlungsanweisung für die Umsetzung des räumlichen Konzepts. 1970 hat Bruce Nauman eine Ausstellung für die Nicolas Wilder Gallery in Los Angeles entwickelt. Die hier besprochene Zeichnung stellt den Grundriss der Galerie Wilder mit den darin von Bruce Nauman konzipierten einzubauenden Wänden dar. Aufgrund ihrer Positionierung lassen sie in der Galerie Korridore entstehen. Die teilweise begehbaren Korridore sind mit Deckenleuchten innen erhellt, die schmalen Zwischenräume sind dunkel belassen, was den Kontrast zwischen einladenden und ausladenden Räumen sogleich sinnfällig macht. Am Ende der Gänge, durch die man schreiten kann, befinden sich Monitore auf dem Boden, die im Livestream den Moment zeigen, wenn der Gehende von einem Korridor in den anderen einbiegt. Der Betrachter ist konstitutiver Teil des Bildes durch seine ihm eigene Aktivität, zu der ihn der Künstler mit diesem Werk zwingt, oder einlädt, ganz wie man es versteht.
Wenngleich die gesamte Installation kaum eine Richtungsänderung ermöglicht, befindet man sich in einem Raum der Orientierungslosigkeit und Isolation. Der Besucher ist beobachtet durch das Aufnahmegerät, kann sich dennoch nicht selbst sehen, weil nur seine Bewegung an der Wende zwischen den Wänden aufgenommen wird und der leere Bildschirm zurück in den Korridor strahlt. „Like most of his work, this situation does not deal with a concept of space, but with the sensation of it“, schreibt Marcia Tucker dazu. Und weiter: “Its effect goes beyond that of a purely physiological reaction to become a highly charged emotional experience.“ (Artforum, Dezember 1970, S. 38)
Zeichnung als Medium ist bei Bruce Nauman niemals als ein autonomes Kunstwerk zu betrachten, eher dem Wortsinn nach als eine „konkrete“ Zeichnung, hier bezogen auf den Grundriss und die Proportion eines Galerieraumes. Nur in der Zeichnung wird durch das Prinzip der Aufsicht in der Grundrisszeichnung eine „Komposition“ erkennbar, die den rhythmisch-proportionalen Wechsel des zu Korridoren aufgegliederten Raumes zu erkennen gibt. Sie ist ästhetisch eigenständig, weil sie im Duktus der Linien die konkrete Raumvorgabe zurückdrängt zugunsten ihrer abstrakten Linienkonstruktion.
Friedrich Meschede, Bielefeld
Bruce Nauman (Fort Wayne/Indiana 1941 – lives in Galisteo/New Mexico)
Ohne Titel. 1970
Pencil on paper. 58,4 × 73,6 cm ( 23 × 29 in.). Inscribed: Door / 5 Panels / 6 Corridors – 3 passable 3 impassable / 3 live video / 1 videotape with monitors. Signed and dated lower right: B. Nauman, Jan. 1970.
[3411]
Provenienz: Stéphane Collaro (?) / Galerie Thomas Zander, Cologne (2014)
Literatur und Abbildung: Auction: Cornette de Saint Cyr, Paris, 29 January 2001, Cat. no. 23
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Dessins, aquarelles et pastels
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