Lot 1053
CABINET WITH UPPER SECTION DEPICTING THE COAT-OF-ARMS OF THE ZUR GILGEN FAMILY, Baroque and later, Lucerne, 18th century. Walnut, plum, maple, burlwood, and 11 Pietra-Dura panels inlaid with tin fillets. Upper cabinet section with pierced top over upper drawer, on later feet. Front with double-doors, opening up to display an opulent interior with 12 drawers arranged around a central door. The inner central door, in turn, opens up into 9 drawers, 1 of which has a secret compartment. The front parts of the outer drawers and the door are decorated with Pietra-Dura mosaics. The lower section (later, using older elements) , inlaid with the coat-of-arms of the zur Gilgen family in a reserve. Front with 2 paneled doors. 3 keys. 164 x 83 x 172 cm. Highly restored. Minor losses and signs of use. The name "zur Gilgen" pertains to a Lucerne patrician family which probably changed its name from Getzenheim or Getzenhans to "zur Gilgen" around 1450, due to a house name, and also spelled their name as "Zurgilgen" or "a Liliis" (Gilg = lily). The piece of furniture on offer features several peculiarities that are typical of Lucerne furniture. A writing cabinet by Ferdinand Plitzner with very similar pietra-dura inlays from 1710 can be found in Wiesentheid Palace. The place of manufacture of the pietra-dura work is indicated as Augsburg or Bohemia (Heinrich Kreisel and Georg Himmelheber. Die Kunst des deutschen Möbels. Vol. 2. Munich 1983. No. 186.) Literature with illustration: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spätrenaissance bis zum Biedermeier, Lucerne 2011. p. 84, No. 25. KABINETTAUFSATZSCHRANK MIT DEM WAPPEN DER FAMILIE ZUR GILGEN Barock und später, Luzern, 18. Jh. Nussbaum, Zwetschge, Ahorn, Maser sowie 11 Pietra-dura-Paneele eingelegt mit feinen Zinnfilets. Kabinettoberteil in architektonischer Form mit durchbrochenem Balustradenkranz über Kranzschublade auf späteren Quetschfüssen. Front mit Doppeltüren, gegliedert durch drei freistehende Rundsäulen mit korinthischen Kapitellen. Öffnend auf reiches Innenleben mit zwölf Schubladen, gruppiert um eine zentrale Türe sowie gegliedert durch je zwei korinthische Viertelsäulen und Pilaster (mit Marmoreinlagen). Die innere zentrale Türe wiederum öffnend auf neun Schubladen, eine mit Geheimfach. Die ausseren Schubladenfronten sowie Türe belegt mit Pietra-dura Mosaiken, Darstellung von Architektur. Das Unterteil (später, unter Verwendung alter Teile) mit rechteckigem, markant überstehendem Blatt, eingelegt mit dem Familienwappen zur Gilgen in Reserve und abgeschrägten vorderen Ecken auf ausgeschnittenem Konsolenfuss und Sockelplatte. Front mit zwei bastionsförmig kassettierten Türen zwischen Nischen mit Muschelabschluss. Ober- sowie Unterteil mit bastionsförmigen Kissen belegt. 3 Schlüssel. 164 x 83 x 172 cm. Stark restauriert und ergänzt. Kleinere Fehlstellen und Gebrauchsspuren. Der Name Zur Gilgen gehört zu einer Luzerner Patrizierfamilie, die vermutlich wegen eines Hausnamens um 1450 ihren Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen änderte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb (Gilg = Lilie). Ob Ulrich, der 1315 aus der Gegend von Strassburg nach Luzern gekommen sein soll, der Stammvater ist, ist fraglich. Der erste sichere Vertreter der Fam. ist der Tuchhändler und Bücherschreiber Hans Getzenheim aus Trechtingshausen (Kurmainz), der 1428 das Luzerner Bürgerrecht erwarb. Sein Sohn Hans, Tuchhändler, wurde 1454 Luzerner Grossrat und 1475 Kleinrat. Im 16. und 17. Jh. sassen die zur Gilgen mit Unterbrüchen in den Räten, im 18. Jh. mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig. Sie stellten zwei Schultheissen (u.a. Aurel) und im 19. Jh. zwei Regierungsräte (u.a. Alois). Bonifaz, Abt von Pfäfers, und Josef (1656-1706), während dessen Amtszeit als Abt von St. Urban das dortige Chorgestühl geschaffen wurde, bekleideten höhere kirchliche Ämter. Melchior erwarb um 1506-10 die Herrschaft Hilfikon und 1514 die Vogtei Sarmenstorf, die bis 1628 in Familienbesitz blieben. Er baute in Luzern 1507-10 das Haus zur Gilgen mit dem wieder aufgebauten, markanten Baghardsturm, das nach seinem Tod den Besitzer wechselte und 1571 von Ludwig zurückgekauft wurde. Aurel stiftete 1681 das Haus und den Turm als Fideikommiss, das zu Beginn des 21. Jh. noch bestand. (Angaben: Historisches Lexikon der Schweiz, Version 17.11.2015) Die barocke Möbelproduktion in Luzern ist besonders und unterscheidet sich von derjenigen in Bern, Basel oder Zürich. Auf Grund seiner Lage an den wichtigen Verbindungen zwischen Norden und Süden machen sich stilistisch speziell die Einflüsse aus Italien und Deutschland bemerkbar, die sich in oft einfacheren aber kräftigen Grundformen, reichem geschnitztem Schmuckwerk sowie auwändigen Intarsienarbeiten manifestieren. Eine aktive adelige Führungsschicht sowie die römisch-katholische Kirche als Auftragsgeberin führen im 18. Jh. zu einer Blütezeit des Luzerner Möbels. Das hier angebotene Möbel weist gleich mehrere für Luzerner Mobiliar typische Eigenheiten auf. Nach Italien und Deutschland verweisend, ist die Verwendung der Pietra-dura-Technik im Inneren des Kabinetts. Ein Schreibschrank von Ferdinand Plitzner mit ganz ähnlichen Pietra-Dura-Einlagen von 1710 befindet sich in Schloss Wiesentheid. Als Herstellungsort der Pietra-Dura-Arbeit wird Augsburg oder Böhmen angegeben (Heinrich Kreisel und Georg Himmelheber. Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 2. München 1983. Nr. 186.) Literatur mit Abbildung: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spätrenaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 84, Nr. 25.
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Mobilier classique
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Mobilier, Porcelaine & Argenterie
8031 Zürich - Suisse
18/06/2020
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