Lot 418
Carl Buchheister (1890 – Hannover – 1964)
„Diagonalkomposition 534“. 1934
Reliefbild: Mischtechnik auf Holz. 52,5 × 37 cm ( 20 ⅝ × 14 ⅝ in.). Rückseitig mit Kreide und Tuschfeder signiert, betitelt und 2-fach mit der Adresse bezeichnet: Carl Buchheister Hannover Weidetorstr. 49 / Vervielfältigung No 2 / Konstruktive Diagonalkomposition 1934, mit roter Dominante. Auf der Rahmenrückwand Etiketten der Ausstellungen Hamburg 1984, Como 1989, Valencia 1990, Hannover 1993, Beijing 2012, Saint-Paul-de-Vence 2013 und Münster 2014.
Buchheister/Kemp 1934/3 c.–
[3371]
Provenienz: Privatsammlung, Rheinland
Ausstellung: Carl Buchheister. Nürnberg, Volkshochschule / Carl Buchheister. Hamburg, Galerie Elke Dröscher, 1974 (Faltblatt) / Carl Buchheister. Bremen, Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, 1975, Nr. 25 (Faltblatt) / Carl Buchheister. Hannover, Kunstverein, 1976 / Carl Buchheister. Germälde. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1981 / Carl Buchheister. Abstrakte Arbeiten. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, und Hamburg, Galerie Brockstedt, 1984, Kat.-Nr. 18, Abb. Tf. 10 / Carl Buchheister. Arbeiten der Jahre 1923-1934. Köln, Galerie Stolz, 1985/86, Abb. auf der Einladungskarte (Faltblatt) / L‘Europa dei razionalisti : pittura, scultura, architettura negli anni trenta. Como, Pinacoteca Civica di Palazzo Volpi, 1989 / Arte abstracto, arte concreto : Cercle et carré, Paris, 1930. Valencia, IVAM Centre Julio González, 1990 / Rudolf Jahns und seine Zeit. Berlin, Galerie Stolz, 1991, Kat.-Nr. 228, Abb. / Verschmelzendes Rosa und schwarze Spannung: Werke des osteuropäischen Konstruktivismus aus einer deutschen Privatsammlung. Winterthur, Kunstmuseum, 2001, Abb. S. 67 / Die Metamorphosen der Bilder. Hannover, Sprengel Museum, 1993, Kat.-Nr. 6, Abb. S. 300 / L‘abstraction en Europe. Saint-Paul-de-Vence, Fondation Maeght, 2011, Kat.-Nr. 59, Abb. S. 95 / Constructivism in Europe. From Malevich to Kandinsky. Peking, National Art Museum of China, 2012, Kat.-Nr. 15, Abb. S. 27 / Die Revolution entlässt ihre Bilder. Von Malewitsch bis Kandinsky. Münster, Kunstmuseum Pablo Picasso, 2014, Kat.-Nr. 2, S. 41 / Die Revolution ist tot – lang lebe die Revolution! Von Malewitsch bis Judd, von Deineka bis Bartana. Bern, Kunstmuseum, Zentrum Paul Klee, 2017, Abb. 94, S. 92
Während das Bauhaus nach dem Umzug nach Dessau 1925 und mit dem 1926 eröffneten ikonischen Schulgebäude von Gropius als „Hochschule für Gestaltung“ so richtig Fahrt aufnahm in Richtung einer neuen Verbindung von Formdesign und Massenproduktion, taten sich 1927 in Hannover fünf Künstlerfreunde zur Gruppe „die abstrakten hannover“ zusammen. Schon die Kleinschreibung nahm Bezug auf die Neue Typografie des Bauhauses, die Moholy-Nagy 1923 propagiert hatte. Kurt Schwitters war Mentor und Motor der „abstrakten“, die sich zunächst als Ortsgruppe der 1919 in Berlin gegründeten “Internationalen Vereinigung der Expressionisten, Kubisten, Futuristen und Konstruktivisten e.V.“ verstanden. Mitglieder der „abstrakten“ waren, neben Schwitters selbst, Carl Buchheister, Rudolf Jahns, Friedrich Vordemberge-Gildewart und Hans Nitzschke. Unterstützt wurde die Gruppe vor Ort in Hannover durch die Kestnergesellschaft, bei der Nitzschke und Vordemberge-Gildewart seit 1924 Ateliers hatten, und durch den Leiter der Kunstabteilung am Provinzialmuseum Hannover, Alexander Dorner, der 1926/27 zusammen mit El Lissitzky in seinem Museum das Aufsehen erregende Kabinett der Abstrakten einrichtete. Buchheister, der sich in seinem Werk bereits intensiv an einer Geometrie der Geraden abgearbeitet hatte, zieht mit seiner Komposition eine Art Fazit seiner Beschäftigung mit der Flächenaufteilung in orthogonalen und diagonalen Bildsystemen. Im Ergebnis ist das Werk ein Musterbeispiel für eine Synthese aus Verknappung und Verdichtung. Während die linke Bildhälfte ins Licht treibt, ballt sich in der rechten Dunkelheit nahezu körperlich zusammen, unterstützt durch das Texturrelief des breiten braunen Diagonalstreifens, das leicht in den Betrachterraum ausgreift.
Jahns ist demgegenüber eher ein lyrischer Vertreter der Abstraktion. In seinen Arbeiten haben auch geschwungene Flächen einen Platz, organisch Anmutendes findet Eingang in seine Kompositionen. Die Kohlezeichnung „Komposition, Konstruktion“ von 1919 (Los 419) gibt sich im Titel sehr viel nüchterner als im Bild selbst. Die Staffelung der horizontalen bewegten Linien in unterschiedlicher Breite und Dichte öffnet automatisch einen Raum nach hinten, den man als landschaftlich begreifen kann, ohne dass der Künstler dafür explizite Hinweise ausstreut. Jahns greift mit diesem Blatt weit voraus in Richtung eines lyrischen Informel. MS
Carl Buchheister (1890 – Hanover – 1964)
„Diagonalkomposition 534“. 1934
Relief image: mixed media on wood. 52,5 × 37 cm ( 20 ⅝ × 14 ⅝ in.). On the reverse signed and titled with chalk and pen with India ink, as well as twice inscribed with the address: Carl Buchheister Hannover Weidetorstr. 49 / Vervielfältigung No 2 / Konstruktive Diagonalkomposition 1934, with red dominant. With labels of the exhibitions Hamburg 1984, Como 1989, Valencia 1990, Hannover 1993, Beijing 2012, Saint-Paul-de-Vence 2013 and Münster 2014 on the back of the frame.
Buchheister/Kemp 1934/ 3 c .–
[3371]
Provenienz: Private Collection, Rhineland
Ausstellung: Carl Buchheister. Nürnberg, Volkshochschule / Carl Buchheister. Hamburg, Galerie Elke Dröscher, 1974 (brochure) / Carl Buchheister. Bremen, Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, 1975, No. 25 (brochure) / Carl Buchheister. Hannover, Kunstverein, 1976 / Carl Buchheister. Germälde. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1981 / Carl Buchheister. Abstrakte Arbeiten. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, und Hamburg, Galerie Brockstedt, 1984, cat.-no. 18, ill. pl. 10 / Carl Buchheister. Arbeiten der Jahre 1923-1934. Cologne, Galerie Stolz, 1985/86, ill. on the invitation(brochure) / L‘Europa dei razionalisti : pittura, scultura, architettura negli anni trenta. Como, Pinacoteca Civica di Palazzo Volpi, 1989 / Arte abstracto, arte concreto : Cercle et carré, Paris, 1930. Valencia, IVAM Centre Julio González, 1990 / Rudolf Jahns und seine Zeit. Berlin, Galerie Stolz, 1991, cat.-no. 228, ill. / Verschmelzendes Rosa und schwarze Spannung: Werke des osteuropäischen Konstruktivismus aus einer deutschen Privatsammlung. Winterthur, Kunstmuseum, 2001, ill. p. 67 / Die Metamorphosen der Bilder. Hannover, Sprengel Museum, 1993, cat.-no. 6, ill. p. 300 / L‘abstraction en Europe. Saint-Paul-de-Vence, Fondation Maeght, 2011, cat.-no. 59, ill. p. 95 / Constructivism in Europe. From Malevich to Kandinsky. Peking, National Art Museum of China, 2012, cat.-no. 15, ill. p. 27 / Die Revolution entlässt ihre Bilder. Von Malewitsch bis Kandinsky. Münster, Kunstmuseum Pablo Picasso, 2014, cat.-no. 2, p. 41 / Die Revolution ist tot – lang lebe die Revolution! Von Malewitsch bis Judd, von Deineka bis Bartana. Bern, Kunstmuseum, Zentrum Paul Klee, 2017, ill. 94, p. 92
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