Lot 146
Carl Gustav Carus (Leipzig 1789 – 1869 Dresden) „Wolkenstudie“. Um 1830/40 Öl auf Leinwand. 19,6 × 29 cm ( 7 ¾ × 11 ⅜ in.). Nicht bei Prause. – Mit einer Bestätigung von Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, vom 23. September 2016.– [3372] Es gibt ein besonderes Geheimnis in der Kunst des neunzehnten Jahrhunderts und das sind die Dresdner Himmel mit jenem von tief unten aufleuchtenden Gelb, das in ein ungekanntes, kühnes Lila mündet. Überirdisch hat das Caspar David Friedrich in seinem Atelier gemalt, der Himmel als Firmament. Und irdisch, also eben als Ölstudie direkt vor der Natur, mit genauer Kenntnis der Wolkenformen zwischen Cirrus und Cumulus, haben es zur selben Zeit, also in den 1820er- und 1830er-Jahren seine Freunde und Künstlerkollegen Johan Christian Clausen Dahl und Carl Gustav Carus getan: ganz genau beobachtet und dennoch ganz tief empfunden. Dahl gilt als Vater der Wolkenstudie, weil er, faszinierenderweise parallel zu Constable in London und Reinhold in Italien, also ab dem Jahre 1821, mit furioser Geschwindigkeit im Malauftrag den Zug der Wolken über sich aufs Papier bannte. So virtuos, so vibrierend, dass es selbst Friedrich den Atem nahm und die Schüler von überallher zu Dahl pilgerten, um von ihm zu lernen, wie man mit dem Pinsel die Wolken fängt. Von Carus hingegen haben sich bis heute nur zwei echte Wolkenstudien erhalten, sie sind allerdings beide von besonderer Reinheit und Schönheit und dürfen deshalb in zahllosen Ausstellungen und Katalogen brillieren: jene aus dem Museum der bildenden Künste in Leipzig (Inv. Nr. I 3617, Prause 420) und jene „Abendwolken aus dem Riesengebirge“ aus dem Museum in Görlitz (Inv. 1562/BK23/33, siehe die Abbildung links). Vor allem auch anhand dieser Studie aus Görlitz hat Hans-Joachim Neidhardt, der größte Kenner der Dresdner Romantik, unser Bild Carl Gustav Carus zugewiesen. In beiden Fällen konzentriert sich der Künstler über einem pauschal erfassten, verdunkelten Bildvordergrund auf das Ziehen der grauen Wolken vor einem hellorange leuchtenden Abendhimmel. Auch unser Bild ist wohl im Riesengebirge entstanden, in das es Carus immer wieder zu Malausflügen hinzog; er hat diesen stillen Abendmoment eines aufklarenden Himmels nach einem vorbeigezogenen Gewitter mit großer Präzision und großer Empfindsamkeit eingefangen. Neben dieser großen stilistischen Nähe passt unser Gemälde, worauf Gerd Spitzer hinweist, eben auch ganz genau zu den literarischen Skizzen im „Malerischen Reisetagebuch“ von Carus, in dem er etwa in seiner Eintragung „October, nach dem Vollmonde“ (1822/25) schreibt: „Endlich gerannen eines Abends die Dünste in den höheren Regionen zu langen Cirro-Stratus, die Erde war mit leisem Dunstschleier umhüllt, die Sonne neigte sich in die Umflorung des Horizonts hinab, und die wunderbarsten Farbspiele wurden sichtbar.“ Doch so poetisch Carus in seinen Worten war – in seinen Studien konnte er diese Stimmungen noch sichtbarer einfangen, zu kleinen Inkunabeln dessen , was wir Dresdner Romantik nennen. Florian Illies Wir danken Prof. Dr. Hans-Joachim Neidhardt, Dresden, und Dr. Gerd Spitzer, Dresden, für freundliche Hinweise. Carl Gustav Carus (Leipzig 1789 – 1869 Dresden) „Wolkenstudie“. Circa 1830/40 Oil on canvas. 19,6 × 29 cm ( 7 ¾ × 11 ⅜ in.). Not in the catalogue raisonné by Prause. – Accompanied by a confirmation by Prof. Dr. Hans Joachim Neidhardt, Dresden, dated 23 September 2016.– [3372]
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
30/11/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0