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Lot 113
Caspar David Friedrich (Greifswald 1774 – 1840 Dresden) „Böhmische Landschaft (Hügellandschaft)“. 1807 Bleistift auf bräunlichem Papier. 26 × 36,1 cm ( 10 ¼ × 14 ¼ in.). Oben links mit Bleistift datiert: 1807. Innerhalb der Darstellung mit Ziffern bezeichnet. Rückseitig unten links von Johan Christian Clausen Dahl beschriftet: Caspar David Friedrich f. / + zu Dresden d. 7 Mai 1840. Grummt 522.– [3033] Provenienz: David Leder, Berlin (?) (bis 1925) / Kunstausstellung Kühl & Kühn, Dresden (1925 bei Amsler & Ruthardt erworben) / Kunstausstellung Kühl, Dresden (1928) / Paul Arndt, München (bis 1934) (?) / Sammlung Lüttichau-Haniel, Wistinghausen / Privatsammlung, Norddeutschland Ausstellung: Caspar David Friedrich. Der Graphiker. Handzeichnungen und Radierungen. Dresden, Kunstausstellung Kühl 1928, Kat.-Nr. 71 / Goethezeit und Romantik. Einhundert Meisterzeichnungen aus einer Privatsammlung. Hannover, Niedersächsische Landesgalerie, Forum des Landesmuseums, und Lübeck, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, St. Annen Museum, 1990/91, S. 106, Kat.-Nr. 39, Abb. S. 107 Literatur und Abbildung: Versteigerungskatalog 107: Sammlung D..... L....., Berlin. Dabei Beiträge aus anderem Besitz. Hervorragende und wertvolle Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle bedeutender deutscher und ausländischer Künstler des XIX. und XX. Jahrhunderts [...]. Berlin, Amsler & Ruthardt, 29.10.1925, Kat.-Nr. 5, Abb. Tf. 6 / Versteigerungskatalog CLXXXV: Die Handzeichnungs-Sammlung Professor Paul Arndt-München und andere Beiträge aus privatem Besitz. Deutsche Meister des XIX. Jahrhunderts [...]. Leipzig, C. G. Boerner, 16.5.1934, Kat.-Nr. 76 / Sigrid Hinz: Caspar David Friedrich als Zeichner. Ein Beitrag zur stilistischen Entwicklung der Zeichnungen und ihrer Bedeutung für die Datierung der Gemälde. Greifswald, Univ., Diss., 1966 (Typoskript), Nr. 489 („Rügenlandschaft“) / Helmut Börsch-Supan und Karl Wilhelm Jähnig: Caspar David Friedrich. Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen. München, Prestel, 1973 (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, Sonderband), S. 48, Anm. 80, Kat.-Nr. 152 (erwähnt) und Kat.-Nr. 188 (erwähnt), S. 496, Vergleichsabb. 29 / Hans H. Hofstätter (Nachwort): Caspar David Friedrich. Das gesamte graphische Werk. München, Rogner & Bernhard, 1974, Abb. S. 488 / Auktion 150: Aquarelle und Zeichnungen der Romantik. München, Karl & Faber, 28.11.1979, Kat.-Nr. 32, m. Abb. / Karl-Ludwig Hoch. Caspar David Friedrichs Frömmigkeit und seine Ehrfurcht vor der Natur. Leipzig, Univ., Diss., 1981 (Typoskript), S. 154 / Karl-Ludwig Hoch: Caspar David Friedrich und die böhmischen Berge. Dresden, Verlag der Kunst, 1987, S. 16 / Brigitte Heise (Hg.): Zum Sehen geboren. Handzeichnungen der Goethezeit und des 19. Jahrhunderts. Leipzig, E. A. Seemann, 2007, S. 67–68, Abb. S. 68 Die Verfasserin des Werkkatalogs der Zeichnungen Caspar David Friedrichs, Christina Grummt, hat dieser Zeichnung drei weitere zugeordnet und sie unter der Bezeichnung „Loseblattsammlung von 1807“ zusammengestellt. Allerdings sollten wir eine davon (Nr. 523) ausschalten, sie ist ganz offensichtlich mit der vorliegenden identisch. Friedrich hat seine Bleistiftstudien nicht nur auf Skizzenbuchblättern betrieben, sondern gelegentlich, vor allem 1806 und 1807, auch auf größeren Einzelblättern und hat dies wohl in Serie getan. Die Größe des vorliegenden Blatts ist bei den unendlich zarten und bloß andeutenden Zeichenlinien geradezu verblüffend. Und doch hat dies seinen tieferen Sinn. 1806/07 hat Friedrich begonnen, in Öl zu malen. Seine Studienzeichnungen zuvor hatte er bei Bedarf in großformatige Sepiazeichnungen umgesetzt, die zeitgenössisch in der Tradition Adrian Zinggs großen Erfolg hatten. Der braune Grundton der Sepia fand in zarten Abstufungen von vorn nach hinten Verwendung. Die Sepien dienten der Wiedergabe von Veduten, reizvollen, vom Publikum gesuchten „landmarks“: Die Kreidefelsen von Rügen, Kap Arkona ebenda oder auffällige Felsformationen in der Sächsischen Schweiz standen bei Friedrich besonders in der Zeit von 1801 bis 1806 im Zentrum. Doch die Ölbilder danach hatten eine andere Funktion, so sehr sie Naturdetails präzise wiedergaben und zumindest zu Beginn noch bestimmten Landschaften gewidmet waren. Ihre Erscheinungsweise und ihre forcierte Bildordnung sollten den bloßen Vedutencharakter transzendieren. Wir sollen vor den Bildern erfahren, dass sie nicht bloß wiedergeben, was ist, sondern unser Eintauchen herausfordern, um uns eine Transzendenzerfahrung zu ermöglichen. Naturverpflichtung auf der einen Seite und Eröffnung von Jenseitserfahrung auf der anderen sollten in ein überzeugendes Verhältnis geraten. Und um der Natur als Gottes Schöpfung in jeder Hinsicht gerecht zu werden, begann Friedrich 1806/07 seine zeichnerische Erfassung der Natur zu systematisieren. Die vorliegende Zeichnung ist ein früher Beleg dafür. Friedrich vermerkte von nun an auf seinen Zeichnungen nicht selten dreierlei: bei nahsichtigen Naturstudien, vor allem bei Bäumen und Felsen, den Lichteinfall und sehr früh auch die Horizontlinie. Das heißt: Aus diesem Blickwinkel und unter diesen Licht- und Schattenverhältnissen habe ich das Landschaftsdetail gesehen. Und, viel wichtiger, unter all diesen Bedingungen werden sie bei Verwendung auch im Ölbild wiedergegeben. Bei den ferneren Landschaftsblicken, zu denen auch die vorliegende Zeichnung gehört, finden sich ab 1807 Zahlen. Man hat angenommen, es handle sich um durchnummerierte Farbangaben. Doch nirgends gibt es eine Legende, die dies auflöste. Vielmehr hat Friedrich gelegentlich Farbangaben direkt als Worte in die Zeichnung geschrieben. Tatsächlich handelt es sich wohl um Entfernungsangaben im Verhältnis zueinander, meist mit Zahlen von 1 bis 10, gelegentlich aber auch bis zu 50. Hier finden wir von vorn nach hinten die Zahlen 9, 8, 7, 6, 5, 2 und eine 10 im Vordergrund würde den Standort des Zeichners angeben. Friedrich markiert ihn gelegentlich auch durch einen Querstrich und das hineingeschriebene Wort „Vorgrund“. Mit den Zahlen bestimmt Friedrich nähere und fernere, hintereinander gestaffelte Geländestreifen. Die Tatsache, dass die Zahlen 4 und 3 fehlen, macht deutlich, dass hinter dem Geländestreifen, der mit „5“ bezeichnet ist, eine breitere Talsenke zu denken ist, hinter der sich dann fernere Bergketten erheben (2 und 1). Auf diese Weise ist für Friedrich fixiert, welche Grade der Farbintensität er wählen müsste, wann immer er eine Zeichnung für ein Gemälde nutzt. Mithin ermöglichen die Zahlen eine adäquate Vorstellung von der Luftperspektive. Friedrichs Bilder sind für die bis zum Horizont auf subtile Weise immer mehr verschwimmende und abnehmende Farb-stärke und Farbklarheit zu Recht berühmt. Es dürfte schwer sein, trotz des auf dem Kamm des fünften Streifens thronenden Kirchleins den Ort der Aufnahme der Zeichnung genau zu bestimmen. Doch dass es sich um eine böhmische Landschaft handelt, dürfte sicher sein. Werner Busch Caspar David Friedrich (Greifswald 1774 – 1840 Dresden) „Böhmische Landschaft (Hügellandschaft)“. 1807 Pencil on brownish paper. 26 × 36,1 cm ( 10 ¼ × 14 ¼ in.). Dated in pencil on the upper left: 1807. Inscribed with numbers inside the image. Inscribed on the reverse lower left by Johan Christian Clausen Dahl: Caspar David Friedrich f. / + zu Dresden d. 7 May 1840. Grummt 522.– [3033] Provenienz: David Leder, Berlin (?) (until 1925) / Kunstausstellung Kühl & Kühn, Dresden (acquired in 1925 at Amsler & Ruthardt) / Kunstausstellung Kühl, Dresden (1928) / Paul Arndt, Munich (until 1934) (?) / collection of Lüttichau-Haniel, Wistinghausen / private collection, Northern Germany
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Live
19th Century Art
10719 Berlin - Allemagne
30/05/2018
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0

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