Lot 125
Caspar David Friedrich (Greifswald 1774 – 1840 Dresden) „VERSCHIEDENE SEGELBOOTE“. Um 1798/1800 Feder in Schwarz, laviert, über Bleistift auf Bütten (mit Wasserzeichen VAN [DER LEY?]). 9,7 x 16,5 cm ( 3 ? x 6 ½ in.). Rückseitig mit dem Nachlaßvermerk von Johan Christian Clausen Dahl in Bleistift beschriftet: C. D. Friedrich f + 1840. Grummt 48 („verschollen“) – Mit einem Gutachten von Dr. Christina Grummt, Bülach, vom 29. September 2014.– [3169] Provenienz: Nachlaß Johan Christian Clausen Dahl, Dresden / Kunstausstellung Kühl, Dresden / Privatsammlung, Sachsen (1928 bei Kühl erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Caspar David Friedrich. Dresden, Kunstausstellung Kühl, 1928 Das mit Feder in Schwarz, laviert, über Bleistift auf Bütten ausgeführte Blatt „Verschiedene Segelboote“ besitzt ein Format von 94-97 x 165 mm. Es ist undatiert und unbezeichnet. Auf dem Verso findet sich unten Mitte die mit Bleistift ausgeführte Bezeichnung: „C. D. Friedrich f / † 1840“. Hierbei handelt es sich um den Nachlaßvermerk von Johann Christian Dahl. Das Papier weist ein Wasserzeichen mit den Buchstaben: „(...) VAN (...)“ auf. Die angrenzenden Buchstaben sind schwer lesbar bzw. beschnitten. Möglicherweise stammt dieses Blatt aus der Papiermühle Van der Ley, von der Caspar David Friedrich insbesondere in seinem Frühwerk Papier bezog. Verwiesen sei hier zum Beispiel auf das Blatt „Segelschiffstudien“ vom 3./5. Mai 1798, Privatbesitz (Grummt 2011, Nr. 51), „Baumstudie“ vom September 1798, Berlin (Grummt 2011, Nr. 56), „Fichte“ vom September 1798, Basel (Grummt 2011, Nr. 58). Gegenstand des Blattes sind in zwei Reihen übereinander angeordnete Segelschiffe bzw. Segelboote. In der oberen Reihe finden sich vier größere Segelschiffe, während die untere Reihe drei kleinere Segelboote aufweist. Bis auf die beiden äußeren Boote der unteren Reihe weisen alle übrigen hier dargestellten Schiffe oder Boote eine andere Takellage auf. So lassen sich beispielsweise Sprietsegel (unten Mitte) oder Gaffel- und Stagsegel (unten rechts) erkennen. Daneben gibt es auch Unterschiede in der Ausrichtung der Schiffe oder Boote auf dem Blatt. Fünf der insgesamt sieben Schiffe sind in Seitenansicht dargestellt. Von den beiden übrigen ist eines ankommend (unten links) und eines abfahrend (oben, zweites von links). Alle Segelboote sind ohne einen angrenzenden Umraum (Küstenstreifen o. ä.) dargestellt, einzig eine kleine Linie deutet hin und wieder das Wasser an, mit dem die Unterseiten der Bootskörper in Berührung kommen. Die künstlerische Ausführung des Blattes basiert auf einer kontu-rierenden Zeichenweise, die gekoppelt ist mit einer Lavierung der umgrenzten Flächen. Auffallend ist hier die Feinheit der zum Teil zittrig gezeichneten Federlinien, die sorgfältige Nachzeichnung über eine mit Bleistift ausgeführte Unterzeichnung und die akkurate Ausführung der lavierten Flächen. All dies sind typische Charakteristika der Zeichenkunst von Caspar David Friedrich. Kunsthistorisch läßt sich das Blatt in das Frühwerk des Künstlers einordnen. Hier sei auf Friedrichs frühe nach der Natur angefertigten Boot- und Segelbootstudien verwiesen, wie etwa die verschollenen Blätter „Segelboot“ vom 11. Februar 1798 (Grummt 2011, Nr. 42), „Liegendes Boot“ vom 16. Februar 1798 (Grummt 2011, Nr. 43) und „Liegende Boote“ vom 16. Februar 1798 (Grummt 2011, Nr. 44). Die Datierungen liefern Hinweis darauf, daß diese Blätter während Friedrichs Akademiezeit an der Kopenhagener Akademie (1794-1798) entstanden sind. Wie einem weiteren datierten Blatt zu entnehmen ist, ging der Künstler am 3. Mai 1798 (Grummt 2011, Nr. 51) an Bord eines Segelschiffs, mit dem er Kopenhagen am 7. Mai 1798 verließ (Grummt 2011, Nr. 54). Zuvor lag er vor Kopenhagen auf Reede. Auch hierzu läßt sich eine Zeichnung Friedrichs nachweisen, und zwar handelt es sich hierbei um das Blatt „Segelschiffstudien“ vom 3./5. Mai 1798 (Grummt 2011, Nr. 51). Der biographische Kontext für diese frühe Auseinandersetzung mit Segelschiffen und Booten ist Friedrichs Rückkehr per Schiff in die Heimat. Sowohl im Hinblick auf den Gegenstand als auch auf die verwendete Technik steht das vorliegende Blatt zwei in Dresden aufbewahrten Blättern „Segelschiff“ (Grummt 2011, Nr. 206) und „Segelboot“ (Grummt 2011, Nr. 207) besonders nahe. Übereinstimmend läßt sich eine vollflächige Lavierung als auch die zittrige Lineatur in den Federlinien erkennen. Schließlich findet sich auf dem Blatt „Segelboot“ (Grummt, Nr. 207) eine ebensolche Spriettakelung, wie sie das Segelboot (unten Mitte) auf dem Blatt hier aufweist. Für all diese Blätter ist die Provenienz der Galerie Heinrich Kühl von Bedeutung. Sowohl das Blatt hier als auch eine ganze Reihe der frühen Boots- und Schiffsstudien von Friedrich (siehe hierzu beispielsweise: Grummt 2011, Nr. 42, 43, 44, 45, 47, 48, 49, 206, 207) wurden 1928 in der Galerie Kühl in Dresden ausgestellt. Friedrichs Faszination für Segelschiffe und Segelboote ist offenbar schon früh entfacht. Mit den Studien auf dem Blatt hier schuf der Künstler eine einfache Form, mit der er die Gesamtform der Schiffe und Boote zu erfassen suchte. Wie das Osloer Blatt „Segelschiff“ und „Blick vom rügischen Hochufer auf die Nordküste von Hiddensee“ vom 20. Juli 1806 (Grummt 2011, Nr. 451) zeigt, behält er durchaus auch später die kleine Form der Darstellung von Segelbooten bei. Hier freilich löst der Bleistift die lavierte Federzeichnung der frühen Blätter ab. Auffallend ist die ähnliche Form zwischen dem Segelschiff auf dem Osloer Blatt (Grummt 2011, Nr. 451) und dem Segelschiff oben rechts auf dem vorliegenden Blatt. Aus alldem läßt sich für die Datierung des Blattes feststellen: Vermutlich ist es 1799/1800, eventuell auch schon 1798 entstanden. Wie der Vergleich zwischen dem Segelschiff (oben Mitte) und einem sehr ähnlichen Segelschiff auf einer Zeichnung von Carl Gustav Carus (Carl Gustav Carus, Studienblatt mit Segelschiffen und einer Stadtsilhouette, 21. August 1819 (?), (Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Inv.-Nr. C 1963-665) zeigt, bevorzugt Friedrich bei seinen Schiffsdarstellungen eine senkrechte Mastlage und ungeblähte Segel mit klaren geometrischen Formen (Rhombus, Dreieck, Rechteck). Auch das Boot mit der Spriettakelung (unten Mitte) auf dem Blatt hier findet sich bei Carus, dort jedoch mit ausgeprägter Bewegung in den Segeln und Schräglage der Maste.??Christina Grummt, Bülach Caspar David Friedrich (Greifswald 1774 – 1840 Dresden) „VERSCHIEDENE SEGELBOOTE“. Circa 1798/1800 Pen and black ink, washed, over pencil on laid paper (with watermark VAN [DER LEY?]). 9,7 x 16,5 cm ( 3 ? x 6 ½ in.). On the reverse inscribed in pencil with the estate mark of Johan Christian Clausen Dahl: C. D. Friedrich f + 1840. Grummt 48 (listed as lost) – accompanied by a certificate by Dr. Christina Grummt, Bülach, dated 29 September 2014.– [3169] Provenienz: Estate of Johan Christian Clausen Dahl, Dresden / Kunstausstellung Kühl, Dresden / private collection, Saxony (acquired 1928 at Kühl, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Caspar David Friedrich. Dresden, Kunstausstellung Kühl, 1928
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Art du XIXème siècle
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2014
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