Lot 774
Christoph Ruckhäberle (Pfaffenhofen 1972 – lebt in Leipzig) Riesin. 2007 Öl auf Leinwand. 279 × 190,2 cm ( 109 ⅞ × 74 ⅞ in.). Auf dem Überspann mit Filzstift in Schwarz signiert und datiert: RUCKHÄBERLE 2007. [3572] Provenienz: Privatsammlung Niedersachsen (2008 in der Galerie Zach Feuer, New York, erworben) Die von Judy Garland 1939 im „Zauberer von Oz“ getragenen „Ruby Slippers“ haben Kinogeschichte geschrieben. Die ursprünglich silberfarbenen Schuhe der Dorothy Gale aus dem gleichnamigen Kinderbuch des US-amerikanischen Autors Lyman Frank Baum wurden für die Filmversion rot. Sie sorgten für maximale Farbbrillanz und wurden so zum Symbol für die Entfaltung der chromatischen Möglichkeiten des damals noch neuen Technicolor-Verfahrens auf der Kino-Leinwand. Sechs bis zehn Paare „Ruby Slippers“ sollen für die Filmproduktion angefertigt und von der Hauptdarstellerin Garland während der Dreharbeiten getragen worden sein. Die heute noch erhaltenen Paare sind Ikonen US-amerikanischer Filmgeschichte. Eines davon wird im National Museum of American History in Washington aufbewahrt. Der Künstler Christoph Ruckhäberle mit seiner unbestreitbaren Affinität zum Film dürfte Gefallen an dieser Episode finden, denn die Rolle des Primats der Farbe ist für jede Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei von zentraler Bedeutung. In seinem großformatigen Gemälde „Ruby Slippers“ von 2004 (Los 773) konstruiert Ruckhäberle einen Raum mit verschiedenen Requisiten und insgesamt acht weiblichen Figuren. Sie alle tragen die gleiche Kleidung, bestehend aus einem blauen Rock, dunklen Oberteil, kniehohen, weißen Strümpfen und flachen, roten Schuhen, den titelgebenden Ruby Slippers. Die Haare sind zu braven Zöpfen auf die Seite gelegt. Die Mädchen stehen, sitzen, liegen oder hocken im Zimmer, lehnen sich an und machen es sich gemütlich. Es gibt aber auch ein „unbequemes“ Element im Bild: Eine von ihnen hält rücklings beide Beine in die Luft, wobei sie ihre weiße Unterwäsche entblößt. Weit entfernt von einer erotischen Szenerie, handelt es sich eher um eine Art stummes Kammerspiel mit zu vielen Akteuren auf zu kleiner Bühne, das einer gewissen Komik nicht entbehrt. Die Figuren sind weniger gesellig, als es die Gruppe auf den ersten Blick vermuten lassen würde. Sie verharren in ihren Posen und scheinen reglos in sich gekehrt. Der Farbklang aus sich wiederholenden Tönen und Mustern strukturiert und rhythmisiert die Bildfläche und hält die Körper im Raum als Einheit zusammen. Mit der Visualisierung der Entfremdung des Menschen und der Isolierung von Individuen in Gesellschaft entfaltet sich in „Ruby Slippers“ ein programmatisches Motiv, das Ruckhäberles frühe Mehrfigurenkompositionen kennzeichnet. Das klaustrophobische Unbehagen eines Körpers in Bezug auf seine Umgebung charakterisiert auch Ruckhäberles Gemälde „Riesin“ von 2007 (Los 774). Eine monumentale Frauenfigur in gestreiftem Kleid mit ausgestelltem Rock und gelben Strümpfen stützt die Hände in ihre schmale Taille. Die verschatteten Füße sind in entschlossener Erwartung des Einsatzes zum Tanz, Sprung oder für eine Verbeugung auf ein Halbrund am Boden in Position gebracht. Das Hintergrundmuster deutet einen glitzernden Bühnenvorhang an. Die Augen sind aufgesperrt, der Kopf mit dem wallenden blonden Haar jedoch nach unten geneigt, fast so, als müsste sich die Riesin vor der oberen Bildkante in Acht nehmen. Es scheint, als wachse sie über sich hinaus. Die verkürzt darge- stellten Beine lassen die Bewegung jedoch verkümmern und die Figur erstarren. Ihre ganze Energie schöpft die große Gestalt aus der Farbdynamik des Rot-Grün-Kontrasts ihrer Kleidung und der Leuchtkraft des Gelb. Die Komposition spiegelt in der klaren Trennung von Figur und Grund, der Reduktion auf einfache Formen sowie der Konzentration des Kolorits auf die sogenannten Urfarben Grün, Rot, Blau und Gelb Ruckhäberles Vorliebe für druckgrafische Erzeugnisse. Anka Ziefer Christoph Ruckhäberle (Pfaffenhofen 1972 – lives in Leipzig) Riesin. 2007 Oil on canvas. 279 × 190,2 cm ( 109 ⅞ × 74 ⅞ in.). Signed and dated on the overlap in black felt-tip pen: RUCKHÄBERLE 2007. [3572] Provenienz: Private Collection Lower Saxony (acquired 2008 at Galerie Zach Feuer, New York) - - - 30.00 % buyer's premium on the hammer price VAT margin scheme, VAT included, but not indicated and not reclaimable
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Contemporary Art
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29/11/2019
Proposé par Grisebach
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