Lot 349
Domenico da Tolmezzo und Werkstatt (Canale di Gorto 1448 – 1507 Udine) ZWEI LEUCHTERENGEL. Um 1490 Pappel- und Lindenholz, gefaßt. 81 x 49 x 26 cm (mit Sockel) ( 31 ⅞ x 19 ¼ x 10 ¼ in. (mit Sockel)). Auf der Unterseite: Zollabfertigungsstelle Niederla... (im Zentrum Bundesadler der Weimarer Republik); Zollklebemarke (wohl um 1910) / Historische Klebezettel einer Sammlung: 1184 und 1185 / Stempel: 1184 und 1185. [3345] Provenienz: Um 1920 Privatsammlung, Deutschland / Ehemals Privatsammlung, Italien Die feierliche Liturgie hat – so die seit altchristlicher Zeit verbreitete Vorstellung – ihre Entsprechung in der im Himmel zelebrierten Meßfeier. Dabei hat Christus die Stelle als Hohepriester inne, die liturgische Funktion wird von den Engeln als Diener im himmlischen Hofstaat ausgeübt. In diesem Kontext sind unsere beiden Engelsskulpturen zu verstehen. Ihre einst weit ausschwingenden Flügel sind nicht mehr erhalten, doch sind die alten Zapflöcher auf der Rückseite zu erkennen. Meist als Pendants gearbeitet, bildeten solche Leuchterengel die seitliche Rahmung eines aufwendig gefertigten Altaraufbaues, in dessen Mitte Christus, Maria oder Heilige dargestellt waren. Auf die von ihnen getragenen Leuchter wurden die Kerzen für die Meßfeier gesteckt, die das Altarwerk beleuchteten und das Licht zur Zeremonie spendeten. Im nordalpinen Raum im Mittelalter oftmals noch als Staffagefigürchen ausgebildet, werden Leuchterengel in der italienischen Gotik und beginnenden Renaissance zunehmend zu eigenständigen Figuren formuliert, die durch ihre Haltung und Gestik das Altarthema auch szenisch begleiten. Mit ihrer zurückhaltenden Pose und den schlichten, eng an den zarten Körpern liegenden Gewändern knüpfen unsere Figuren zwar noch an gotische Vorbilder des frühen Quattrocento an. Ganz der Würde des sakralen Ereignisses entsprechend griff der Holzschnitzer absichtsvoll auf alte, tradierte Formen zurück. Gleichzeitig werden aber auch moderne Tendenzen insbesondere in den dekorativen Details verarbeitet: die achtseitigen Sockel sind mit einem vorzüglich geschnitzten Maßwerkmuster aus spitzen Dreipässen umzogen, dagegen zeigen die Leuchter mit den langen Blattzungen und dem umlaufenden Perlstab bereits Schmuckformen der Renaissance. Damit vertreten unsere Engel eine Richtung der italienischen Bildhauerkunst, die sich bewußt gegen die temperamentvollen Figuren eines Benedetto da Maiano mit ihren raumgreifenden Gewändern und großen Gesten wendet. Es sind hier die Werke der Scuola di Tolmezzo im Friaul zu nennen, allen voran die Altarwerke des Domenico da Tolmezzo, die alte Stilideale mit den neuen Formen zu dieser ganz eigenständigen Kunst vermischen. Nicht zuletzt weist eines seiner Hauptwerke, die imposante Altartafel aus Invillino im Diözesanmuseum von Udine, in seiner reichgeschnitzten Sockelzone derartig übereinstimmende Maßwerkformen zu den unseren auf, daß an einen engen Zusammenhang zu diesem Künstler zu denken ist. Wir danken für diesen Text Jenny Wischnewsky, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Potsdam. Wir danken für wichtige Hinweise Prof. Dr. Hartmut Krohm, Berlin. Domenico da Tolmezzo and workshop (Canale di Gorto 1448 – 1507 Udine) TWO ANGELS, CANDLE HOLDERS. Circa 1490 Poplar and limewood, painted. 81 x 49 x 26 cm (with base) ( 31 ⅞ x 19 ¼ x 10 ¼ in. (with base)). On the underside: "Zollabfertigungsstelle Niederla..." (in the centre the State Eagle of the Weimar Republic); Customs label (presumably circa 1910) / historical labels from a collection: 1184 and 1185 / Stamps: 1184 and 1185. [3345] Provenienz: Circa 1920 private collection, Germany / formerly private collection, Italy We would like to thank Prof. Dr. Hartmut Krohm, Berlin for the valuable information provided
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Sculptures et bronzes
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Catalogue
Orangerie. Objets Choisies
10719 Berlin - Allemagne
27/11/2014
Proposé par Grisebach
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