Lot 69
Edgar Degas (1834 – Paris – 1917)
Cavalier. 1866/73
Bleistift auf bräunlichem Papier, aufgelegt auf Papier. 31,7 × 24,5 cm ( 12 ½ × 9 ⅝ in.). Unten links mit dem Signaturstempel in Rot (Lugt 658).
[3413]
Provenienz: Albert S. Henreaux, Paris (bis 1953) / Otto Wertheimer, Paris (nach 1953) / Edwin C. Vogel, New York (ab 1960) / Emily A. und Paul Wingert, Montclair, New Jersey (1973–2016)
Ausstellung: New York, The Metropolitan Museum of Art, Sommer 1961 (als Leihgabe von Edwin C. Vogel, New York) / New York, The Metropolitan Museum of Art, Sommer 1968 (als Leihgabe von Edwin C. Vogel, New York)
Literatur und Abbildung: Auktion: Galerie Georges Petit, Paris, 4. Auktion, 2.-4. Juli 1919, Kat.-Nr. 260b / Auktion: Sotheby Parke Bernet, New York, 17. Oktober 1973, Kat.-Nr. 7 / Auktion 12070: Impressionist & Modern Art. Works on Paper. The Emily and Paul Wingert Collection. Christie's, New York, 13. Mai 2016, Kat.-Nr. 1090, Abbildung S. 15
Leicht nach vorn in Richtung des nur fein mit Bleistift angedeuteten Pferdekopfes geneigt, sammelt sich der Reiter vor der Jagd. Mit dem rechten Bein hält er sich fest im Sattel, sein Fuß steht im Steigbügel und bietet ihm auch dort den nötigen Halt, bevor sich das Pferd in Bewegung setzen wird. Die spitz aufgerichteten Ohren des Tieres, der erhobene Kopf, nur mit einem einzelnen zarten Bleistiftstrich skizziert, lassen seine Anspannung erahnen – es wartet auf das Zeichen, es wartet auf den Beginn der Jagd.
Diese hochformatige Studie ist im Kontext des einzigen Jagdbildes von Edgar Degas entstanden: Das Gemälde „Le Départ pour la chasse“ (Privatbesitz) wurde um 1866 begonnen, aber erst sieben Jahre später, um 1873, vollendet, nachdem der Künstler sich in England aufgehalten hatte. Die Reiter auf dem Gemälde tragen alle den klassischen roten Jagdrock mit Zylinder, die traditionelle Bekleidung der britischen „upper class“ bei der Fuchsjagd. Degas besuchte das englische Königreich in den Jahren 1872 und 1873, wo er eine Jagd beobachtet haben könnte und daraufhin die ursprüngliche Darstellung einer französischen Jagdszene zugunsten der eleganteren englischen Version des Themas austauschte.
Auch die hier präsentierte Studie zeigt das typische Jagdgewand eines englischen Reiters während der Fuchsjagd. Dabei ist die Ansicht des Hinterkopfes zeichnerisch am detailliertesten ausgeführt. Doch auch der Zylinder, das rechte Ohr und der Jagdrock mit den beiden Knöpfen, der sich über dem Sattel teilt, werden exakt wiedergegeben. Selbst der gespannte Stoff über dem breiten Rücken des Reiters, angedeutet durch die beiden Falten unter der Beugung des rechten Armes, unterstreichen die etwas schwerfällige, ungelenke Erscheinung des Dargestellten. Es ist ein Moment des „sich Sammelns“, der Moment, bevor zur Jagd geblasen wird und sich die Pferde gemeinsam in Bewegung setzen.
Degas hat sich mit dem Thema Pferd und Reiter in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Studien auseinandergesetzt. Es handelt sich dabei jedoch ausschließlich um Darstellungen von Pferderennen, von Jockeys oder auch von einzelnen elegant gekleideten Reitern, nicht aber um eine sich zur Jagd formierende Gruppe. Obschon der Künstler seine Staffelei niemals in der freien Natur oder „plein air“ platzierte, hat er zahlreiche Studien nach dem Leben angefertigt. Neben einer genauen Wiedergabe der Bekleidung sind es dabei in erster Linie die Bewegungsabläufe, die ihn interessierten und die zu immer neuen Versionen eines einmal gewählten Themas führten, seien es Jockeys im Freien oder die so bekannten Balletttänzerinnen auf der Bühne oder in der Garderobe.
Das Gemälde „Le Départ pour la chasse“ zeigt eine Ansammlung von Jägern in verschiedenen Posen und Haltungen auf ihren Pferden, nicht einmal eine Hundemeute lenkt dabei von deren Betrachtung ab. Genau dies, die exakt beobachtete Studie einer Pose, ist in unserer Skizze eines Cavaliers mit präzisem Bleistiftstrich erfasst.
Christina Feilchenfeldt, Berlin
Edgar Degas (1834 – Paris – 1917)
Cavalier. 1866/73
Pencil on brownish paper, laid down on paper. 31,7 × 24,5 cm ( 12 ½ × 9 ⅝ in.). Signature stamp in red, lower left (Lugt 658).
[3413]
Provenienz: Albert S. Henreaux, Paris (until 1953) / Otto Wertheimer, Paris (after 1953) / Edwin C. Vogel, New York (from 1960) / Emily A. And Paul Wingert, Montclair, New Jersey (1973–2016)
Ausstellung: New York, The Metropolitan Museum of Art, Summer 1961 (as loan from Edwin C. Vogel, New York) / New York, The Metropolitan Museum of Art, Summer 1968 (as loan from Edwin C. Vogel, New York)
Literatur und Abbildung: Auction: Galerie Georges Petit, Paris, 4th Auction, 2-4 July 1919, cat. no. 260b / auction: Sotheby Parke Bernet, New York, 17 October 1973, cat. no. 7 / auction 12070: Impressionist & modern Art. Works on Paper. The Emily and Paul Wingert Collection. Christie's, New York, 13 May 2016, cat. no. 1090, illustration p. 15
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