Lot 125
Eduard von Buchan (Naumburg 1800 – 1876 Dresden)
Wanderer in der Schlucht von Krokkleiva auf dem Weg nach Christiania (Oslo). 1833
Öl auf Leinwand. 76 × 61,5 cm ( 29 ⅞ × 24 ¼ in.). Unten rechts signiert [„EvB“ ligiert, das „E“ spiegelbildlich] und datiert: EvBuchan May 1833.
Fachmännisch restaurierter Einriss. [3479]
Literatur und Abbildung: Helmut Börsch-Supan: Das starre und das schwankende Bild der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts. In: Weltkunst, 70. Jg., H. 10, 15.9.2000, S. 1709–1711, hier S. 1711, Abb. 3
Es gibt Meisterwerke der Kunst, deren Schöpfer in keinem Künstlerlexikon steht. Ein solches Meisterwerk ist die hier vorgestellte norwegische Gebirgslandschaft von Eduard von Buchan. Sie ist seit 2000 bekannt (Katalog Bassenge Auktion 75, Nr. 5889). Eine patagonische Landschaft gleichen Formats war schon im Jahr davor bei Bassenge (Auktion 74, Nr. 5874) versteigert worden. In der kunsthistorischen Literatur taucht sein Name nur einmal auf, in den Dresdener Akademie-Ausstellungskatalogen, die Marianne Prause 1975 bearbeitet hat. 1831 hat der Maler zwei Gemälde gezeigt: „König Beles Grabhügel auf Balestrand in Norwegen, nach der Natur, in Oel gemalt von C. (sic) Buchan, Schüler des Professors Dahl“ (Nachtrag Nr. 38) und „Ein schlafender Hund, Oelgemälde von demselben“ (Nachtrag Nr. 39). Wir erfahren, dass er um 1831 in Norwegen gereist sein muss und Schüler des Norwegers Johan Christian Dahl war, der seit 1818 in Dresden lebte. Seit 1823 wohnte dieser im gleichen Haus An der Elbe 33 wie Caspar David Friedrich. 1819 weckte Dahl in Dresden ein Interesse an der Natur Norwegens und war bis zum Auftreten seines Landesmannes und Schülers Jacob Mathias Calmeyer 1830 der Einzige, der norwegische Landschaften ausstellte. Dann kam 1831 Buchan mit seinem Gemälde von König Beles Grabhügel und war damit von den zahlreichen Dahl-Schülern der erste, der Norwegen besuchte. Die allgemeine Norwegen-Begeisterung setzte erst in der Mitte der dreißiger Jahre ein.
Buchans Gemälde von 1833 trug zunächst den allgemeinen Titel „Norwegische Fjordlandschaft mit Wanderer“. Der dunkel gekleidete Herr mit Zylinder wirkt jedoch mehr wie ein Spaziergänger, und die Gegend lässt sich bestimmen. Es handelt sich um die „Kongens udsigt“ vom Krogklev, einem Berg etwa 35 Kilometer nordwestlich von Oslo. Der Baedeker rühmt den Blick: „Die Aussicht ist hier bei klarem Wetter prachtvoll sie umfaßt den Tyrifjord mit seinen Inseln, die Landschaft Ringerike, den Jonsnut bei Kongsberg, fern im W. den Gausta, n.w. das Norefjeld selbst Hallingskarvet im oberen Hallingdal ist zuweilen sichtbar.“
Als Erik Pauelsen 1788 dieselbe Ansicht im Auftrag des dänischen Königs zeichnete und dann als Ölgemälde ausführte, vermied er es, den steilen Abfall des von einem Bach begleiteten Weges zum Fjord hin in seiner ganzen Beschwerlichkeit wiederzugeben. Und auch Dahl, der am 29. September 1926 den Krogklev bestieg, die Schlucht zeichnete und danach ein Ölbild malte (Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl 1788–1857. Life and Works, Oslo 1987, II, Nr. 505), umging den Blick geradezu abwärts.
Vielleicht hat Dahl seinen Schüler auf das Motiv aufmerksam gemacht, der nun mit erstaunlicher Kühnheit die grandiose Aussicht in prägnanter, aber auch beängstigender Schilderung wiedergegeben hat. Man versetzt sich in die Situation des Wanderers, der sehr vorsichtig seine Schritte setzen muss und dabei Erhabenheit und Weite der Landschaft erlebt. Alle Einzelheiten, so auch die im Felsen Halt suchenden Bäume und die Kultivierung des Landes durch den Menschen, sind präzise registriert. Anders als der temperamentvoll und rasch skizzierende Dahl hat Buchan sorgsam alles Sichtbare gewürdigt bis hin zu dem abendlichen Sonnenlicht auf fernen Feldern, das auch die Felsen rechts streift. Die graue Wolkenschicht reißt auf und lässt links oben neben den Fichten ein Stück hellblauen Himmel sehen. So sehr das Bild als getreue Naturschilderung wirkt, es ist dennoch komponiert. Die Fülle der Erscheinungen ist in einer einfachen großen Form gebändigt. Damit erhält es eine Ehrfurcht gebietende Gültigkeit und steht insofern Friedrich näher als Dahl.
Warum Buchan so wenig gemalt und sich zuletzt als Kunsthändler betätigt hat, wissen wir nicht. Um 1800 in Naumburg geboren, starb er 1876 in Dresden.
Helmut Börsch-Supan
Eduard von Buchan (Naumburg 1800 – 1876 Dresden)
Walking Figure in the Ravine at Krokkleiva, on the way to Christiania (Oslo). 1833
Oil on canvas. 76 × 61,5 cm ( 29 ⅞ × 24 ¼ in.). Signed and dated lower right [„EvB“ joined, the „E“ laterally reversed]: EvBuchan May 1833.
Expertly repaired tear. [3479]
Literatur und Abbildung: Helmut Börsch-Supan: Das starre und das schwankende Bild der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts. In: Weltkunst, 70 vol. 10, 15.9.2000, p. 1709–1711, here p. 1711, ill. 3
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