Lot 106
Edward Hopper (Nyack, New York 1882 – 1967 New York) „STUDY OF FEET“. 1900 Bleistift auf Velin. 17,5 × 12,7 cm ( 6 ⅞ × 5 in.). Unten rechts datiert und signiert: 1900 E Hopper. Unten links mit Buntstift in Blau betitelt: STUDY OF FEET. Rückseitig mit zwei Etiketten der Kennedy Galleries, New York. [3408] Provenienz: Privatsammlung, USA / Kennedy Galleries, New York / Privatsammlung, Großbritannien / Emanuel von Baeyer, London (bis 2012) Schuhe in der Kunst, da springt flugs die Tragikschublade auf. Also abgenutzte Fußbekleidung als Verweis auf menschliche Unbehaustheit, wenn nicht gleich als Symbol für den ganzen steinig-schlammigen, ach so mühseligen Lebensweg, wie in Heideggers legendär danebengegangener Bilddeutung eines Schuhpaars von Vincent van Gogh im Amsterdamer Van Gogh Museum. Diese zwei hingegen wirken noch leidlich frisch, jedenfalls untraumatisiert. Was uns bei ihrem Schöpfer nicht erstaunen darf: Edward Hopper, gebürtig aus der Kleinstadt Nyack im Hudson Valley, war ein großer, ruhiger Bursche, ein amerikanischer Samurai, dem man mit altbackenen Allegorien gar nicht erst zu kommen brauchte. Dem jungen Hopper reichten die Fakten, thank you very much. Entstanden ist das Blatt entweder vor dem Spiegel oder beim „Zeichnen vor Modell“ an der New York School of Art (dem heutigen Parsons), wo Hopper von 1900 bis 1906 das Handwerk der Kunst erlernte. Was also bannte der 18-Jährige, der zu Amerikas größtem gegenständlichen Maler reifen sollte, da aufs Papier? Einen Blattschnitt-Schnürstiefel, typisch für die damalige Herrenmode, und darunter einen sehr ähnlich geformten Schuh, der wohl ebenfalls als boot angelegt war und mit ein paar entschlossenen Strichen zum Derby-Halbschuh modifiziert wurde. Wir sehen: nimmermüde Präzision, gepaart mit sensueller Empathie und – man beachte die schwungvoll aus dem Handgelenk gesetzten Konturschraffuren – einer unbändigen Freude daran, Wirklichkeit zu inszenieren. Also genau das, was aus dem Studenten Hopper erst einen gut beschäftigten Illustrator machte und danach den Alfred Hitchcock der Malerei, dessen filmisch ausgeleuchtete Hausfassaden, Hotelzimmer, Büros und Restaurants sich dank Suspense tief in der Psyche festhaken. Was es mit dem blauen „STUDY OF FEET“ am unteren Rand auf sich hat? In ihrer gespielten Unbeholfenheit gleichen dessen Buchstaben verdächtig jenen in den Cartoon-Botschaften, mit denen Hopper seine Frau und Muse Jo Nivison zu necken pflegte. Gut möglich, dass er das Blatt Jahrzehnte später nochmals zur Hand nahm und derart beschriftet hat. Also ein Doppel-Hopper. Margit J. Mayer, Berlin Edward Hopper (Nyack, New York 1882 – 1967 New York) „STUDY OF FEET“. 1900 Pencil on wove paper. 17,5 × 12,7 cm ( 6 ⅞ × 5 in.). Dated and signed lower right: 1900 E Hopper. Titled lower left with coloured pencil in blue: STUDY OF FEET. Two labels of the Kennedy Galleries, New York on the reverse. [3408] Provenienz: Private Collection, USA / Kennedy Galleries, New York / Private Collection, United Kingdom / Emanuel von Baeyer, London (until 2012)
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Dessins, aquarelles et pastels
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25/10/2018
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