Lot 22
Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll)
Dahlien, Sonnenhut und Margeriten.
Aquarell auf Japan. 34,7 × 46,8 cm ( 13 ⅝ × 18 ⅜ in.). Unten links mit Feder in Schwarz signiert: Nolde.
Vereinzelt kleine Stockflecken. [3247]
Provenienz: Margarete Clausen, Halle (in den 1930er Jahren erworben, seitdem in Familienbesitz)
Relativ spät – erst um 1916/18 – tauchen in Emil Noldes Aquarellmalerei die ersten Blumenbilder auf. Dies mag verwundern, waren es doch gerade die farbintensiven Blumengärten, die ihn auf der Ostseeinsel Alsen ab 1907 zum expressionistischen Malstil führten und zu Gemälden inspirierten, die ihn in der Kunstwelt bekannt machten, ihm später aber auch das unliebsame Etikett eines „Blumenmalers“ einbrachten, weshalb er zeitweise sogar alle floralen Motive aus seiner Kunst radikal verbannte. Die Aquarelltechnik schien dem Maler als besonders geeignetes Mittel, die Farbenpracht der Blüten in all ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen im Bild festzuhalten. Hier konnten sich die intensiven Farben auf dem angefeuchteten Japanpapier im freien Verlauf entfalten und so dem Zufall zu seinem Recht verhelfen, dem in Noldes Kunst immer ein wichtiger Stellenwert zukam. Sein Wunsch sei es, so Nolde, „daß die Farben […] sich so folgerichtig auswirkten, wie die Natur selbst ihre Gebilde schafft, wie Erz und Kristallisierungen sich bilden, wie Moos und Algen wachsen, wie unter den Strahlen der Sonne die Blume sich entfaltet und blühen muß“ (Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, S. 107).
Unser Aquarell ist die bildliche Einlösung dieses hohen Anspruchs. Die bereits leuchtenden Farben der Blüten gewinnen vor dem diffus-grauen Fond noch zusätzlich an Strahlkraft. Die Blütenstempel erzeugen reizvolle Kontraste, während der zwischen Hell- und Dunkelblau changierende Hintergrund gemeinsam mit dem Grün der Stengel das Blatt perfekt ausbalanciert. Von größter Finesse ist ebenso die Gestaltung der weißen Blütenblätter in der rechten Bildhälfte, die allein aus dem Weiß des unbemalten Papiergrundes entstehen. Bei aller scheinbaren Leichtigkeit dieser Malerei ist eine vollendete Meisterschaft im Umgang mit Pinsel, Aquarellfarben und Wasser deren unabdingbare Grundlage. AF
Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll)
Dahlien, Sonnenhut und Margeriten.
Watercolour on Japan paper. 34,7 × 46,8 cm ( 13 ⅝ × 18 ⅜ in.). Signed in pen and black ink lower left: Nolde.
Isolated minor foxing. [3247]
Provenienz: Margarete Clausen, Halle (acquired in the 1930s, thence by descent to the present owner)
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Dessins, aquarelles et pastels
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