Lot 18
Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll) Frauenkopf. Aquarell und Tuschpinsel auf Papier. 48,2 × 34,3 cm ( 19 × 13 ½ in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. Auf der Rückpappe ein Etikett zur Ausstellung New York, 1958 (s.u.). Vereinzelte Stockflecken, zwei schwache Bereibungspuren.– [3472] Provenienz: Kleemann Galleries, New York / Marjorie Webster Williams Collection (erworben 1979 bei Fischer Fine Art Ltd., London) / Privatsammlung, USA / Privatsammlung, Norddeutschland Ausstellung: Emil Nolde, Watercolors. New York, Kleemann Galleries, 1958, Kat.-Nr. 21 In Noldes Bildnismalerei war die Erkennbarkeit des Modells selten das vorrangig angestrebte Ziel. Im Gegenteil, fotografische Präzision erschien ihm in der modernen Kunst seiner Zeit eher unangebracht, da rückwärtsgewandt und durch überholte Bildtraditionen vorbelastet. Entsprechend konstatiert er in seinen Lebenserinnerungen: „Es ist dies die Ecke, an welcher so manche Kunstbetrachtung scheitert. Mechanische Aufnahmen stehen in gar keiner Berührung mit künstlerischer Gestaltung.“ (Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, S. 146). Unser Aquarell mit der Darstellung einer jungen Frau verdeutlicht, worauf es dem Farbenmaler Nolde in seinen Portraits tatsächlich ankam. Das Blatt ist auf dem dominanten Farbakkord Blau – Rotviolett aufgebaut, wobei eine schwarze Konturlinie beide Zonen scharf voneinander trennt. Differenzierungen sind weder im violetten Gewand des Mädchens noch im diffusen blauen Hintergrund auszumachen, so daß diese Farbflächen durchaus abstrakte Qualitäten besitzen. Aus diesem Grundkonzept entwickelt sich dann der Kopf des Mädchens, ihr grob mit Tuschpinsel gemaltes helles Gesicht, der senkrecht herabfallende Haarzopf, welcher mit einer am Hinterkopf verschatteten Stoffhaube verschmilzt. Farbliche Akzente setzen an erster Stelle die grünen Knöpfe des Gewandes. Aber auch das Blauviolett, das die markanten Gesichtszüge mit den scharfen Wangenknochen und der spitzen Nase modelliert, geht mit dem Rotorange der Lippen und der Haare eine kontrastreiche Verbindung ein, schafft zudem Räumlichkeit und verleiht dem Kopf seine Plastizität. Noldes Modell wird eine Verwandte oder vielleicht auch nur ein Mädchen aus der Nachbarschaft gewesen sein. Doch war sie nur der Anlaß für ein kunstvolles Spiel mit Farben. Er suche in seiner Malerei, so schrieb Nolde einmal, „die Lage von Gesangsstimmen in Farben zu geben: Dunkellila, Rostrot, Feuerrot und Graublau waren solche Stimmen. – Das Empfinden bei Tönen, seien es Freude, Jubel, Trauer, Tragik, Traum oder andere seelische Regungen, läßt sich in Farben geben; ja, jedes Bild durch den Wert und Klang seiner Farben kann eine seelische Erregung entfachen bei jedem Menschen, der farbenempfindlich ist.“ (Emil Nolde: Reisen, Ächtung, Befreiung. Köln 1988, S. 25) AF Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll) Frauenkopf. Watercolour and brush and India ink on paper. 48,2 × 34,3 cm ( 19 × 13 ½ in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde. On the cardboard backing a label of the exhibition New York, 1958 (see below). Isolated foxing, two faint scuff marks.– [3472] Provenienz: Kleemann Galleries, New York / Marjorie Webster Williams Collection (acquired 1979 at Fischer Fine Art Ltd., London) / private collection, USA / private collection, northern Germany Ausstellung: Emil Nolde, Watercolors. New York, Kleemann Galleries, 1958, cat. no. 21
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0