Lot 542
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
Bildnis Jolanthe Nolde (Halbprofil nach links).
Aquarell auf Japanbütten. 46,2 × 35,3 cm ( 18 ¼ × 13 ⅞ in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde.
[3170]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Literatur und Abbildung: Christian Ring, Nolde Stiftung Seebüll (Hg.): Emil Noldes späte Liebe. Das Vermächtnis an seine Frau Jolanthe. Köln, DuMont, 2013 (anlässlich der Ausstellung der Dependance Berlin der Nolde-Stiftung Seebüll, 2013/14), hier 2. Aufl. 2014, Kat.-Nr. 29, Abb. S. 74 und S. 109
Vierundvierzig Jahre waren Emil Nolde und Ada Vilstrup verheiratet. Nach Adas Tod im November 1946 ging der Künstler noch einmal eine Ehe ein. Seit den frühen Zwanzigerjahren war Nolde mit dem Pianisten Eduard Erdmann und seiner Frau Irene befreundet gewesen. Bei einem Schubert-Abend, den Erdmann im privaten Kreis in Satrup gab, verliebte er sich in Jolanthe, die älteste Tochter der Erdmanns. „Sie erwiderte seine Zuneigung, und trotz aller elterlicher Bedenken heirateten sie 1948 und lebten bis zu Noldes Tod in Seebüll“ (Volker Scherliess: Erdmann und Nolde. Nolde Stiftung Seebüll, 2009, S. 9). Seinem engsten Freund Hans Fehr gegenüber erklärte der Maler später den Grund für die Heirat mit der 27-Jährigen: „Es wäre unmöglich gewesen, sie bei mir im Hause zu behalten, ohne sich mit ihr zu vermählen. Die Bauernschaft ringsum hätte so etwas nie begreifen können. Jolanthe wäre der Verachtung preisgegeben worden“ (Hans Fehr: Emil Nolde. Köln 1957, S.162). Diese tief greifende Veränderung in seinem Leben inspirierte Nolde enorm. Bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1956 entstanden über dreißig Aquarelle mit Porträts seiner jungen Ehefrau. Die meisten befinden sich noch heute in der Sammlung der Nolde Stiftung, da sie nicht zum Verkauf bestimmt waren. Unser Aquarell zeigt Jolanthe Nolde in entspannter Pose, den Kopf nach rechts gedreht. Ihre markanten dunklen Augenbrauen stehen in kräftigem Kontrast zur sehr hellen Farbe ihres Gesichts. Das Gleiche gilt für das weiße Kleid und ihr Halstuch, dessen intensives Rot sich auch in ihren Lippen wiederfindet. Geschickt nutzt Nolde den diffusen Hintergrund für weitere Farbenspiele: Der gelbe Hintergrund hebt Jolanthes braunes Haar hervor und betont auch die hellviolette Schattenzone links neben ihr. Der schwarze Haarschmuck erinnert an die Frauenbildnisse, die Nolde auf seiner Spanienreise 1921 in Granada malte. Im Ganzen zeigt dieses anmutige Porträt in seiner frischen, heiteren Farbigkeit Noldes große Zuneigung zu seiner jungen Frau, die ihm neuen Lebensmut schenkte und ihn in seiner letzten Schaffensphase noch einmal zu höchster Meisterschaft anregte. AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
Bildnis Jolanthe Nolde (Halbprofil nach links).
Watercolour on Japan laid paper. 46,2 × 35,3 cm ( 18 ¼ × 13 ⅞ in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde.
[3170]
Provenienz: Private Collection, northern Germany
Literatur und Abbildung: Christian Ring, Nolde Stiftung Seebüll (ed.): Emil Noldes späte Liebe. Das Vermächtnis an seine Frau Jolanthe. Köln, DuMont, 2013 (on occasion of the Exhibition of the Berlin branch of the Nolde-Stiftung Seebüll, 2013/14), here 2nd Edition 2014, cat. no. 29, illustration p. 74 and p. 109
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