Lot 7
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Probst Vilstrup und Frau N.“. 1902
Öl auf Leinwand. 84 × 65 cm ( 33 ⅛ × 25 ⅝ in.). Oben rechts monogrammiert, bezeichnet und datiert: H N Borris • 1902.
Urban 103.–
Craquelé, Retuschen. [3474]
Provenienz: Probst Henrik Vilstrup, Borris (Dänemark) / Bølling Vilstrup, Kopenhagen / Ada Vilstrup-Christensen, Kopenhagen / Privatsammlung, Norddeutschland
Literatur und Abbildung: Auktion 231: Moderne Kunst. Hamburg, Hauswedell & Nolte, 8./9.6.1979, Kat.-Nr. 998, Farbabb. S. 333
Das Jahr, in dem Emil Nolde dieses Bild malte, markiert einen Wendepunkt in seinem Leben: Im Februar 1902 heiratete er die dänische Pastorentochter Ada Vilstrup, die er ein Jahr zuvor in Kopenhagen kennengelernt hatte. Mit ihr endeten die Jahre der zermürbenden Einsamkeit, des Selbstzweifels und der Orientierungslosigkeit. Ada begleitete Emil bis zu ihrem Tod im Jahre 1946 auf seinem Lebensweg, war ihm Geliebte, Muse und Beraterin in einer Person. Sie war es auch, die dem scheuen Maler bei gesellschaftlichen Anlässen eine eloquente Begleitung war, die für ihn sprach und die geschäftlichen Verhandlungen führte. Mit der Heirat ging eine weitere wichtige Änderung in seinem Leben einher, er wechselte seinen Familiennamen: „Träger des Namens Hansen waren gar zu viele. […] Hansen war bisher – in der ersten, vorbereitenden Hälfte des Lebens – mein Name gewesen, der zweite, künstlerische Teil jetzt begann frisch und freimütig mit dem ‚behördlich bewilligten‘ Namen: Emil Nolde“ (Emil Nolde: Das eigene Leben. Köln 1988, S. 247).
Das junge Paar versuchte zunächst, in Berlin Fuß zu fassen, doch war ihr Atelier dort auf Dauer zu teuer. So kehrten beide bereits im Sommer 1902 wieder zurück in die Heimat, wo Nolde seine „schöne liebe Angetraute“ der Familie vorstellte. In Westjütland besuchten sie in der Ortschaft Borris auch die Angehörigen seiner Frau. „Meine Ada entstammte als jüngste Tochter von zwölf Geschwistern einem alten Pastorengeschlecht [...] Wir genossen die seltsame Schönheit und das ländlich gesunde Naturleben, wie es in den Pfarrhöfen sich gibt, verbunden mit temperierten Werten städtischer Kultur, Musik, Kunst und Wissen“ (Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, 5. Auflage, S. 14). Bei diesem Besuch entstand unser Doppelporträt, welches Ada Nolde neben ihrem Onkel, dem Probst Henrik Stompe Vilstrup, zeigt. Während der grauhaarige Mann im Sonntagsstaat würdevoll, aufrecht und etwas steif dem Betrachter entgegentritt, schmiegt sich die 23-jährige Ada an seine Schulter. Dies gibt dem Gemälde ein überraschendes Moment inniger Vertrautheit und Zuneigung. Ada ist es auch vorbehalten, mit ihrem Kleid in Blau und Türkis dem dunklen Anzug ihres Onkels etwas Farbe entgegenzusetzen. Der diffuse grünliche Hintergrund stellt keine räumlichen Bezüge her, sondern entrückt die Szene dem Hier und Jetzt. Hinter den Köpfen des Paares ist er aufgehellt, um die Physiognomien der Dargestellten stärker zu betonen. Noldes Interesse an ausdrucksstarken Gesichtern und gegensätzlichen Paaren ist bereits in diesem frühen, eher privaten Doppelbildnis deutlich erkennbar. Dem unnahbar und distanziert erscheinenden Kirchenmann stellt er das liebevolle, offenherzige und mitfühlende Wesen seiner jungen Ehefrau gegenüber – und lässt dabei keinen Zweifel, wem er mehr zugeneigt ist. AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Probst Vilstrup und Frau N.“. 1902
Oil on canvas. 84 × 65 cm ( 33 ⅛ × 25 ⅝ in.). Monogrammed upper right, there too inscribed and dated: H N Borris • 1902.
Urban 103.–
Craquelure, retouchings. [3474]
Provenienz: Probst Henrik Vilstrup, Borris (Denmark) / Bølling Vilstrup, Copenhagen / Ada Vilstrup-Christensen, Copenhagen / Private collection, Northern Germany
Literatur und Abbildung: Auction 231: Moderne Kunst. Hamburg, Hauswedell & Nolte, 8./9.6.1979, cat. no. 998, colour ill. p. 333
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