Lot 16
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) „Rußender Dampfer“ (Hamburger Hafen). 1910 Aquarell und Tuschpinsel auf Japanbütten. 24,3 × 18,8 cm ( 9 ⅝ × 7 ⅜ in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 23. März 2015.– Leichte Randmängel, leicht stockfleckig. [3472] Provenienz: Ehemals Theodor Werner, München Emil Noldes erste Tuschpinselzeichnungen entstanden im Sommer 1909 in dem kleinen Dorf Ruttebüll, heute ein Grenzort zwischen Dänemark und Deutschland. Es handelte sich dabei um überraschend großformatige Blätter mit Darstellungen der heimatlichen Landschaft, ihrer Bewohner, deren flacher Bauernkaten und des Viehs auf den Weiden. Sie entsprangen dem Willen des Künstlers nach Reduktion und Fokussierung: „Wenn aus aller Vielfältigkeit mir in konzentrierter Einfachheit einiges zu gestalten gelang, dann war ich glücklich.“ (Zit. nach: Emil Nolde. Jahre der Kämpfe. Köln 1985, 5. Auflage, S. 120) Aber es drängte den Maler nach mehr, und so nahm er im Februar 1910 für einen dreiwöchigen Aufenthalt in Hamburg nicht nur Ölfarben und Radiernadel mit, sondern auch Tusche und breite Pinsel. Diesmal waren es der Lärm und die Betriebsamkeit des Hamburger Hafens, die ihn künstlerisch herausforderten. Nolde erinnert sich an seine Unterkunft direkt am Elbufer: „Mein Zimmer lag über einer Durchfahrt, mit Wagengetöse, und kalt war es. Tag und Nacht lärmten und tuteten die Autos auf der Straße, die Schiffe und Pinassen, das alles vor meinen Fenstern lag.“ (Ebda., S. 110) Begeistert sog er die Atmosphäre auf und versuchte, sie in Bildern festzuhalten: „Mit den Pinassen voll Menschen ging ich fahrend, arbeitend, bei dem Getriebe auf den Landungsbrücken saß ich, immer arbeitend. […] Es war ein Untertauchen des ganzen Menschen in Arbeit und Spannung“ (ebda). Noldes Hamburg-Blätter sollten ein Meilenstein und erster Höhepunkt in seinem zeichnerischen Werk werden. Die Bewegung und das Tosen des rauen, oft auch archaischen Geschehens im Hafen fing er in einer kürzelhaften Bildsprache treffend ein. Das Aquarell „Rußender Dampfer“ beweist die Meisterschaft, die Nolde schon in jungen Jahren in dieser Technik erworben hatte. Schwer wie schwarze Balken liegen die Schleppkähne und Dampfschiffe im Wasser. Ihre rußigen Rauchfahnen verbinden sie miteinander, verdunkeln aber auch das rechte obere Bildviertel. Die untere Hälfte hingegen ist nur spärlich bemalt. Das Weiß des Papiers bringt Hellig-keit in die Darstellung, als spiegele sich dort der Himmel auf dem Wasser. Pechschwarze, spärlich gesetzte Pinselstriche deuten Wellen an. Bemerkenswert an unserem Blatt ist der Einsatz von Farbe, da diese in Noldes Zeichnungen vom Hamburger Hafen sonst kaum Verwendung findet. Doch hier schien sie dem Künstler wichtig, um dem kleinformatigen Bild räumliche Tiefe zu verleihen. Es ist sicher kein Zufall, dass es sich um die drei Grundfarben Blau, Rot und Gelb handelt - sind sie es doch, die ihn auf seinem Weg als Maler des Expressionismus leiten und begleiten werden. AF Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) „Rußender Dampfer“ (Hamburger Hafen). 1910 Watercolour and brush and India ink on Japan laid paper. 24,3 × 18,8 cm ( 9 ⅝ × 7 ⅜ in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde. With a photo certificate by Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 23 March 2015.– Minor margin imperfections, slight foxing. [3472] Provenienz: Formerly Theodor Werner, Munich
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Dessins, aquarelles et pastels
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Oeuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2017
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0