Lot 12
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„TULPEN (ROT UND VIOLETT) IN EINER BLAUEN VASE“. Um 1930
Aquarell auf Japan. 33,7 x 47 cm ( 13 ¼ x 18 ½ in.). Unten rechts mit Feder und dunkler Tinte signiert: Nolde.
Mit einer Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 20. April 2015.–
[3033]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Blume und Stilleben. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1985/86, Kat.-Nr. 89, Farbabb. (Faltblatt)
Literatur und Abbildung: Auktion 254. Hamburg, Hauswedell & Nolte, 8./9. Juni 1984, Nr. 1217a, Farbabb. Tf. 19
In diesem Tulpenaquarell spielt Emil Nolde seine ganze Könnerschaft aus – er läßt die Farben verlaufen, so daß sie organisch werden, aber in ihrer nahezu abstrakten inneren Struktur weisen die Blüten zugleich weit über ein bloßes Abbild hinaus. Vor allem aber gelingt es Nolde hier durch seine Komposition, also den Blick von halb oben auf die Vase und die Anschnitte rechts und links, den Strauß zu einer energiegeladenen Ballung von Rot, Blau und Lilatönen zu verdichten. Unterstützt wird die innere Tektonik der Komposition vor allem durch die beiden gut sichtbaren Stiele der Tulpen in der linken Bildhälfte, die sich biegen wie die Kiele eines aufgespannten Regenschirms. Die dünnen Stengel scheinen die opulente Blütenpracht kaum tragen zu können und neigen sich unter deren Last zu Boden. So kommt es, daß sich das komplementäre Blattgrün des Straußes erst im oberen Bilddrittel entfaltet. Gemeinsam bilden sie ein kühles, vertikales Gegengewicht zu dem sattfarbigen Oval der Blüten. Dieses kompositorische Grundmotiv greift auch die farblich dezente Gestaltung des Hintergrundes auf. Ein zartes Gelb bereichert die Farbpalette am rechten Bildrand in Form von Astern oder Orchideenblüten.
Die Tulpe ist in Noldes Blumenmalerei die Blume, die am häufigsten auftaucht. Fotografien aus dem Hause Nolde und der Berliner Atelierwohnung belegen die hohe Wertschätzung des Malers für die Tulpe in all ihren unterschiedlichen Varianten, solange deren Blüte einfarbig ist. Mehrfarbige Züchtungen wurden gemieden. Ihre Wiedergabe im Aquarell hätte eine kleinteiligere Malweise erfordert und widersetzte sich der von Nolde bevorzugten großflächigen Malweise in der für ihn so typischen Naß-in-Naß-Technik. In unserem Aquarell reihen sich die schweren, fast kreisrunden Tulpenblüten wie in einer innerlich leuchtenden, rot-violetten Farbgirlande aneinander. (AF)
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„TULPEN (ROT UND VIOLETT) IN EINER BLAUEN VASE“. Circa 1930
Watercolour on Japan paper. 33,7 x 47 cm ( 13 ¼ x 18 ½ in.). Signed lower right in pen and darker ink: Nolde.
Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 20 April 2015.–
[3033]
Provenienz: Private collection, northern Germany
Ausstellung: Blume und Stilleben. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1985/86, cat. no. 89, colour ill. (folding page)
Literatur und Abbildung: Auktion 254. Hamburg, Hauswedell & Nolte, 8/9 June 1984, no. 1217a, colour ill. pl. 19
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