Lot 68
Erich Wegner
1899 Gnoien - 1980 Hannover - "Klaus am Fenster" - Öl/Lwd. 89 x 62 cm. Sign. r. u.: Wegner. Originaler Künstlerrahmen. - Provenienz: Im Besitz der Familie des Künstlers. - Lit.: "Der stärkste Ausdruck unserer Tage". Neue Sachlichkeit in Hannover. Sprengel Museum Hannover. Hannover 2001, Nr. 290 (Abb. S. 143). Teschemacher, A. F. Erich Wegner. Braunschweig 1983, S. 29 (mit Abb). - Ausstellung: "Der stärkste Ausdruck unserer Tage". Neue Sachlichkeit in Hannover. 9.12.2001 - 10.3.2002. Sprengel Museum Hannover. Das Gemälde "Klaus am Fenster« ist ein Hauptwerk Erich Wegners aus der Epoche der Neuen Sachlichkeit von musealer Qualität. Entstanden im Jahr 1929, zeigt es den Sohn des Künstlers beim Spiel mit Seifenblasen am Fenster in einem für die Malerei der Neuen Sachlichkeit typisch zurückhaltenden Ausdruck. Die Arbeit war zuletzt 2001 in der Ausstellung - "Der stärkste Ausdruck unserer Tage« Neue Sachlichkeit in Hannover - im Sprengel-Museum Hannover ausgestellt. Erich WegnerDer Maler Erich Wegner kam 1899 in Gnoien zur Welt und wuchs in Rostock auf. Hier entstand früh sein Wunsch zur See zu fahren. Ein Gedanke der - nicht in die Tat umgesetzt - ihn Zeit seines Lebens begleitete, mal als Sehnsucht, in schweren Zeiten vielleicht als Fluchtpunkt, möglicherweise als Utopie, die er künstlerisch immer wieder aufgriff und in seinen Hafenbildern verarbeiten konnte.Auch Wegners künstlerische Ursprünge liegen in Rostock. Bereits in jugendlichem Alter zog er mit dem Zeichenblock durch die Stadt.Später, zwischen 1921 und 1925, "tippelte" er durch Deutschland und fand hier auf den Straßen die Themen eines Teils seiner Bilder: die existentielle Härte des Lebens, Arbeitslosigkeit, gesellschaftliche Verrohung durch Armut und nicht verarbeitete traumatische Erlebnisse des Ersten Weltkrieges. Die "Mordbilder" fallen in diesen Zeitraum. Hannover, wo er seit 1919 Schüler an der Kunstgewerbeschule war, diente in dieser Zeit immer wieder als Rückzugsort für den Künstler.Die Welt des Theaters - in den Jahren 1917 und 1918 arbeitete Wegner als Volontär des Stadttheaters in Rostock - und die des Zirkus - eine ganze Zeit lang reiste er in den frühen 1920er Jahren mit einem Zirkus umher - sind weitere wichtige Einflüsse für die künstlerische und bildthematische Entwicklung des Künstlers. Das Gemälde der "Artisten" (Los 0071) zeigt dies anschaulich. Im Jahr 1925 heiratete er Katharina Engel. Künstlerisch entwickelt er sich zu diesem Zeitpunkt immer mehr weg von einer expressionistischen Ausdrucksweise, hin zu einer letztlich für die Neue Sachlichkeit typischen Malweise, die sich durch einen klaren Pinselstrich und eine Strenge im Bildaufbau auszeichnet.
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