Lot 611
Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) „KOPF LUDWIG SCHAMES“. 1918 Holzschnitt auf Blotting-Papier (Wasserzeichen: ASOKA REGISTERED). 56,8 x 27 cm (57,1 x 43,7 cm) ( 22 ⅜ x 10 ⅝ in. (22 ½ x 17 ¼ in.)). Signiert (verblaßt). Einer von 120 oder 150 Abzügen für die Vereinigung für Neue Kunst, Frankfurt a. Main. Etwas gebräunt. [3527] Provenienz: Privatsammlung, Berlin Der gelernte Bankkaufmann Ludwig Schames (1852-1922) war der wichtigste Kunsthändler für Ernst Ludwig Kirchner. Er gründete mit seinem Geschäftspartner Wilhelm S. Posen 1895 eine Kunsthandlung in Frankfurt am Main, die er ab 1906 alleine als „Kunstsalon Ludwig Schames“ weiterführte, dann mit deutlichem Schwerpunkt auf der Vermittlung expressionistischer Kunst. Kirchner hat ihm mit seinem Portraitholzschnitt ein würdiges Denkmal gesetzt. Der imposante Kopf wacht wie ein guter Geist über den Expressionismus, der in Gestalt eines Aktes neben bzw. hinter der linken Gesichtshälfte auch im Bild anwesend ist. Daß Schames, von seinem Alter her ein Mensch des 19. Jahrhunderts, sich so vorbehaltlos für die moderne Kunst stark machte, hat ihm nicht nur Kirchners Verehrung eingetragen. Als er im Juli 1922 starb, schrieb Kirchner in einem Brief an dessen Tochter Martha Marx: „Glauben Sie mir, mir ist als hätte ich einen Vater verloren, einen Vater und Freund. Seine so selbstlose feine Art machte sonst unangenehme Dinge schön. In der ganzen Zeit unseres Zusammenarbeitens kam nicht ein einziges Mißverständnis vor. Ich habe ihn nur wenig gesehen, aber sein Bild stand und steht so lebendig in mir, daß ich das Gefühl hatte, mich mit ihm zu unterhalten, wenn ich an ihn schrieb. Ich bin ihm vielen Dank schuldig. [...] Ich freue mich sehr, daß der Holzschnitt auch Ihnen etwas giebt. Es ist die schönste Aufgabe meiner Arbeit, die Seele des Menschen zu zeigen, soweit das mit den primitiven Mitteln möglich ist. Dieser Schnitt nach Ludwig Schames kam wie von selbst, ohne mein Zutun zustande. Ich habe nie einen edleren und feineren Menschen getroffen und es ist schwer, heute doppelt, einen solchen zu verlieren.“ (Aus einem Brief vom 19. Juli 1922; zit. nach: Lothar Grisebach (Hg.): E.L. Kirchners Davoser Tagebuch. Köln, Verlag M. DuMont Schauberg, 1968, S. 197) (MS) Wir danken Prof. Dr. Günther Gercken, Lütjensee, für freundliche Hinweise. Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) „KOPF LUDWIG SCHAMES“. 1918 Woodcut on blotting paper (watermark: ASOKA REGISTERED). 56,8 x 27 cm (57,1 x 43,7 cm) ( 22 ⅜ x 10 ⅝ in. (22 ½ x 17 ¼ in.)). Signed (faded). One of 120 or 150 prints for the Vereinigung für Neue Kunst, Frankfurt a. Main. Slight time staining. [3527] Provenienz: Private collection, Berlin We would like to thank Prof. Dr. Günther Gercken, Lütjensee, for kindly providing additional information.
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Estampes et Multiples
10719 Berlin - Allemagne
05/06/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0