Lot 166
Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) Sich anbietende Kokotten. 1914 Bleistift auf Papier (aus einem Skizzenbuch). 20,5 × 16,6 cm ( 8 ⅛ × 6 ½ in.). Nicht bei Presler.– Vorzeichnung zur Radierung Dube R 182. [3409] Provenienz: Lise Gujer, Davos / Galerie Nierendorf, Berlin (1971 erworben) Ausstellung: Künstler der Brücke in Berlin 1908-1914. Berlin, Brücke-Museum, 1972, Kat.-Nr. 24 / Berliner Leben - Bilder aus drei Generationen. Ausstellung im Rahmen der 15. Berliner Theaterwoche. Bonn, Godesburg, 1977, Nr. 26 / E.L. Kirchner. Zeichnungen - Pastelle - Graphiken. Museum der Stadt Aschaffenburg, Staatliche Kunsthalle Karls-ruhe, Essen, Museum Folkwang, und Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1980/81, Tafel VI, Kat.-Nr. 63, S. 382, Abbildung S. 383 Gegen Jahresende 1911 packte Ernst Ludwig Kirchner seine Mal- und Zeichenutensilien zusammen, verließ Dresden, seine Geliebte, sein Atelier in der Berliner Straße 80 und zog – nach Berlin. Ein bitterer Schritt, aber unumgehbar. In der Stadt an der Elbe gab es keine Käufer für seine Bilder, kein Klima, in dem ein aufstrebendes Talent Nahrung, Zuspruch und Anerkennung ernten konnte. Das sei in Berlin anders, hatte ihm Max Pechstein berichtet. Ein Ruf, ein Signal. Und so tauchte Kirchner ein in den Lärm, das Dröhnen und Hämmern der Dampfzüge, Busse und Straßenbahnen, versank in der rund um die Uhr niemals endenden Geschäftigkeit einer Hauptstadt, einer Metropole. Im Gehen füllten sich nun die Blätter seines Skizzenbuches, konzentrierten das flüchtige Miteinander, die hastigen Begegnungen voller Unverbindlichkeit und das aufreizende Gegeneinander der steten-unsteten Bewegungen. Harte, spitze Formen umkreisen jene Szene, in der Kokotten am „Potsdamer Platz, Berlin“ ihre Dienste anbieten, Droschken durch die Straßen eilen, Häuser den Horizont verstellen. Das hektische Erlebnis der Großstadt führt Kirchners zeichnende Hand. Für ihren jagenden Rhythmus findet er unvergleichliche Zeichen, bezeugt, geradezu beschworen auf dem schmalen Geviert eines Skizzenbuchblattes mit Rotschnitt und abgerundeten Ecken. Die Situation: Eine Kokotte „spricht“ Kunden „an“. Kirchner fasst diesen Augenblick in der linken größeren Hälfte des Blattes. Aber was geschieht im rechten Teil? Karlheinz Gabler vermutet eine „summarische Autodroschke“, andere gehen von der Spiegelung der Szene in einem Schaufenster aus. Unwichtig. Kirchner „comprimiert“, so er selbst, Großstadt zu einem wirbelnden Geschehen, reißt die Wirklichkeit aus Lärm und Anonymität bis an den Rand der Abstraktion. Einzigartig. Gerd Presler, Weingarten Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) Sich anbietende Kokotten. 1914 Pencil on paper (from a sketchbook). 20,5 × 16,6 cm ( 8 ⅛ × 6 ½ in.). Not in the catalogue raisonné by Presler.– Preliminary drawing for the etching Dube R 182. [3409] Provenienz: Lise Gujer, Davos / Galerie Nierendorf, Berlin (acquired in 1971) Ausstellung: Künstler der Brücke in Berlin 1908-1914. Berlin, Brücke-Museum, 1972, cat. no. 24 / Berliner Leben - Bilder aus drei Generationen. Ausstellung im Rahmen der 15. Berliner Theaterwoche. Bonn, Godesburg, 1977, no. 26 / E.L. Kirchner. Zeichnungen - Pastelle - Graphiken. Museum der Stadt Aschaffenburg, Staatliche Kunsthalle Karls-ruhe, Essen, Museum Folkwang, und Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1980/81, Plate VI, cat. no. 63, p. 382, illustration p. 383
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26/10/2018
Proposé par Grisebach
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