Lot 57
Ernst Wilhelm Nay (1902 Berlin – 1968 Köln)
„Balance Joyeuse“. 1956
Öl auf Leinwand. 51,5 × 73,5 cm ( 20 ¼ × 28 ⅞ in.). Unten rechts signiert und datiert: NAy 56. Auf dem Keilrahmen oben mit Tuschpinsel in Schwarz bezeichnet, betitelt und datiert: NAY - „balance joyeuse" 1956. Rechts daneben mit Kugelschreiber in Blau gewidmet. Auf dem Keilrahmen unten ein Etikett zur Ausstellung Luxemburg 1965 (s.u.).
Scheibler 823.–
[3643]
Provenienz: Privatsammlung, Luxemburg (Geschenk des Künstlers, seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Collection d'Art Contemporain du Grand Duché de Luxembourg. Verviers, Musée Verviers, 1965
Auf seinem Weg in die Abstraktion entdeckte Ernst Wilhelm Nay die aus der Drehbewegung des Pinsels in der Hand entwickelte Scheibe als ideales Formelement, um seine Kompositionen rhythmisch zu gliedern. Scheiben können sich überlagern, ineinander eingreifen, sie können geschlossen oder dynamisch offen angelegt werden, sie ziehen wie ein Kaleidoskop am Auge vorbei. Als vollkommen abstraktes Ding erlauben sie unzählige Assoziationen an Federn, Blütenblätter, Sternschnuppen oder Tonfolgen. Aus dem Neben- und Übereinander der Scheiben in ihren unterschiedlichen Größen gewinnt Nay die Spannung die sich zwischen Fläche und Form, wie auch zwischen Form und Farbe aufbaut.
„Balance joyeuse“ läßt einen sprühenden Zyklus von Variationen erklingen. Blaue Nuancen konzentrieren sich in der rechten Bildhälfte, links dominiert flächiges Rot. In strahlender Helligkeit begleitet Weiß die Farbkaskaden. Die Ausformung der Scheiben ist unterschiedlich: einige sind geschlossen voluminös, andere aus trockenen Pinselschraffuren ringförmig gebildet und wieder andere dicht zusammengedrängt. Sie setzen als dichte Cumuli Schwerpunkte und lösen die solcherart verfestigte Struktur durch leicht und elegant dahinfliegende, lockere und undeutlich konturierte Farbtupfer wieder auf. Die Scheibe ist der alleinige Bildgegenstand. Sobald die Kunst nichts Illusionistisches mehr vorgibt, weder einen scheinbaren Raum zu erzeugen trachtet, noch gar wähnt, den wirklichkeitsgetreuen Raum gestalten zu können, ist sie frei für den virtuosen Umgang mit der Fläche. Überall ist der Einstieg in das Bild möglich und überall kann man es verlassen. Es gibt keine Achse, keinen Fixpunkt.
Nay ist mit seiner Formfindung einen ebenso einfachen, wie verblüffenden Weg gegangen. Er hat sich gänzlich für das Informel entschieden, ohne sich jedoch der gestischen Abstraktion zu verschreiben, der eine gewisse Beliebigkeit anhaften kann. Vielmehr konzentrierte er sich auf die Bewältigung des in seiner bewußten Flächigkeit friesartigen Scheibenbildes. Seine kosmische Unendlichkeit mutet zufällig an, doch sind die chromatischen Scheibenformationen mit viel Überlegung gesetzt. Im Entstehungsjahr von„Balance joyeuse“ hat der Künstler zuvor für die Universität Freiburg ein großes Wandbild geschaffen. Das „Freiburger Bild“ muß als eines der Schlüsselwerke der Malerei nach 1945 gelten, ja wohl als eines der wichtigsten Bilder deutscher Malerei im 20. Jahrhundert überhaupt. (EO)
Ernst Wilhelm Nay (1902 Berlin – 1968 Cologne)
„Balance Joyeuse“. 1956
Oil on canvas. 51,5 × 73,5 cm ( 20 ¼ × 28 ⅞ in.). Signed and dated lower right: NAy 56. On the upper stretcher bar with brush and black India ink inscribed, titled and dated: NAY - „balance joyeuse" 1956. Beside this to the right dedicated in blue ballpoint pen. On the bottom stretcher bar a label of the exhibition Luxembourg 1965 (see below).
Scheibler 823.–
[3643]
Provenienz: Private collection, Luxembourg (gift of the artist, thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Collection d'Art Contemporain du Grand Duché de Luxembourg. Verviers, Musée Verviers, 1965
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Dessins, aquarelles et pastels
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