Lot 33
Ewald Mataré (Aachen 1887 – 1965 Düsseldorf)
„Stehende Kuh (Windkuh)“. 1923
Bronze mit dunkelbrauner Patina. 18,5 × 34,5 × 21 cm ( 7 ¼ × 13 ⅝ × 8 ¼ in.). Auf der Plinthe mit dem Signet des Künstlers.
Schilling 15a.–
Guss zu Lebzeiten des Künstlers (vor 1939) aus einer Gesamtauflage von 13 Exemplaren (davon ein Guss im Museum of Modern Art, New York). Patina etwas ungleichmäßig, die Plinthe leicht ungleichmäßig gewölbt. [3603]
Provenienz: Udo Rukser, Berlin / Chile (1938 vom Künstler erworben) / Privatsammlung, Berlin (durch Erbschaft, seitdem in Familienbesitz)
Die Sommerreise des Jahres 1923 führte Ewald Mataré nach List auf Sylt. Was gab es in der kargen, von Wind und Meer geprägten Landschaft nicht alles an Motiven zu entdecken? Die Kühe zum Beispiel, die auf der Weide den Elementen trotzten. Und so entstanden neben Selbstporträts vor allem Holzschnitte und Reliefs dieser geduldigen, widerstandsfähigen Tiere. Zur Skulptur war Mataré durch einen Zufall gelangt, nachdem er ein Jahr zuvor bei einem Aufenthalt auf der kleinen Insel Spiekeroog keine Bretter für Holzschnitte auftreiben konnte. Daraufhin sammelte er Treibholz und begann zu schnitzen. Von nun an wurde die Plastik zu Matarés bevorzugtem Ausdrucksmittel.
Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Auseinandersetzung mit Adolf von Hildebrandts programmatischer Schrift „Problem der Form in der bildenden Kunst“. Darin forderte Hildebrandt in der plastischen Gestaltung eine Abwendung von der tastbaren Körperform hin zu einem die Geschlossenheit steigernden „Fernbild“, welches durch größere Flächigkeit und geringeres Volumen gekennzeichnet sei. Auch Mataré suchte nach den verspielten, detailreichen Ausschweifungen der Gründerzeitskulptur eine Verknappung und Dichte der Form. Doch das Betasten und Fühlen von Rundungen und Kanten, das ihn während des Herstellungsprozesses einer Skulptur leitete, wollte er als sinnliches Element auch dem fertigen Werk einschreiben.
Matarés „Windkuh“, durch das wenig nahrhafte Gras der Salzwiesen auf schlanker Gestalt gehalten, stemmt sich unbeirrbar gegen den rauen Nordseewind. Die stoische Haltung, die der Künstler an den Rindern auf Sylt beobachten konnte, übersetzt er daheim im Atelier in klare Linien und Volumina. Bestimmte Partien wie die Vorder- und Hinterläufe oder den Schädel des Tieres behandelt er dabei frei und ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Die Stilisierung, die damit einhergeht, steht der Eleganz der besten Werke des französischen Art déco in nichts nach. Im Gegenteil: Gerade dadurch gelingt es Mataré, das Wesenhafte der Kreatur präzise zu erfassen. OH
Ewald Mataré (Aachen 1887 – 1965 Düsseldorf)
„Stehende Kuh (Windkuh)“. 1923
Bronze with dark brown patina. 18,5 × 34,5 × 21 cm ( 7 ¼ × 13 ⅝ × 8 ¼ in.). On the plinth with the artist's signet.
Schilling 15a.–
Cast during the artist's lifetime (before 1939) from a total edition of 13 copies (one of which in the Museum of modern Art, New York). Patina somewhat irregular, the plinth slightly irregularly arched. [3603]
Provenienz: Udo Rukser, Berlin / Chile (1938 acquired from the artist) / private collection, Berlin (by descent, thence by descent to the present owner)
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Sculptures et bronzes
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