Lot 62
Fernando Botero (Medellín 1932 – lebt in Paris u. Pietrasanta) La Toilette. 1979 Grafit, Bleistift und Deckweiß auf Hahnemühle-Bütten. 63 × 48,4 cm ( 24 ¾ × 19 in.). Unten rechts signiert und datiert: Botero 79. [3027] Ausstellung: Botero. Aquarelles, dessins, sculptures. Basel, Galerie Beyeler, 1980, Kat.-Nr. 29, ganzs. Abb. o.S Die „Dame bei der Toilette“ war ein beliebter Topos von der Renaissance bis zum Expressionismus – und kunsthistorische Parallelen und Verweise finden sich häufig in Boteros Werk. Werner Spies hat in einem Gespräch mit Fernando Botero beobachtet, dass dieser ganze Sammlungen und Museen auswendig im Kopf habe. Und doch finde sich in seinem Schaffen nie ein konkretes Zitat, sei jede seiner Arbeiten Resultat der ständigen Synthese aus Wissen und eigenen Fertigkeiten (vgl. Werner Spies: Boteros lustvoller Widerstand, in: Botero, Ausst.- Kat. München 1986, S. 16). Botero zog 1960 nach New York und malte gegenständlich zu einer Zeit, da der abstrakte Expressionismus als die Spitze der Avantgarde galt. Boteros voluminöse Figuren stießen in der angelsächsisch-protestantischen Welt auf Unverständnis und radikale Ablehnung. Doch trotz aller Kritik blieb der Maler seiner Bildsprache treu. Er ahnte wohl, dass sich seine Kunst gerade durch das Abweichen von den stilistischen Normen als kraftvoll und widerständig erweisen sollte. Neben der Polemik gegen die tendenzielle Körperfeindlichkeit, der er in den USA begegnete, steigert der Maler durch die Deformation den Ausdrucksgehalt seiner Figuren. Sie sind sowohl formal präsent als auch sinnlich in ihrer Plastizität. „La Toilette“ zählt zu den großformatigen Zeichnungen, in denen Fernando Botero alles Skizzenartige abstreift und den schnellen Einfall beiseitelässt, um ein vollgültiges Kunstwerk zu schaffen. Auch dies ist in seiner Konsequenz ein Zeichen für Boteros Auflehnung gegen den vermeintlichen Konsens innerhalb der modernen Malerei. Betrachtet man die Figur eingehender, erhält das starke Volumen durch die Verwendung des Bleistifts etwas Zartes. Altmeisterlich sind Licht und Schatten in feinen Schraffierungen über den Körper gelegt. Versunken in ihre Verrichtungen, bemerkt uns die Dame nicht. Ihre Unachtsamkeit ist unser Lohn; denn wie Goethe sagte, „der Anblick eines wahrhaft Glücklichen macht glücklich.“ OH Fernando Botero (Medellín 1932 – lives in Paris and Pietrasanta) La Toilette. 1979 Graphite, pencil and opaque white on Hahnemühle laid paper. 63 × 48,4 cm ( 24 ¾ × 19 in.). Signed and dated lower right: Botero 79. [3027] Ausstellung: Botero. Aquarelles, dessins, sculptures. Basel, Galerie Beyeler, 1980, cat. no. 29, full-page ill. no page numbers
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
01/12/2016
Proposé par Grisebach
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