Lot 1129
FINELY INLAID MULTI-PURPOSE DESK, Rococo, Neuwied ca. 1765/68. Workshop Abraham and David Roentgen. Maple, tulipwood, mahogany, and in part tinted and engraved fruitwoods, opulently and finely inlaid as rocailles, pomegranates, flowers, birds and insects. Hinged top, curved with gilt sabots (incomplete) and horn castors. The legs, originally screwed-on. Two extendable metal supports on the back, as supports for the top, one side of the top lined with green embossed leather (later). The top opens up to display a chest of drawers in mahogany, with 4 compartments with 3 small drawers on each side, over a broad drawer (original iron springs with wood cover for locking, replaced). Top with hinged book support, flanked by 2 compartments under a slatted closure. Gilt, pierced bronze mounts, designed as scrolled leaves. 1 key. 82 x 41(open 87) x 75(98) cm. Restored, some losses and cracks in the veneer. Minor restorations to the veneer. Provenance: - Koller Auctions, 20 September 2000. Lot No. 1674. - Swiss private collection. With expert opinion by Dr. C. Cornet, Munich 2020. This very finely crafted multi-purpose desk combines several typical features of the work of the Neuwied Manufactory of Abraham and David Roentgen. Technically sophisticated multi-purpose furniture was a speciality of the Roentgen workshop, as was the excellent quality of the workmanship. The table also captivates with its fine marquetry "en mosaique", a speciality of the Roentgen Manufactory, which developed it to absolute mastery from 1760 onwards. A multi-purpose desk auctioned at Sotheby's in December 1991 features the almost identical marquetry as the desk on offer. Comparative literature: D. Fabian, Abraham und David Roentgen - Leben und Werk, Bad Neustadt/Saale 1996. No. 23b, p. 32 with a comparable top. FEIN INTARSIERTER MEHRZWECKTISCH Rokoko, Neuwied um 1765/68. Werkstatt Abraham und David Roentgen. Ahorn, Rosenholz, Mahagoni und teils getönte sowie gravierte Obsthölzer reich und fein eingelegt in Form von Rocaillen, Granatäpfeln, Blumen, Vögeln und Insekten. Trapezförmiger, allseitig geschweifter Korpus mit aufklappbarem Blatt auf welliger Zarge und geschweiften Beinen mit vergoldeten Sabots (unvollständig) und Hornrollen. Die Beine ursprünglich abschraubbar. Zwei rückseitige ausziehbare Metallstützen als Auflagen für das innen auf der einen Seite mit grünem geprägtem Leder (später) bezogene Blatt. Öffnend auf einen hochfahrbaren Schubladenkorpus in Mahagoni, mit vier Fächern flankiert von je drei kleinen Schubladen über einer breiten Schublade (ursprüngliche Eisenfedern mit Holzabdeckung zur Arrettierung ersetzt). Oben mit aufklappbarer Bücherstütze, flankiert von zwei Kompartimenten unter Lamellenverschluss. Vergoldete durchbrochene Bronzebeschläge in Form von Blattvoluten. 1 Schlüssel. 82 x 41(offen 87) x 75(98) cm. Restauriert, einige Fehlstellen und Furnierrisse. Geringe Furnierergänzungen. Provenienz: - Koller Auktionen, 20. September 2000. Lot 1674. - Schweizer Privatbesitz. Mit Gutachten von Frau Dr. C. Cornet, München 2020. Dieser sehr fein gearbeitete Mehrzwecktisch vereint mehrere typische Merkmale der Arbeiten der Neuwieder Manufaktur des Abraham und David Roentgen. Technisch raffinierte Mehrzweckmöbel waren eine Spezialität der Werkstatt Roentgen, ebenso wie die vorzügliche Qualität der konstruktiven Arbeit. Ausserdem besticht der Tisch durch seine feine Marketerie "en mosaique", eine Spezialität der Roentgen Manufaktur, die sie ab 1760 zur absoluten Meisterschaft entwickelte. Ein im Dezember 1991 bei Sotheby's versteigerter Mehrzwecktisch weist das beinahe identische Marketeriebild auf wie unser Tisch auf. An unserem Tisch zeigt sich, wie viele Anregungen Abraham Roentgen aus seinem London-Aufenthalt geschöpft hatte und wie diese sich in seinem Werk niederschlugen. Die englische Möbel-Kunst genoss in deutschen Ländern ein hohen Ansehen, dennoch ist die Korpus- und Oberflächengestaltung dieses Tisches keine blosse Nachbildung des englischen Typs, sondern das Ergebnis einer eigenständigen Entwurfsleistung, mit welcher Abraham Roentgen gleichermassen englischen wie französischen Anregungen folgte. Mit dieser Gestaltungsweise, die er nach seinem Umzug nach Neuwied um 1750 entwickelte, berücksichtigte er die Vorlieben der adeligen Kundschaft für den französischen Ausstattungsstil, dessen Eigenheiten er mit denen des englischen verband. Bei unserem Schreibtisch kombinierte er den englischen Möbeltyp mit den geschweiften Formen der Zargen und Beine wie auch mit den Blumenmarketerien und vergoldeten Bronzegussbeschlägen des französischen Vorbilds. Er modifizierte die Konstruktion indem nicht mehr, wie bei früheren Exemplaren, ein ausschwenkbares Bein (sog. gateleg) mit einem Zargenteil das umschlagbare Blatt stützte, sondern zwei Auszüge die Auflage bildeten. Mit seinen präzise gravierten Marketerien auf den Zargen und dem oberen Blatt gehört unser Tisch zu den typischen Arbeiten Abraham Roentgens. Infolge des Siebenjährigen Kriegs in den Jahren 1756-1763 geriet die Werkstatt in grosse finanzielle Schwierigkeiten und es sammelten sich viele fertige, aber unverkaufte Möbel an. So kam Davis Roentgen, Abrahams ältester Sohn, auf die Idee, dieser misslichen Situation mit einer Lotterie abzuhelfen. Es sollten die vorhandenen Möbel verlost und durch den Überschuss der verkauften Lose die Manufaktur saniert werden. Die Lotterie wurde 1768 in Hamburg genehmigt und der Plan ging auf; David verkaufte sämtliche Lose und in der Beschreibung des Hauptgewinns, eines Schreibmöbels, ist erstmalig von einer neuen Marketerietechnik die Rede: „à la mosaique“. Der Zeitpunkt der Lotterie bildet eine Zäsur im Marketeriewerk der Roentgenmanufaktur, da von nun an diese neue Einlegetechnik angewandt wurde. Mehrere analoge oder teils nahezu identische Mehrzwecktische sind bekannt; der eigentliche Prototyp ist auf die Jahre 1745 zu datieren und weist einen sehr ähnlichen Mechanismus auf, wobei die Formgebung noch stark vom englischen Stil George II beeinflusst ist (heute Bestand der Häuser Stiftung in Frankfurt am Main, Inventar. H. St. 2/3438). Ein weiterer Mehrzwecktisch aus früherem fränkischem Fürstenbesitz besitzt die nahezu identische Formgebung wie der hier angebotene Kombinationstisch, unterscheidet sich jedoch darin, dass die Stütze der Schreibplatte durch das Herausziehen des rechten Beins gewährleistet ist. Vergleichende Literatur: D. Fabian, Abraham und David Roentgen - Leben und Werk, Bad Neustadt/Saale 1996. Nr. 23b, S. 32 mit vergleichbarem Deckblatt.
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Mobilier classique
À propos de la vente
Catalogue
Mobilier, Porcelaine & Argenterie
8031 Zürich - Suisse
18/06/2020
Proposé par Koller Auctions
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